Blick auf Kilometerstein 147

Bürgermeister Lütkenhorst und Dr. Stemplewski (r.) enthüllen im Beisein von Walter Biermann (2.v.r.) und den Männern vom Heimatverein Dorf Hervest feierlich die Stele am alten Lippebett.
Bürgermeister Lütkenhorst und Dr. Stemplewski (r.) enthüllen im Beisein von Walter Biermann (2.v.r.) und den Männern vom Heimatverein Dorf Hervest feierlich die Stele am alten Lippebett.
Foto: WAZ FotoPool

Dorsten..  Die Stelle im Wald hinter der Stadtgärtnerei an der Marler Straße ist sowas von versteckt, dass Bürgermeister Lütkenhorst den Vorstandsvorsitzenden des Lippeverbandes, Dr. Jochen Stemplewski, mit seinem Dienstwagen hin lotsen musste. Und schließlich konnten beide gemeinsam doch noch noch die Stele „Altes Lippebett“ enthüllen.

Dass die Stele nun dort steht, wo sie steht, ist dem Holsterhausener Heimatforscher Walter Biermann zu verdanken, freut sich auch Hans Fromm vom Heimatverein Dorf Hervest. Biermann hatte sich nämlich vor Monaten schon auf die Suche nach einem alten Treidelstein an der Lippe begeben: „Ich habe auf einer alten Karte von 1725 festgestellt, dass hier der Stein stehen muss“, berichtet Walter Biermann bei der Enthüllung. Nach langer Suche hat er den Kilometerstein 147 am Ende auch gefunden – völlig überwuchert und in der Mitte gesprungen. Warum war ihm der Stein überhaupt so wichtig? Walter Biermann: „Die Lippe war früher die Grenze zwischen Hervest und Dorsten.“

Allerdings fließt sie schon längst nicht mehr dort, wo der Treidelstein steht. „Die Lippe hat sich nicht von selber aus ihrem Bett verkrümelt“, erklärt der Chef des Lippeverbandes: „Das hängt mit dem Bau des Kanals zusammen.“ 1923 war das.

In den 100 Jahren davor haben die Menschen versucht, die Lippe, die mit über 220 km der längste Fluss in NRW ist, schiffbar zu machen. Auf Treidelpfaden entlang der Lippe wurden die Schiffe mit Hilfe von Pferden gezogen. Pferdebauern haben sich entlang des Flusses angesiedelt und ihre Tiere dafür zur Verfügung gestellt. Treidelsteine diente auch dazu, die Bauern für die Strecken und ihre geleisteten Dienste zu entlohnen. Eine „Kilometergeldabrechnung“ alter Art eben.

Das endete mit dem Bau des Kanals. Die Lippe verlief damals in großen Bögen zwischen Hervest und Dorsten und wurde später teilweise begradigt. Überhaupt ist ihre Geschichte wechselvoll. In seiner Kindheit, so erinnerte sich der Bürgermeister, wurde er noch von Mutter und Oma vor einem erfrischenden Bad in der Lippe gewarnt: „Die ist zu dreckig!“ Heute hat sich die Wasserqualität so sehr verbessert, dass Tiere und Pflanzen zurückgekehrt sind, manche von ihnen stehen auf der roten Liste der seltenen Arten. Quappe und Maifische wurden schon wieder gesichtet, erzählt Dr. Stemplewski.

Überhaupt muss er den Verband hoch loben bei dieser Gelegenheit mit vielen Gästen auch vom Heimatverein. 1,5 Mrd. Euro habe der Lippeverband in den letzten 25 Jahren investiert, um die Lippe „wieder auf Vordermann zu bringen“. Das Geld wurde in Kläranlagen, Abwasserkanäle und die ökologische Entwicklung investiert. Fast 100 Mio. Euro davon flossen auch nach Dorsten.

Und nun will man auch die Menschen wieder an den Fluss holen, indem man die Römer-Lippe-Route weiter entwickelt, Radwege baut und die Lippeauen schützt. Die neue Stele und der Stein - er wurde geklebt und das Gelände von der Stadtgärtnerei freigelegt - könnte unterwegs ein interessanter Abstecher sein.

 
 

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