Bitte um eine neue Chance

Ulla Delsing, die bekannte Unternehmerin aus Hervest, ist pleite.
Ulla Delsing, die bekannte Unternehmerin aus Hervest, ist pleite.
Foto: WAZ FotoPool

Dorsten.. Sie hat 26 Jahre lang Menschen ausgebildete, qualifiziert, beraten, ihnen zu einem Job verholfen. Jetzt braucht sie selber einen. „Ich bin ganz unten“, sagt Ulla Delsing. Dass sie darüber reden müsse, „weil es mir hilft“, hat sie entscheiden.

Einiges ist in die falsche Richtung gelaufen in den vergangenen sechs Jahren. Die stadtbekannte Hervesterin hat die Geschichte auf zwölf Seiten zusammengefasst. Das hilft, die Entwicklung zu erklären. Die Frau, die vielen geholfen hat, wieder Tritt zu fassen, bittet nun selbst um Hilfe und um eine neue Chance. Dabei drängt die Zeit: In der Zwangsversteigerung ging ihre „Handwerkstatt“ an der Wenger Höfe in der vergangenen Woche an neue Eigentümer. Die Immobilie, in der sie mit ihrer Mutter (84) wohnt, soll sie nun kurzfristig räumen. Entzogen ist ihr damit auch die Grundlage für die Feiern und Veranstaltungen, die sie nach Aufgabe des „Quartier d“ vor einigen Jahren in der Handwerkstatt organisierte. „Die Termine muss ich alle absagen“, bedauert sie.

Mit Kreativität und Tatkraft hat Ulla Delsing geschaffen, was sie „das mit eigenen Händen erarbeitete Lebenswerk nennt“. Dass sich das nicht paarte mit der Fähigkeit, sich geschmeidig, und wenn nötig diplomatisch zu bewegen im Dickhicht von Behörden, Bürokratie und Juristerei, führte vor fünf Jahren zum entscheidenden Punkt, der letztlich in einen unaufhaltsamen Untergang ihres Betriebs mündete.

Bund, Land, EU, Arbeitsverwaltung und Versorgungsämter – an der Förderung der Qualifizierungen und Ausbildungen in ihrer Hervester Werkstatt waren viele Behörden und Institutionen beteiligt. Eine Abrechnung ohne Gesetzesverstoß ist eine Wissenschaft für sich. Der Fallstrick für Delsing: Miete für die Nutzung der Handwerkstatt wurden mit abgerechnet, obwohl sie nicht als eigene Firma gemeldet war. Das war zwar keine Bereicherung, aber als sogenannte „Selbstkontraktion“ unzulässig. Deshalb forderten 2007 die Behörden 62 000 Euro zurück.

Diese Kuh bekam sie nicht beizeiten vom Eis: Als die Forderung zweieinhalb Jahre später nach zähen Verhandlungen schließlich auf 17 000 Euro reduziert wurden, war schon vieles zu spät: Die Finanzierung für neue Bildungsprojekte wurde ihr mit Verweis auf die ausstehenden Forderungen verweigert. „Aufträge in einer Größenordnung von rund 700 000 Euro“, rechnet sie. Eine Stanze, für gut 15000 Euro angeschafft für die Handwerkstatt, sollte Anfang 2009 Grundlage sein für einen Ausweg aus der Misere. Doch auch daraus wurde nichts: Weil das Gerät zum sicherungsübereigneten Anlagevermögen der Handwerkstatt gehört und die Bank die Kredite zwischenzeitlich gekündigt hat, es für 2200 Euro versteigert.

Was am Ende bleibt, ist das Inventar der Handwerkstatt. Der Cafébetrieb reicht nicht, um die offenen Forderungen zu begleichen. „Man darf an der Insolvenz nicht ersticken“, sagt Ulla Delsing. „so wir mir geht es jedes Jahr 900 000 Menschen.“ Was bleibt, das ist auch „mein Herz, meine Erfahrungen, meine Kreativität und mein Wissen“, sagt sie. Es muss, es wird wieder aufwärts gehen, sagt sie. Dass ihr dabei auch eine Hand gereicht wird von jenen, die sie über die Jahre begleitet hat, das ist die Hoffnung, die ihr bleibt.

 
 

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