Bundesregierung will mit höheren Honoraren Ärzte aufs Land locken

Die Bundesregierung will den Ärzte-Mangel in ländlichen Gebieten jetzt per Gesetz bekämpfen: Mehr Geld und Vorteile für Familien sollen mehr Mediziner aus den Städten locken. Auf die Krankenkassen kommen wohl bis zu 200 Millionen Euro Mehrkosten zu.

Berlin.. Mit höheren Honoraren will die Bundesregierung künftig mehr Ärzte aufs Land locken. Denn schon jetzt gibt es in einigen dünn besiedelten Regionen einen Medizinermangel. Und Experten schätzen, dass in den nächsten Jahrzehnten bundesweit bis zu 20.000 Ärzte fehlen werden. Die Gründe sind vielfältig.

Zum einen gehen viele Landärzte in absehbarer Zeit in den Ruhestand, zum anderen wächst der Bedarf wegen der alternden Bevölkerung. Auch wollen zu viele Mediziner in Städten praktizieren und zu wenige auf dem Land. Das schwarz-gelbe Kabinett will daher mehr Anreize für Landärzte schaffen. Die Ministerrunde brachte am Mittwoch einen Gesetzentwurf auf den Weg, wonach Ärzte keine Abschläge mehr auf ihre Honorare hinnehmen müssen, wenn sie in dünn besiedelten Gebieten arbeiten. Bisher sorgte eine Deckelung dafür, dass ein Landarzt in einem strukturschwachen Gebiet finanzielle Nachteile hat, wenn er besonders viele Patienten behandelt.

Anreize für Familien

Nach dem jetzigen System gibt es weniger Geld pro Behandlung, wenn eine bestimmte Menge überschritten ist. Ziel ist es zu verhindern, dass Ärzte sinnlos Leistungen ausweiten. Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf soll verbessert werden, um auch mehr Medizinerinnen für das Leben auf dem Land zu gewinnen. So sollen sich Vertragsärztinnen nach einer Geburt künftig zwölf statt bisher sechs Monate vertreten lassen können. Aufgehoben wird die sogenannte Residenzpflicht für Ärzte.

Das heißt, künftig können die Mediziner in der Stadt wohnen und auf dem Land praktizieren. Auch das soll die Entscheidung für eine Praxis auf dem Land erleichtern. Mit dem Versorgungsgesetz will Gesundheitsminister Daniel Bahr den drohenden Ärztemangel verhindern und eine flächendeckende und vor allem wohnortnahe Versorgung sichern.

Abiturnote und Motivation

Ferner will sich die Bundesregierung für mehr Medizin-Studienplätze einsetzen. Dazu will der Bund den Ländern befristet Zuschüsse zahlen. Bei der Studienplatzvergabe soll zudem nicht länger nur die Abiturnote zählen, sondern auch eine hohe Motivation für den Arztberuf. Zum Beispiel soll eine Berufsausbildung im medizinischen Bereich oder auch ein Freiwilliges Soziales Jahr Pluspunkte bringen. Darüber entscheiden aber letztlich die Länder. Angeregt wird zudem eine «Landarztquote» von drei bis fünf Prozent für Medizinstudenten. Dabei könnten Studienbewerber, die sich freiwillig verpflichten nach Abschluss ihrer Ausbildung in unterversorgten Gebieten zu arbeiten, besonders gefördert werden.

Mit dem Versorgungsgesetz kommen auf die Krankenkassen voraussichtlich Zusatzkosten bis zu 200 Millionen Euro im Jahr zu. Im Gegenzug soll es aber Einsparungen geben, indem Klinikaufenthalte und Krankentransporte vermieden werden. Am 1. Januar 2012 soll das Regelwerk in Kraft treten. Es reagiert auch auf die Erfahrung mit der Pleite der City BKK, deren Versicherte teilweise von anderen Kassen abgewimmelt wurden. Einer gesetzlichen Kasse, die eine Mitgliedschaft ablehnt, verhindert oder erschwert ein Zwangsgeld von bis zu 50.000 Euro. Vorstände sollen für solche Fälle persönlich haften. (dapd/rtr)

 
 

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