Brandstifter von der Feuerwehr auf Bewährung frei

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Wulfen/Essen. Das Essener Landgericht hat das Urteil des Dorstener Amtsgerichts gegen zwei Wulfener Feuerwehrmänner aufgehoben. Die damals 17- und 18-Jährigen hatten 2008 und 2009 37 Brände gelegt und gelöscht. Das alles, weil sie Helden sein wollten.

Die beiden jugendlichen Brandstifter haben es geschafft: Sie müssen nicht ins Gefängnis. Mitglieder der freiwilligen Feuerwehr Wulfen waren die damals 17 und 18 Jahre alten jungen Dorstener, die 2008 und ‘09 insgesamt 37 Brände legten und löschten. Das Dorstener Jugendschöffengericht verurteilte sie vor einem Jahr zu je zwei Jahren und zehn Monaten Jugendstrafe. Sie gingen in Berufung. Mit Erfolg. Das Essener Landgericht hob am Mittwoch das Urteil auf, verkürzte auf je zwei Jahre und setzte diese zur Bewährung aus. Sie müssen außerdem monatlich 300 Euro zahlen für den noch nicht endgültig ermittelten Schaden (mehrere hunderttausend Euro).

Helden wollten sie sein. So wie die Feuerwehrleute der Terroranschläge vom 11. September 2001 in New York. Das zumindest schilderte einer der Angeklagten seinem Therapeuten. Sie waren stets mit vollem Einsatz als erste am Brandherd und bekamen tatsächlich Anerkennung und Glückwünsche von den Kollegen. „Wir wollten keine Menschen und Tiere gefährden“, sagt einer der Angeklagten.

„Nette und strebsame junge Leute“

„Feuer ist nicht kontrollierbar“, setzt Oberstaatsanwältin Birgit Jürgens dagegen, und das wussten die Jung-Feuerwehrmänner sicher. Angesichts der „Schwere der Schuld“, so Jürgens, sei eine Bewährungsstrafe nicht möglich. Sie möchte den Älteren für drei und den Mitangeklagten für nur zweieinhalb Jahre in Jugendhaft sehen, weil der sich persönlich bei den Geschädigten entschuldigte.

Die Therapeuten der Angeklagten berichteten nur Gutes über die Fortschritte der jungen Männer. Der Ältere zum Beispiel kümmere sich unter anderem lobenswert um seine kranke Großmutter. Von „netten und strebsamen jungen Leuten“ spricht auch Verteidiger Siegmund Benecken. „Er ist eine andere Person geworden“, sagt er über seinen Mandanten. Strafvollzug mache keinen Sinn mehr. So sieht das auch Verteidiger Hans Reinhardt. Beide hätten sich positiv entwickelt, betont er.

Reue und spürbare Reaktion auf fünf Monate Untersuchungshaft sprechen nach Überzeugung der Kammer für Bewährung. „Im Jugendstrafrecht guckt man weniger auf das was war, sondern auf die Zukunft“, sagt Richterin Angelika Hollstegge.

 
 

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