Bühne frei für die Werner-und-Luise-Show

Eine Woche nach Werner ist auch Luise im Hervester Bruch gelandet.
Eine Woche nach Werner ist auch Luise im Hervester Bruch gelandet.
Foto: WAZ
Gibt es eine Neuauflage der Werner-und-Luise-Show im Hervester Bruch? Die Bühne scheint bereit: Nach Storchen-Männchen Werner könnte auch Weibchen Luise angekommen sein. Im Internet steigt die Vorfreude der Vogelfreunde und -fans.

Dorsten-Hervest.. Je länger das Storchenspektakel geht, umso mehr bibbern die Werner-und-Luise-Fans, ob es denn noch mal eine Piep-Show gibt im Hervester Bruch. In diesem Jahr jedenfalls ist die Bühne bereitet für eine Neuauflage: Eine Woche nach Werner scheint am Samstag auch Luise gelandet zu sein.

Nein, die Altvögel tragen keinen Ring. Ob’s also wirklich die beiden Heimatstörche sind? Da kann man nie sicher sein, sagt Niels Ribbrock von der Biostation in Lembeck. Zumindest Werner aber verhalte sich so, „als ob er zu Hause ist.“ Sprich: Der Gatte macht Frühjahrsputz in seinem Sommerdomizil und bereitet das Nest vor für eine neue Brut. Es wäre die siebte seit Ankunft der Adebare im Frühjahr 2005.

Die große Fan-Gemeinde der beiden – virtuell versammelt auf der Internetseite www.storchennest.de (unter Forum das Kapitel „Andere Horste: Störche in Dorsten und Olfen“) – sind sich indes sicher: Es sind Werner und Luise, die da gelandet sind. „Welch eine Freude“, schreibt dort die Nutzerin „Regenstern“. Freude mit drei Ausrufezeichen.

Es spricht viel dafür, dass die vertraute Störchin ihrem Gatten wieder auf den Hervester Horst gefolgt ist: Die frühe Ankunft (Ribbrock: „Da kann man fast die Uhr nach stellen“) und dass Werner zwar mit einem anderen Storch ankam, diesen aber nicht aufs Nest ließ. Luise schon. Da haben sich anscheinend zwei (wieder)gefunden. „Saisonehe“ nennt das der Fachmann.

Und weil die beiden früh dran sind, könnten schon in diesem Monat Eier im Nest liegen. Zwar früh und vielleicht noch ein bisschen kalt. Aber die Altvögel kuscheln ihr Gelege schon warm. Kritischer wird’s für Zöglinge meist im späteren Frühjahr, wenn Jungpiepmätze auf kalte Tage treffen. Werner und Luise haben dadurch schon Nachkommen verloren.

„Renaissance der Weißstörche“

Von ihrer Faszination als Wahrzeichen des Naturparadieses Hervester Bruch scheint das Paar nichts einzubüßen – obwohl inzwischen überall Störche siedeln. Ribbrock spricht gar von einer „Renaissance der Weißstörche“ in der Region. Lippramsdorf, Olfen, Duisburg standen zuletzt als Brutplätze im Blick. Werner und Luise allerdings waren die Pioniere, das erste Paar weit und breit seit vermutlich hundert Jahren.

Woher das viele Federvieh kommt, darüber darf spekuliert werden. Ribbrock macht die wachsende Storchdichte in Osteuropa dafür verantwortlich. Statt Klapper-Kommunen zu gründen, weichen die Weißvögel westwärts in neue Reviere aus.

Wie lange es mit Werner und Luise noch gut geht? In freier Wildbahn haben Störche (lat. Ciconia ciconia) eine Lebenserwartung von zehn bis 15 Jahren. Sie brüten das erste Mal mit vier Jahren, die Hervester Vögel gehen nun ins (hoffentlich nicht verflixte) siebte Ehejahr. „Wir könnten also noch zwei, drei, vier Jahre Glück haben“, sagt Ribbrock.

Casanova auf Freiersfüßen

Und vielleicht kommt ja andernorts noch neues Storchenglück dazu. Längst steht in Rhade eine Nisthilfe und eine gleichfalls unbewohnte in Deuten. Dort soll ein Plastikstorch im Unterholz Neusiedler zumindest zu einer Rast locken. Am Montag stakste tatsächlich ein Adebar über den Acker nahe des Deutener Heimathauses. Vielleicht ein Casanova auf Freiersfüßen.

Niels Ribbrock jedenfalls schließt aus, dass es Werner war, oder Luise. Die beiden, sagt er, sind im Moment mit Nestputz und Nahrungssuche in Hervest ausgelastet: „Ich würde mich wundern, wenn die jetzt bis Deuten fliegen.“

 
 

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