Bisher keine Anzeichen für Ehec in Sprossen

Die fieberhafte Suche nach der Quelle des Durchfallerregers Ehec kommt nicht voran. Der Verdacht, dass sich der lebensgefährliche Erreger auf Sprossen aus einem Anbaubetrieb in Niedersachsen verbreitet hat, hat sich am Montag nicht erhärtet. (Archiv-Foto: Bauer/WAZ FotoPool)
Die fieberhafte Suche nach der Quelle des Durchfallerregers Ehec kommt nicht voran. Der Verdacht, dass sich der lebensgefährliche Erreger auf Sprossen aus einem Anbaubetrieb in Niedersachsen verbreitet hat, hat sich am Montag nicht erhärtet. (Archiv-Foto: Bauer/WAZ FotoPool)
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Auf der Suche nach der Quelle für den lebensgefährlichen Durchfall-Erregers Ehec kommen die Behörden nicht recht voran. Erste Proben aus einem niedersächsischen Saatgutbetrieb sind negativ, hieß es am Montag. Ketten nehmen Sprossen aus dem Sortiment.

Hannover. Sind Sprossen die Quelle für den lebensgefährlichen Durchfallerreger Ehec? Die Frage steht auch am Montag weiter im Raum, nachdem am Tag zuvor in Bienenbüttel bei Uelzen ein Anbaubetrieb für Bohnen-Sprossen behördlich geschlossen worden war. Erste Ergebnisse von Proben aus dem Betrieb, die das niedersächsische Landwirtschaftsministerium am Nachmittag veröffentlich hat, geben keine Gewissheit dafür, dass der Erreger sich über Sprossen verbreitet haben könnte.

„Bisher konnte der fragliche Ausbruchsstamm noch nicht nachgewiesen werden“, gibt das Ministerium bekannt. Von 40 eingesendeten Proben aus dem Bio-Betrieb seien bis dato 23 durchgetestet worden, heißt es. Ergebnis: Negativ.

„Auf Hochdruck“ laufen die Untersuchungen nach dem Ursprung des Erregers nun weiter, teilt das Landwirtschaftsministerium mit. Doch ob die Labortests tatsächlich Gewissheit über den Ursprung des Ehec-Erregers geben ist fraglich: „Da seit dem vermuteten ersten Geschehen schon mehrere Wochen vergangen sind, gestaltet sich die Suche nach dem Erreger sehr schwierig“, heißt es in der Erklärung des Ministeriums. Man gehe davon aus, dass es "intensive analytische Anstrengungen" brauchen, um den Erreger tatsächlich zweifelsfrei nachweisen zu können.

Aigner warnt weiter vor Verzehr von Sprossen

In dem betroffenen Gärtnerei-Betrieb in Bienenbüttel zeigt man sich „erschüttert und besorgt“ über die Nachricht, dass ein Teil der dort angebauten Ware mit Keimen verunreinigt sein soll. Auf der Internetseite teilt der Betrieb mit, er produziere seit 25 Jahren Sprossen und habe „bisher immer einwandfreie Ware ausliefern können“. Routinemäßige Tests im Januar „waren negativ“. Als im Mai bundesweit Verzehrwarnungen für Gemüse verbreitet wurden, hätte man erneut eigene Produkte auf E.coli-Bakterien testen lassen, teilt der Betrieb mit: „Die Laborergebnisse waren ebenfalls alle negativ“.

Ehec unter der Lupe

Bundes-Verbraucherminister Ilse Aigner (CSU) mahnte am Montag Verbraucher weiterhin zur Vorsicht und hält an ihrer Warnung vor dem Verzehr von Sprossen fest. Bundesweit sollten nun schwerpunktmäßig Produzenten und Importeure von Sprossen und deren Produkte überprüft werden, kündigte die Ministerin an. Damit wolle man sicherstellen, dass nur unbelastete Ware auf den Markt gelange.

Supermarkt-Ketten nehmen Sprossen aus dem Sortiment

Unterdessen haben viele deutsche Handelsketten den Verkauf von Sprossen inzwischen gestoppt. Deutschlands größter Lebensmittelhändler Edeka berichtete am Montag, er nehme rohe Sprossen vorsorglich aus dem Angebot. Auch Konkurrent Rewe und die zum Handelsriesen Metro gehörende SB-Marktkette Real verkaufen zurzeit keine Sprossen mehr. Real erklärte, auch vorgeschnittener Salat sei aus dem Angebot genommen worden.

Bei der Supermarkt-Kette Rewe betonte ein Sprecher, man werde nicht von dem unter Verdacht geratenen Biohof in Niedersachsen beliefert. Dennoch habe man alle Sprossen aus dem Verkauf genommen. Dies gelte nicht nur für die Rewe-Supermärkte, sondern auch für die Discountkette Penny, für Karstadt-Feinkost, die Temma-Biomärkte und die toom-Verbrauchermärkte.

Bundesweit sind bis dato 21 Menschen ein einer Ehec-Erkrankung gestorben. Etwa 1600 sind erkrankt. In NRW ist die Zahl der Erkrankten auf 279 gestiegen, teilte das Landes-Gesundheitsministerium am Nachmittag mit. Davon leiden aktuell 79 Personen an akutem Nierenversagen (HUS), das durch Ehec-Bakterien ausgelöst wird und lebensgefährlich ist. (mit dapd)

 
 

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