CDU-Basis hat ein bisschen Sehnsucht nach Merz

Rolf Kiesendahl
Die CDU-Regionalkonferenz in Iserlohn.
Die CDU-Regionalkonferenz in Iserlohn.
Foto: IKZ

Ruhrgebiet. Im Kampf um den Vorsitz der NRW-CDU treffen Röttgen und Laschet am Mittwochabend in Bottrop aufeinander. Manche hätten aber gern einen dritten Kandidaten, den konservativen Friedrich Merz.

Laschet oder Röttgen? Die NRW-CDU hat bei der Kür ihres Landesvorsitzenden die Qual der Wahl. Da beide Kandidaten dem großstädtischen, liberalen Flügel der Union zugerechnet werden, wächst bei manchen Christdemokraten die Sehnsucht nach einem Wertkonservativen: Friedrich Merz.

Vor der nächsten Regionalkonferenz am Mittwochabend in Bottrop macht Josef Hovenjürgen, MdL und Chef des 6000 Mitglieder starken Kreisverbandes Recklinghausen, kein Geheimnis daraus, dass er Armin Laschet favorisiert. „Über Schulpolitik in NRW und den Kraftwerksbau in Datteln wird nicht in Berlin gestritten. Und auch nicht bei der Klimakonferenz in Rio.“

Das sei aber keine Wahlempfehlung, die Mitglieder sollten sich selbst ein Bild machen: „Ich traue beiden den Job zu. Es ist auch keine Richtungsentscheidung.“

Sehnsucht nach Friedrich Merz

Dass Friedrich Merz urplötzlich als „Säulenheiliger“ (Hovenjürgen) für das konservative Element in der CDU herhalten müsse, sei seltsam. „Als er damals über Leitkultur gesprochen hatte, galt er noch als Unperson.“

„Beide Kandidaten sind sich vom Profil her ähnlich“, konstatiert Gelsenkirchens CDU-Chef Guido Tann. Seinem Empfinden nach kam Norbert Röttgen beim ersten Duell besser an. Es sei aber wichtig, die vielen kirchlich geprägten Mitglieder mitzunehmen. Sollte Merz noch in den Ring steigen, würde er das „sehr begrüßen“. Aber: „Nach der Vorgeschichte ist das unrealistisch.“

Ein offenes Rennen sieht Dirk Buttler, der Vorsitzende der Kommunalpolitischen Vereinigung (KPV) der CDU im Ruhrgebiet. In seinem persönlichen Bewertungsschema kann Röttgen zumindest in der Rubrik Charisma punkten: „Ich glaube, er trifft den richtigen Ton.“ Laschet habe dagegen das sozialere Profil.

„Viele Mitglieder, die Laschet aus der Landespolitik kennen, wägen ab, ob uns der Bundespolitiker Röttgen wirklich mehr nutzen könnte“, weiß Willi Hausmann, Chef der CDU Oberhausen. Andererseits habe Röttgen eine hohe TV-Präsenz – ein Nachteil für Laschet. Auch Hausmann sieht ein enges Rennen.