BVB will zehn Millionen Euro ins Team investieren

Daniel Berg
Gut gelaunt: BVB-Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke. (Foto: imago)
Gut gelaunt: BVB-Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke. (Foto: imago)
Borussia Dortmund steht vier Spieltage vor dem Ende der Saison als Teilnehmer der Champions League fest. Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke spricht im Interview über die Strategie mit den Millionen aus der Königsklasse.

Dortmund. Der überlegene Tabellenführer der Fußball-Bundesliga, Borussia Dortmund, steht vier Spieltage vor dem Ende der Saison als Teilnehmer der Champions League fest. Im Gespräch erklärt BVB-Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke, wohin das große Geld aus der Königsklasse fließen wird.

Haben Sie den Hubschrauber für den 25. August schon gechartert?

Hans-Joachim Watzke: Sie meinen wegen der Champions-League-Auslosung? Den werden wir dieses Mal nicht brauchen.

Das war im letzten Jahr anders...

Watzke: Ja, aber da wussten wir ja auch noch nicht, ob wir überhaupt bei der Auslosung für die Europa League dabei sein würden. Wir spielten am Vorabend noch die Qualifikation in Aserbaidschan, sind dann über die Ukraine nach Nizza geflogen. Und drei Minuten bevor dort die Türen abgeschlossen wurden, hat uns der Hubschrauber zur Auslosung nach Monte Carlo gebracht. Wer es bis dahin nicht schafft, muss sich alles draußen auf einem Fernseher anschauen.

Die Gefahr besteht ­dieses Mal nicht. Seit Sonntag können Sie die Reise fest einplanen, der BVB ist zurück in der Königsklasse. Wofür wird das große Geld verwendet?

Watzke: Wir werden aus den Netto-Mehr-Erlösen von vielleicht 20 Millionen Euro gut die Hälfte für den Fußball brauchen, ein weiteres Viertel in die Stadion-Infrastruktur investieren, weil es da durch die mageren Jahre einen Investitionsstau gegeben hat. Und das restliche knappe Viertel werden wir dazu nutzen, einerseits ein paar Verbindlichkeiten abzubauen und andererseits noch Geld auf die hohe Kante zu legen.

Was muss im Stadion gemacht werden?

Watzke: Wir bekommen neue Videotafeln, weil die alten hinüber sind, wir vergrößern die Mixed-Zone und die Schiedsrichter-Kabinen, wir müssen im Hospitality-Bereich renovieren und etwas am Beton machen. Das ist eine ganze Menge, was da liegen geblieben ist, weil wir zuletzt nur in die Substanz des Sports gesteckt haben.

Für diesen Bereich stehen jetzt also gut zehn Millionen Euro bereit. Verändert die Champions League das Beuteschema des BVB? Brauchen der Kader mehr Erfahrung?

Watzke: Das mit der Erfahrung ist doch Quatsch! Eine Mannschaft, die die Qualifikation zur Champions League geschafft hat, ist ein Jahr später automatisch ein Jahr erfahrener. Warum soll sie nicht auch stark genug für die Champions League sein?

Weil auf diesem Niveau nochmal andere Dinge den Ausschlag geben?

Watzke: Natürlich ist die Champions League vor allem mental intensiver als die Europa League. Aber wir werden versuchen, das Leistungsniveau in der Breite zu erhöhen. Maximaler sportlicher Erfolg ohne einen Euro neuer Schulden - so heißt unser Projekt und das wollen wir nicht gefährden.

Das heißt, es wird weiterhin keinen Einkauf über fünf Millionen Euro geben?

Watzke: Wenn wir für Gehalt und Ablöse ein Investitions­volumen von zehn Millionen Euro haben, dann müsste ein Spieler, der zwölf Millionen Euro kostet ja noch zwei Millionen Euro mitbringen und umsonst spielen.

Davon wird es nicht viele geben...

Watzke: Andererseits gibt es kein Dogma. Wir haben noch nie in meiner Amtszeit einen Transfer über fünf Millionen Euro getätigt, das ist korrekt, aber das steht nicht wie in der Bibel. Wenn wir irgendwann mal Transfererlöse erzielen, dann sind wir auch bereit, Transfers in dieser Größenordnung zu machen. Aber da wir keinen Leistungsträger veräußern wollen, haben wir nur ein moderateres Budget zur Verfügung.

Wie realistisch ist es, die Leistungsträger halten zu können?

Watzke: Wir rechnen mit Angeboten, klar. Aber bevor sich ein Spieler Gedanken macht, müssen wir uns Gedanken machen. Wir haben Verträge gemacht. Und die machen wir ja nicht im März, um die Spieler im Juni zu verkaufen. Wir wollen die Mannschaft zusammenhalten.

Wie schwer wird das?

Watzke: Schwer? Warum? Wir haben doch Verträge.

Sie selbst haben gesagt, dass man sich beim Interesse von bestimmten, renommierten Vereinen mit dem Spieler zusammensetzen müsse.

Watzke: Ich habe damit zwei Klubs gemeint: den FC Barcelona und Real Madrid. Aber auch die haben nur elf Plätze und meiner Meinung nach schon ziemlich gute Mannschaften. Wenn aber jetzt Wer-weiß-wer anruft, der nicht den einen oder den anderen Namen trägt, der braucht gar nicht zu kommen, der braucht sich gar nicht zu melden, der kann sich alles sparen.

An Dortmunds Chefstrategen Nuri Sahin soll Real Madrid interessiert sein.

Watzke: Das wird in den Medien rauf- und runterdekliniert. Die einzigen, die davon nichts wissen, sind Real Madrid, Borussia Dortmund und Nuri Sahin. Darüber brauchen wir kein Wort zu verlieren.

Sahin ist seit Sonntag verletzt. Werden Sie die Gespräche um seine Zukunft nun doch vor dem Ende der Saison aufnehmen?

Watzke: Das wäre total unfair. Nuri ist mental in einem Loch, weil er in der finalen Phase ausfällt. Wir haben ein Abkommen mit ihm und seinem Berater getroffen, dass wir uns nach der Saison unterhalten. Daran halten wir uns.

Wie weit sind die Verhandlungen mit Mittelfeldspieler Ilkay Gündogan vom 1. FC Nürnberg?

Watzke: Das ist ein interessanter Spieler, wir könnten uns auch vorstellen, ihn zu verpflichten. Aber es gibt ansonsten nichts zu vermelden. Michael Zorc (Sportdirektor, d. Red.) ist da am Ball.

Die ausgeliehenen Julian Koch (Rechtsverteidiger, zentrales Mittelfeld, d. Red.) und Moritz Leitner (zentrales Mittelfeld) kommen im Sommer nach Dortmund. Wo sehen Sie im Kader zudem Handlungsbedarf? Mit dem Weggang von Dede wird es nur noch einen nominellen Linksverteidiger geben.

Watzke: Auf den Positionen, auf denen wir intern Handlungsbedarf sehen, werden wir handeln. Aber nach wie vor ohne das in der Öffentlichkeit zu diskutieren.

In welchem Maße werden die Personalkosten, bisher 36,5 Millionen, angehoben?

Watzke: Wir planen mit einem Budget von 40 Millionen Euro für die Mannschaft. In der Champions League sind wir damit zwar ganz unten auf der Leiter, aber das sind wir aus der Bundesliga gewohnt. Und wenn wir dann nervös würden vor der Saison, dann schauen wir uns die Prognosen der Experten von dieser Saison an, und dann sieht die Welt schon wieder anders aus.