Bunte Riesen beim Drachenfest in Lünens Luft

Foto: WR

Lünen.. Ob zu Fuß, auf zwei oder auf vier Rädern: In Scharen pilgerten die Menschen am Wochenende Richtung Segelflugplatz, wo das 21. Sparkassen-Drachenfest mit viel Sehenswertem lockte. Kleine und große Flugobjekte bevölkerten den blauen Himmel.

Schon auf der Hinfahrt bleibt dem aufmerksamen Beobachter nicht verborgen, dass sich an diesen beiden Tagen in der Lippestadt alles um die bunten Wirbelwinde dreht: Sie lugen aus Kofferräumen und sind auf Gepäckträger gespannt. An den parkenden Autos, die sich im Umfeld des Geistviertels fast stapeln, ist abzulesen, dass viele Besucher auch in diesem Jahr von weit her kommen.

Drachenfest in Lünen

Drachenfest in Lünen
Benedikt Seifert

„Zum Drachenfest herrscht hier Ausnahmezustand“, erzählt Studentin Kathrin Beckmann, die mit ihren Eltern in der Geist wohnt. „Da kann es auch schon einmal vorkommen, dass in unserer Siedlung ein regelrechter Stau entsteht.“ Seit ihrer Kindheit besucht die 24-Jährige mit ihrer Familie jährlich das Drachenfest. „Das ist eine Art Tradition für uns“, sagt sie. Das Panorama mit den unzähligen Drachen in verschiedenen Formen, Farben und Größen begeistere sie trotzdem immer wieder. „Das sind einfach so viele Eindrücke.“

Riesige Tiere

Auch der zehnjährige Frederic Neiß ist begeistert. Mit seiner Familie ist er extra aus Dinslaken gekommen. „Die Drachen sehen aus wie riesige Tiere. Am besten gefällt mir die Ente. Aber es gibt hier fast alle Arten.“ Und Recht hat er: Ob Eule, Wal, Krebs, Salamander oder Pinguin – fast kein Bewohner der Tierwelt, der nicht seinen Platz am Drachenfest-Himmel findet. Sogar ein riesiger roter Teufel ist dabei. Sie alle bewegen sich im Wind, als seien sie lebendig.

Was so leicht aussieht, ist eine Menge Arbeit, weiß Drachenbauer Norbert Steinweg zu berichten. 500 Stunden müsse man für so ein Kunstwerk schon opfern, sagt er und sein Kollege Peter Müller fügt hinzu: „So ein Drache kann dann um die 1 000 Euro kosten.“ Mit rund 15 Freunden und zwei Wohnwagen sind sie auch dieses Jahr auf der Fliegerwiese dabei – „Das ist Pflicht“, so Müller. Das Wetter an diesem Wochenende ist optimal und so gab es am Samstag eine Höhenfreigabe von 600 Metern.

Seit rund 20 Jahren fröne er dem Drachensport, so Müller. 35 Drachen und jede Menge Fachwissen hat er in dieser Zeit angesammelt. Für den Experten steckt mehr dahinter, als nur die Optik. „Mit den Kastendrachen wurde schon im 18 Jahrhundert der Luftdruck gemessen. Mit ihrer Hilfe konnte man Wettervorhersagen treffen“, erzählt er. „Der 120 Meter lange ,Centipede’ ist ein historischer Drache. Er kommt aus China und hat eine über 100 Jahre lange Tradition. Früher wurde er von Generation zu Generation weitervererbt und alle Veränderungen, die man mit der Zeit an ihm traf, wurden in einem Buch festgehalten.“

Doch nicht nur Technik und Hintergründe der Drachen faszinieren Müller an diesem Sport. „Man ist an der frischen Luft und lernt neue Leute kennen“, sagt er. Die Drachenflieger seien eben ein kommunikatives Volk.

Breiten- und Spitzensport

Und während er seinen kleinen schwarzen „Thermikschnüffler“ und den großen weißen „Schleierschwanz Delta“ in die Luft lässt, ertönt aus den Lautsprechern dramatische Musik. Mit vier blauen Lenkdrachen setzen die amtierenden Vizeweltmeister der „Red Bull Kite Force“ zum Showfliegen an. Trotz des rasanten Flugtempos schaffen die Piloten es, dass die Drachen sich synchron, dann wie ein Stern auseinander und wieder aufeinander zu bewegen. Arm- und Beinarbeit verraten, wie viel Kraft für den Drachensport nötig sein muss. Das Publikum applaudiert begeistert. Ein paar Meter weiter gibt es noch etwas Besonderes zu sehen. Der Clan Ironforge Highland-Games stellt den schottischen Sport vor, bei dem man Gewichte über die Schulter in die Höhe werfen muss. Daneben sorgen das Rotkäppchen Kindertheatermobil und ein Drachenbauworkshop für freudige Kinderaugen.

Einen optischen Augenschmaus für alle Altersgruppen stellte der Samstagabend da. Pünktlich zur Dämmerung zeigte sich das Gelände umrahmt von Fackeln. Beim traditionellen Nachtfliegen wurden die Drachen mit Scheinwerfern angestrahlt und illluminiert. Seifenblasen verteilende Windräder sorgten für eine besondere Atmosphäre und das abschließende Feuerwerk gegen 21 Uhr für ein gelungenes Ende des ersten Veranstaltungstages.

Auch die kleine Saphira erlebt eine schöne Zeit auf dem Segelflugplatz. Sie und ihre Familie wohnen erst seit Juli in Lünen. Mama Sylvana Kara zeigt sich begeistert, was die neue Heimat zu bieten hat. „Wir waren zum ersten Mal beim Drachenfest und fanden es toll. Nächstes Jahr kommen wir bestimmt wieder.“

 
 

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