Bottroper Skihalle auf der Kippe

Schiefstand bei der Bottroper Skihalle: Fast 20 Zentimeter haben sich die Stützpfeiler des alpincenters schon verschoben. Experten warnen vor Folgen: Die Halde sei für größere Lasten nicht geeignet.

Bottrop.. Die Skihalle in Bottrop hat mit erheblichen Problemen zu kämpfen. Vor allem die Standfestigkeit der längsten In-Haus-Schneepiste der Welt bereitet Fachleuten Sorgen. Wie berichtet haben sich die Stützpfeiler der Halle schon fast 20 Zentimeter verschoben. Neue Gutachten haben dem Gebäude-Betreiber, der niederländischen Unternehmerfamilie Van der Falk, allerdings bestätigt, die Halle halte auch einen Schiefstand von 25 Zentimeter aus, weil die Fundamente der Stützen beschwert worden seien. An der Ursache der Probleme hat das Gewichtaufkippen aber wenig verändert.

Nach Recherchen der WAZ ist die Bottroper Abraumhalde, auf der die Skihalle steht, in der so genannten Kassettenbauweise errichtet worden. Außen befinden sich starke Dämme aus groben Waschbergen – dem gebrochenen Gestein aus der Tiefe. In der Mitte dieser so genannten Kassetten wurden Flotationsberge eingebracht. Diese sind weich und feucht wie Schlamm. Die Flotationsberge entstehen, wenn Kohle aus fein gemahlenem Gestein gewaschen wird.

Jede Kassette wurde mit einer neuen Schicht Waschberge abgedeckt. Auf dieser Abdeckung wurde dann die nächste Kassette gestapelt. Auf die letzte Kassette kam eine dicke Schicht Abraum. Damit wurde die Halde landschaftlich modelliert und nach oben abgesichert.

„Die feuchten Flotationsberge in den Kassetten können sich noch Jahrzehnte setzen. Ohne eine spezielle Bearbeitung ist die Halde in meinen Augen nicht geeignet, größere Lasten zu tragen oder darauf Gebäude zu errichten“, sagt Professor Frank Otto von der Technischen Fachhochschule Georg Agricola in Bochum.

Nicht gezielt nachgeforscht

Otto leitet den Studiengang für angewandte Geologie – er gilt als einer der international angesehensten Fachmänner für den Bau von Halden. Die Halde in Bottrop kennt Professor Otto seit Jahren.

Wie aus Unterlagen des damaligen Oberbergamtes in Dortmund hervorgeht, die der WAZ vorliegen, hatte ein Gutachter aus dem rheinischen Bergheim vor dem Bau der Skipiste zwar die äußere Standfestigkeit der Halde untersucht. Aber er hatte offenbar nicht gezielt nachgeforscht, ob sie im Inneren hart genug ist, eine Skihalle zu tragen. Tatsächlich gingen die Probebohrungen des Gutachters nur wenige Meter tief in die Erde. Zudem untersuchte er vor allem den Rand der Halde, da wo die stabilen Dämme die Kassetten zusammenhalten. Auf der Halde nahm er nur Proben von der Oberfläche. Die weichen Flotationsberge hätte er nur bei Tiefenbohrungen finden können.

Professor Otto sagt: „Es ist vorauszusehen, dass die feuchten Flotationsberge im Innern der Halde sich stärker zusammendrücken lassen als die groben Berge am Rande und somit stärkere Setzungen erfahren.“ Mit anderen Worten: Die Halde verformt sich, sie kippt nach innen.

Verformte Konstruktion

Das Problem wird noch dadurch verstärkt, dass auf eine nachhaltige Verdichtung der Kassetten laut Bergamt fast ganz verzichtet wurde. In einem Bericht, der dieser Zeitung vorliegt, heißt es: „Die Verdichtung des Haldenmaterials ergab sich durch den Fahrverkehr der Kraftfahrzeuge.“ Mit anderen Worten: Was nicht festgefahren wurde, blieb locker liegen. Und alles was lose ist, setzt sich nun unter dem Gewicht der Schneepiste samt Nebengebäuden und kann so die ganze Konstruktion verformen.

Der Besitzer der Skihalle sagt dazu, man habe bei der Übernahme der Anlage „weder etwas von der besonderen Bauweise der Halde noch von der Verwendung der Materialien gewusst.“ Allerdings sei „noch nicht endgültig gesichert“, dass sich die Stützen tatsächlich „allein durch Setzungsbewegungen im Inneren der Halde“ verschoben hätten.

 
 

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