Bulgarische Zeitungen: Bodo Hombach wehrt sich gegen Nationalismusvorwürfe

Foto: WAZ

Essen.. Wegen einer angeblichen nationalistischen Kampagne in zwei bulgarischen Zeitungen steht die WAZ Mediengruppe in der Kritik der Presse. Im Interview nimmt WAZ-GeschäftsführerBodo Hombach zu den Vorwürfen Stellung.

Das Kürzel WAZ bürgt für gute Geschäfte. Mit den journalistischen Inhalten, sagen Kritiker, nimmt es das Haus weniger genau.

Hombach: Die Mitgliedschaft in der WAZ-Mediengruppe ist ein Qualitätsversprechen. Was in unserer Zeitung steht, stimmt. Von diesem Satz sollte jeder überzeugt sein können. Nur so wird Qualitätsjournalismus gegen Gratisjournalismus oder interessegeleiteten Journalismus bestehen können. Nur so wird die kritische Presse ihre unverzichtbare demokratische Wächterrolle auch in Zukunft glaubwürdig spielen können.

In der deutschen Berichterstattung über eine angebliche nationalistische Kampagne in zwei bulgarischen Zeitungen der WAZ-Gruppe war eher von einer Täterrolle die Rede.

Hombach: Wir wurden hart angegriffen und sollten in unserer Glaubwürdigkeit verletzt werden. Für mich überraschend, ohne Vorwarnung. Unsere Bemühungen um verantwortungsvollen Journalismus auf der einen Seite und unser unumstößliches Traditionsprinzip, dass die Chefredakteure die inhaltliche Verantwortung tragen und nicht der Verlag auf der anderen Seite, wurden mit Kritik überschüttet. Unsere Reaktion soll aber vorbildlich bleiben. In aller Besonnenheit wollen wir der Wahrheit, aber auch unseren Anstrengungen zur Qualitätssteigerung verpflichtet bleiben.

Nach dem Wirbel um die beiden bulgarischen Zeitungen will sich die Essener Konzern-Zentrale stärker um die Inhalte ihrer Blätter in Südosteuropa kümmern. Werden jetzt die Redaktionen an die kurze Leine genommen?

Hombach: Das ist eine Fehlinterpretation. Diese muss deutlich korrigiert werden. Unser Grundprinzip bleibt: Der Verlag mischt sich nicht in die Inhalte unserer Zeitungen ein. Er macht das an keinem Ort, zu keiner Zeit und gegenüber niemandem. Er macht keine politisch-inhaltlichen Vorgaben. Die Blattlinie ist ausschließlich in der Verantwortung der Chefredakteurinnen und Chefredakteure. Allerdings sind die Grundsätze der OSZE eine strikt einzuhaltende Leitplanke. Da sind wir und unsere Verantwortlichen vertraglich festgelegt. Demokratische Prinzipien, Menschenrechte, Gewaltfreiheit u.a. stehen nie zur Disposition. In diesem Rahmen sind unsere Redaktionen frei, und dabei werden sie vom Verlag geschützt. Kürzlich haben wir mit dem Internationalen Journalistenverband unter seinem Präsidenten Aidan White vertraglich vereinbart, dass der Internationale Journalistenverband uns unterstützt, die Qualitätsprinzipien unserer Arbeit zu definieren und zu gestalten. Diese Aufgabe, Qualitätsjournalismus und Wahrheitstreue im Sinne der Leser überall zu verstärken und zu verbessern, will der Verlag stärker als je zuvor unterstützen und im Zusammenwirken mit den Chefredakteuren durchsetzen. Weiterbildung und Ausbildung sollen erheblich ausgebaut und verbessert werden und in regelmäßigen Kontakten und Konferenzen sollen Grundsätze besprochen, vereinbart und festgelegt werden. In diesem Bereich soll tatsächlich viel mehr geschehen als früher, aber eben nicht als inhaltliche Vorgabe, sondern als eine formale, auf die Qualität des journalistischen Handwerks bezogene.

Mitunter – jetzt wieder im „Spiegel“ – werden in Deutschland Ihre Geschäftspartner auf dem Balkan als dubiose Figuren dargestellt. Wie sind Ihre Erfahrungen?

