Cannabis-Konsum immer riskanter

Cannabis unter Jugendlichen noch immer weit verbreitet
Cannabis unter Jugendlichen noch immer weit verbreitet
Die Zahl der Drogentoten sinkt in Deutschland, die der Erstkonsumenten von Rauschgiften nimmt aber zu, sagt die Bundesregierung. Als großes Risiko wird von Experten der Konsum von Cannabis gesehen.

Berlin. Das Rauchen von Haschisch oder Marihuana wird immer gefährlicher. In den Indoor-Plantagen wachsen Cannabis-Pflanzen mit einem so hohen Wirkstoffgehalt heran, dass BKA-Präsident Jörg Ziercke den Konsum als nicht mehr kalkulierbar bezeichnet.

Mit dem Stoff der 70er Jahre („Morgens ein Joint und der Tag ist dein Freund“) soll das heute oft in Deutschland angebaute Cannabis nicht mehr viel zu tun haben. Ziercke: „Der Begriff der weichen Droge ist hier nicht mehr angemessen, denn die Risiken sind nicht kalkulierbar.“

Positive Tendenzen bestätigt aber die gleichzeitig von der Drogenbeauftragten der Bundesregierung, Mechthild Dyckmans (FDP), vorgelegte Drogenbilanz 2010. Danach ist die Zahl der Drogentoten in Deutschland im vergangenen Jahr erneut gesunken. 1237 Menschen starben am Konsum illegaler Drogen, das sind sieben Prozent weniger als im Vorjahr. Die meisten von ihnen kamen durch eine Überdosis Heroin um, oft kombiniert mit Alkohol oder anderen Rauschgiften. An dritter Stelle stehen Langzeitschäden, etwa durch chronische Erkrankungen wie Hepatitis C.

Bessere Behandlungsangebote

Mechthild Dyckmans führte die gesunkene Zahl auf die Hilfs- und Behandlungsangebote für Abhängige zurück. „Das hat sich bewährt. In den vergangenen zehn Jahren starben immer weniger Menschen an ihrem Drogenkonsum und das Durchschnittsalter der Drogentoten steigt an.“ 84 Prozent der Toten sind männlich, das Durchschnittsalter liegt bei 36,5 Jahren,

Angestiegen ist die Zahl der aufgefallenen Erstkonsumenten. Registriert wurden 18.621, fast drei Prozent mehr als in 2009. Allerdings sinkt die Zahl der Erstkonsumenten bei den klassischen Drogen wie Heroin, Kokain und Ecstasy. Elf Prozent Anstieg gab es dagegen bei Amphetaminen wie Speed oder Pep (plus elf Prozent), kristallinen Methamphetaminen wie Crystal (plus 76 Prozent) und Crack (plus 72 Prozent).

Gefährliches „Badesalz“

BKA-Präsident Ziercke betonte, dass die Dunkelziffer beim Rauschgiftkonsum weit höher liege. Gemeinsam mit der Drogenbeauftragten warnte er vor vermeintlich legalen Kräutermischungen, die unter der Bezeichnung „Legal Highs“ angeboten werden. Diese synthetischen Drogen werden laut Ziercke als „Badesalze“, „Lufterfrischer“ oder eben „Kräutermischungen“ deklariert. Die in Osteuropa hergestellten Produkte wirkten zwar harmlos, enthielten aber oft Betäubungsmittel oder ähnlich wirkende chemische Wirkstoffe.

2010 beschlagnahmten die Fahnder von Polizei und Zoll die bislang größten Mengen an Kokain und Methamphetaminen. 3031 Kilogramm Kokain, fast 80 Prozent mehr als im Vorjahr, stellten die Behörden sicher. Allein in Hamburg fanden sie in einem Schiffscontainer aus Paraguay 1,3 Tonnen Kokain. Das war die bislang größte Einzelmenge an Kokain in Deutschland.

 
 

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