Bürgermeister im Rechtfertigungszwang wegen „Fremdenhass in Bergkamen“

Gemeindevorsitzender Isa Altin zeigte die Schäden in der Darul-Erkam-Moschee, die durch Brandstiftung entstanden sind. Bürgermeister Roland Schäfer nimmt Stellung. Foto: Bodo Kürbs
Gemeindevorsitzender Isa Altin zeigte die Schäden in der Darul-Erkam-Moschee, die durch Brandstiftung entstanden sind. Bürgermeister Roland Schäfer nimmt Stellung. Foto: Bodo Kürbs
Foto: Bodo Kürbs

Bergkamen.. Seitdem die Polizei gegen einen rechtsradikalen Brandstifter ermittelt, interessieren sich das Ausland und etliche Medien für den Vorfall. Von „Fremdenhass in Bergkamen“ berichtet das Fernsehen. Und der Bürgermeister muss sich plötzlich verteidigen.

Die WDR-„Lokalzeit“ spricht von „Fremdenhass in Bergkamen“. Monitor, ebenfalls eine WDR-Sendung, zitiert Bürgermeister Roland Schäfer in einem Sendebeitrag, in dem auch von Islamfeindlichkeit und Volksverhetzung die Rede ist. Die türkische Ausgabe der Zeitung „Hürriyet“ berichtet über Bergkamen im fernen Deutschland. Und Roland Schäfer selbst bekommt seit einigen Tagen E-Mails, in denen er als Rassist beschimpft wird. Und damit nicht genug. Der Kamener Ratsherr Kaya Gercek, wie Schäfer Mitglied der SPD, fordert über die Zeitung sogar den Rücktritt des Bürgermeisters.

Seitdem vor knapp zwei Wochen ein Styroporhaufen im Moschee-Neubau der Islamischen Gemeinde Milli Görüs mutwillig angezündet wurde und die Staatsanwaltschaft aus diesem Grund gegen einen 23 Jahre alten Neonazi ermittelt, überschlagen sich die Ereignisse in Bergkamen. Mittendrin: der Bürgermeister.

Milli Görüs hatte nach dem Brandanschlag auf Schäfers „Beileid“ gewartet. Doch Schäfer teilte persönlich mit, dass es ihm schlichtweg nicht möglich sei, nach jedem von rund 400 Bränden pro Jahr persönlich vorbeizusehen. Zum Zeitpunkt dieser Aussage ging Schäfer noch von einer völlig unpolitischen Brandstiftung in einem Rohbau aus. Genauer von einer Brandstiftungsserie, von der auch ein Mehrfamilienhaus, gelbe Säcke und Müllbehälter betroffen waren.

Doch als Schäfers Aussage vor einem Millionenpublikum in der ARD gesendet wurde, hatte sich der Sachstand verändert. Die Staatsanwaltschaft hatte einen vermeintlichen „rechten“ Täter ermittelt.

Nach Sendung entsetzt

Schäfer war nach der Sendung entsetzt. Zitat: „Der durch kreative Schnitttechnik vermittelte Eindruck, für mich stünden Moscheen wertemäßig auf einer Stufe mit Müllcontainern und Gelben Säcken und man müsste sich nicht darum kümmern, wenn sie (die Moscheen) in Brand gesetzt werden, ist natürlich komplett Unsinn. Das entspricht überhaupt nicht meiner Auffassung. Ich bin weder ausländer- noch islamfeindlich, noch rassistisch noch rechtsdumpfbackig ignorant.“ Doch durch das Weglassen einiger Satzteile sei eine Aussage entstanden, über die sich jeder vernünftige Mensch tatsächlich aufregen müsse.

Schäfer verweist auf seine Homepage, auf der er sich zur Zuwanderung klar bekennt, aber durchaus auch Forderungen stellt. Und er weist darauf hin, dass er Mitglied der deutschen Islam Konferenz ist.

Rücktrittsforderung ist „unverschämt"

Mit breiter Brust stellt sich auch die SPD-Fraktion im Bergkamener Rat vor ihren Bürgermeister. „Unverschämt“, sei die Rücktrittsforderung“, wütete Fraktionssprecher Franz Herdring, „eine beispiellose Entgleisung“. auch die Fernsehbeiträge seien völlig aus dem Zusammenhang gerissen. Hier werde eine noch größere Brandstiftung angezettelt, wie sie tatsächlich geschehen sei.

„Ich habe vor einer Moschee genauso viel Respekt wie vor einer Kirche oder einer Synagoge. Alles sind religiöse Orte“, sagte Schäfer am Montag im Gespräch mit unserer Redaktion. Niemals würde er eine Moschee mit einer Mülltonne gleichsetzen, und selbstverständlich sei Brandstiftung für ihn ein Verbrechern, das er verurteile . Er sehe also keinen Grund sich zu entschuldigen oder gar für einen Rücktritt.

Es sei in der schwierigen Situation, sich plötzlich für etwas verteidigen zu müssen, was er nie gewesen sei: ausländerfeindlich und rassistisch. Offenbar wolle man ihn gezielt missverstehen. Hier werde bewusst manipuliert und ein unverantwortlicher Sturm im Wasserglas entfesselt. Schon dreimal habe er mittlerweile mit Vertreter der Milli Görüs-Gemeinde gesprochen; doch zufrieden seien diese hinterher nicht gewesen, räumte Schäfer ein.

 
 

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