Hombach: Ganz überwiegend positiv. Ich habe in Kroatien noch nie etwas von Problemen gehört. Aus Ungarn auch nicht. Seit wir einen neuen Partner haben, läuft es in Rumänien phantastisch. Aus Mazedonien höre ich nichts von Schwierigkeiten. Und auch aus Bulgarien ist mir das Thema, um das es jetzt Konflikte gibt, erst in der letzten Woche bekannt geworden. Ich kann also sagen, dass es sich – aufs Ganze bezogen – um besondere Einzelfälle handelt, die auch nur so betrachtet werden können.

Sie selber haben angekündigt, die Berichterstattung der beiden bulgarischen WAZ-Zeitungen über die Kunsthistorikerin Martina Baleva werde „Konsequenzen“ haben. Auch personelle?

Hombach: An arbeitsrechtliche Konsequenzen oder gar Entlassungen habe ich bei der Formulierung nicht gedacht, sondern an sachliche Konsequenzen, wie ich sie dargestellt habe. So kann man über unsere beiden Chefredakteure in Bulgarien auch nicht leichtfertig reden. Der eine hat ein bewundernswertes Lebenswerk vorzuzeigen und ist Chef des Verlegerverbandes, und die andere ist aus guten Gründen neben ihrer Tätigkeit Vorsitzende der journalistischen Ethik-Kommission. Ich werde mit diesen Persönlichkeiten reden und nicht über diese Persönlichkeiten. Übrigens sind beide selbst von der nationalistischen Ataka unakzeptabel beschimpft und attackiert worden. Bei dieser Gruppierung muss man die Aggressivität suchen. Von denen dürfen wir uns nicht auseinander treiben lassen.

Wie also sollen die Lehren aussehen, die Sie aus dem aktuellen Fall ziehen?

Hombach: Wir wollen den Vorgang, der mir letzte Woche bekannt wurde, mustergültig aufarbeiten. Er soll zum Lehrstück für unsere Journalistenausbildung werden. Deshalb muss er sehr gründlich analysiert, beschrieben und bewertet werden. Wenn ich am Donnerstag der Einladung des bulgarischen Präsidenten zu einem Gespräch folge, wird Herr Prof. Dr. Niethammer dabei sein, zusammen mit einigen Kollegen, die in dem Fall schon intensiv recherchiert haben. Auch Aidan White ist dabei, sich einzulesen. Ich werde also von Fachleuten begleitet sein, die auf der einen Seite die historischen Fakten und auf der anderen Seite die journalistische Verarbeitung nachvollziehen und mit den Betroffenen erörtern werden. Wenn wir schon so tief in diese Angelegenheit hineingezogen wurden, wollen wir jetzt sehr besonnen und – wie gesagt – vorbildlich das Problem und seine Hintergründe aufarbeiten. Wir wollen auch Fehler erkennen und Vorschläge für die Zukunft machen. Allzu schnelle, manchmal auch vorschnelle Kommentare sind in der Angelegenheit gesprochen worden. Jetzt wollen wir uns Zeit zur gründlichen Recherche und Beurteilung nehmen.

Diejenigen, die im Zusammenhang mit diesem Konflikt aber Missverständnisse provozieren wollen oder gar Fehlinterpretationen oder falsche Zitate in die Welt setzen, sollen zurückgewiesen werden. Alles, was ich in den letzten Tagen authentisch zu dieser Angelegenheit gesagt habe, steht nur im Zusammenhang mit dem zuvor Gesagten. Der Rest ist Phantasie.

 
 

EURE FAVORITEN

Warum sich die Polizei bei Fahndungen nicht direkt an die Öffentlichkeit wendet

Öffentlichkeitsfahndungen: Annika Koenig, Sprecherin der Polizei Essen, erklärt unter welchen Umständen die Polizei sich bei der Suche nach Tatverdächtigen oder Vermissten an die Bürger wendet.
Mi, 19.09.2018, 16.32 Uhr

Öffentlichkeitsfahndungen: Annika Koenig, Sprecherin der Polizei Essen, erklärt unter welchen Umständen die Polizei sich bei der Suche nach Tatverdächtigen oder Vermissten an die Bürger wendet.

Beschreibung anzeigen