Brief brachte das Aus für Dentlinus

Die katholische Kirche St. Mariä Himmelfahrt in Rees. Foto: Konrad Flintrop.
Die katholische Kirche St. Mariä Himmelfahrt in Rees. Foto: Konrad Flintrop.
Foto: NRZ

Rees.. Ein spannendes Kapitel Reeser Kirchengeschichte hat jetzt der Reeser Heinz Belting aufgeschlagen. Es geht um die Schutzpatrone der St. Mariä-Himmelfahrt-Kirche. Die Gottesmutter ist nämlich keineswegs ihre einzige Patronin. Neben ihr gab es noch Cyriakus, Largus, Smaragdus, Ursula, Corona, Lucia. Und den ersten Patron: Dentlinus. Um den soll es hier gehen.

Patron ist aus dem Lateinischen entlehnt und bedeutet Schutzherr, also Schutzherr der Kirche. „Im Mittelalter standen die Kirchen meist im Eigentum adliger Grundherren oder von Städten, die sie der Kirche als Stiftung überließen. Papst Alexander III. führte im 12. Jahrhundert das Kirchenpatronat ein, welches dem Patron Eigentum an der Kirche zusicherte, dem Pfarrer aber die Nutzungsrechte garantierte“, so Belting. So habe der Patron die Baulast der Kirche zu tragen gehabt, oft auch die Besoldung des Pfarrers, habe im Gegenzug das Vorschlagsrecht für die Besetzung der Pfarrstelle, das Recht auf einen Kirchenstuhl und oftmals auch das Recht auf eine Bestattung in der Kirche gehabt.

Zurück zu Dentlinus, dem ersten Patron. Auch wenn die Anfänge der Kirchengeschichte in Rees im Dunkeln liegen, weiß man gesichert von einer Christianisierung durch die Benediktinermönche aus dem nordfranzösischen Corbie. Sie bauten eine kleine Kirche am Kirchplatz, dort, wo sich heute der Hinterhof der Praxis Dr. Abels befindet. „Da sie aus Nordfrankreich kamen, wo auch die Merowinger ihr Reich hatten, brachten sie wohl den Schutzheiligen Dentlinus mit nach Rees“, liegt nicht nur für Belting nahe.

Unklar ist aber, so der Reeser Geschichtsfreund, ob der Körper des Heiligen jemals in Rees begraben worden ist, ob Körperteile oder Reliquien von ihm hier beigesetzt worden sind. Denn dies ist eigentlich die Voraussetzung dafür.

Dentlinus war in Rees ein bedeutender Patron. Sein Namensfest am 14. Juli, so hat der Reeser herausgefunden, war auch ein wichtiges Datum für die Bürger. An diesem Tag war nämlich der Zins fällig. „Denn nur wer den Zins zahlte, konnte Bürgerrechte erwerben“, weiß Heinz Belting. Auch die Stadtrechte erhielt Rees im Jahre 1228 am Dentlinustag.

Die Verehrung des Heiligen dauerte bis zum Jahre 1868. Dann kam das Aus durch einen Brief des Bischöflich Münsterschen Generalvikariats. In einem Schreiben vom 25. Februar heißt es, dass alle Privilegien, darunter auch das Patronat von Dentlinus erloschen seien, sobald die Kirche ihren Charakter verändere. Verwunderlich: Bauliche Veränderungen hatte es inzwischen schon viele gegeben.

 
 

EURE FAVORITEN

Deshalb gibt es den Aldi-Äquator

Deshalb gibt es den Aldi-Äquator

Beschreibung anzeigen