Bratapfel schmort in der Oktobersonne

Von Katja Burgemeister
Frische Apfelsaft aus der Presse.
Frische Apfelsaft aus der Presse.
Foto: WR
Einen Besucherrekord gab es beim „Tag des Apfels“ auf der Ökologiestation. Ein Grund war sicherlich der strahlende Sonnenschein am Samstag.

Bergkamen.  Auch wenn die ersten Eisblumen auf den Scheiben klebten und sich die Lippeauen schneeweiß im Raureifmantel präsentierten: Im Parabolspiegel hatte die Oktobersonne noch ungeahnte Kräfte.

Das gedankenlos drapierte Backpapier ging jedenfalls binnen Sekunden in Flammen auf. Die aufgespießten Apfelscheiben machten dem „Tag des Apfels“ an der Ökostation alle Ehre und verbreiteten schmorend eine Vorahnung vom weihnachtlichen Bratapfel.

Erstmals Braten vom Heckrind

Was als Solarofen einmal für den Einsatz in der dritten Welt geplant war, hat als Bausatz auch am Stand des BUND eine faszinierende Anziehungskraft. Spiegelfläche und Sonne – mehr braucht es eigentlich nicht, um energie- wie kostenfreundlich Wasser zum Kochen oder Apfelscheiben zum Brutzeln zu bringen.

Die meisten benutzten jedoch den konventionellen Ofen, um Äpfel in unterschiedlichster Form in ein kunstvolles Gebäck zu verwandeln. Auf dem Tisch für den traditionellen Apfelwettbewerb konkurrierten Äpfel im Marzipanmandel mit Calvados ebenso um die Gunst der Jury wie Apfelbrot, die klassische Apfeltorte oder Apfelkuchen in Kastenform mit einem aufgebackenen Apfelemblem.

Zum Apfel gehört nicht erst mit dem ersten Frost duftender Zimt. Mit dem und vielen anderen Gewürzen kennt sich Susanne Gläsmann aus. Ihre „Salz- und Zuckermanufaktur“ ist ihr Hobby. „Angefangen hat es mit meiner Leidenschaft für das Kochen“, erzählt sie. Warum also nicht Beeren, Kaffee, Chili und andere Köstlichkeiten gleich in Zucker und Salz zu wohllautenden Gemischen wie „Karibischer Rum-Zauber“ mischen und damit ganz neue Gaumenerlebnisse backen und kochen. An ihrem Stand drängelten sich jedenfalls die Neugierigen, um vom dezenten „Urwaldpfeffer“ nicht nur zu kosten, sondern ihn gleich mit nach Hause zu nehmen. „Die Leute kochen wieder mehr – das Interesse und die Neugierde sind immens“, meint Susanne Gläsmann.

Groß ist auch das Interesse an dem, was im eigenen Garten eigentlich wächst. „Meine Eltern hatten früher 70 bis 80 Obstbäume im Garten, es gibt aber keine Aufzeichnungen über die Sorten“, meint ein Mann, der gleich mehrere Äpfel den Pomologen vorlegt. Die Apfel-Wissenschaftler sind zumindest bei einem rotbackigen Exemplar ratlos, wälzen die Fachliteratur, kosten immer wieder eine Scheibe. Bei der Schale, die eine Frau wenig später mit grünen und roten Äpfeln füllt, sind sie sich allerdings sicher. „Das ist Kaiser Wilhelm“, zeigen sie auf ein rotes Exemplar und müssen gar nicht erst probieren.

Apfelsaft frisch aus der Presse, kleine Apfelbaumzöglinge, alle erdenklichen Apfelsorten: Die Baumfrucht zog an der Rekordzahl von 60 Ständen beim „Tag des Apfels“ einmal mehr Menschenmassen an, die dank neuer Verkehrsregelung sogar einen satten Fußmarsch vom Parkplatz am Kraftwerk in Kauf nahmen. Dafür entschädigte ungewöhnliche Stärkung: Erstmals konnten die Besucher Braten vom Heckrind, einer Abbildzüchtung des Wildrindes, probieren. Mancher schwor, zwischen all dem Apfelduft in dem dunklen Fleisch ein Hauch von Wild zu schmecken.