Brandanschlag auf Moschee hat politisches Nachspiel

Heino Baues
Gemeindevorsitzender Isa Altin zeigt die Schäden in der Bergkamener Darul-Erkam-Moschee, die durch Brandstiftung entstanden sind. Foto: Bodo Kürbs
Gemeindevorsitzender Isa Altin zeigt die Schäden in der Bergkamener Darul-Erkam-Moschee, die durch Brandstiftung entstanden sind. Foto: Bodo Kürbs
Foto: Bodo Kürbs

Bergkamen. Der Brandanschlag auf die Moschee-Baustelle an der Ernst-Schering-Straße in Bergkamen Ende Juli wird aller Voraussicht nach ein politisches Nachspiel haben.

„Sollte sich bei den Ermittlungen durch Staatsanwalt und Polizei herausstellen, dass die Brandanschläge fremdenfeindlich motiviert waren, werden wir den Arbeitskreis gegen Rechts wieder aufleben lassen“, erklärte Bürgermeister Roland Schäfer. Auch der Integrationsrat solle sich dann mit diesem Thema befassen.

Der mutmaßliche Täter sei zwar Mitglieder der NPD, die ihn inzwischen ausgeschlossen habe. Möglich sei, so Schäfer, dass der Mann, der in Untersuchungshaft sitzt, ganz andere Beweggründe gehabt haben könnte.

Mit Sozialdezernent Bernd Wenske hat Schäfer inzwischen abgesprochen, Hinweisen auf eine mögliche „rechte Szene“ in Bergkamen nach zugehen. „Die Hinweise von Antifa United nehmen wir sehr ernst“, so Schäfer. Diese Gruppe zählt auf ihrer Internetseite die Aktivitäten des mutmaßlichen Täters bei diversen NPD-Demonstrationen in den zurückliegenden Monaten auf.

Antifa United spricht sogar davon, dass die rechtsextremistische Gruppierung „Nationaler Widerstand Unna“, die im Internet seit Wochen für den Neonazi-Aufmarsch am Samstag in Dortmund die Trommel gerührt hatte, eine Ortsgruppe in Bergkamen unterhält. Das behauptet sie von sich auf ihrer Homepage aber auch für jede andere Kommune im Kreis Unna.

Dass Rechtsextreme sich in Bergkamen organisiert haben könnten, sei der Stadt bisher nicht aufgefallen, erklärte Schäfer. Spätestens nach dem Versuch von Neonazis aus Hamm vor etwa zehn Jahren, jungen Nachwuchs aus der damaligen Wasserparkszene zu rekrutieren, versucht unter anderem das Jugendamt, sich stets einen aktuellen Überblick zu verschaffen. Die Mitgliederwerbemaßnahmen der Hammer Neonazis liefen damals dank des Einsatzes von Streetworkteam und Jugendamt ins Leere.

Für die These, dass es in Bergkamen keine organisierte rechte Szene gibt, spricht übrigens auch der Lebensweg des mutmaßlichen Brandstifters. In das Haus an der Hubert-Biernat-Straße, in dem er an zwei Wohnungstüren zündelte, zog er erst im Mai dieses Jahres ein. Davor wohnte er rund zehn Jahre in Werne und Heeren-Werve.