Biobenzin auch unter Bauern strittig

Schwerte.. Während die Autobauer mit der Mineralölindustrie und der Politik über die neue Spritsorte E10 streiten, sind sich auch die Landwirte in ihrem Urteil zu Biobenzin nicht einig.

„Die ursprüngliche Aufgabe von uns Bauern besteht doch darin, die Menschen mit Nahrungsmitteln zu versorgen“, sagt Bernd Schulte, Vorsitzender der landwirtschaftlichen Ortsvereinigung. Der ganze Bereich der regenerativen Energien biete allerdings inzwischen Perspektiven, die gerade unter finanziellen Gesichtspunkten äußerst interessant sind, erläutert Schulte.

Mittlerweile sei man an einem durchaus bedenklichem Punkt angelangt. Denn die Höhen der Fördermittel für den Anbau von Ackerfrüchten, der am Ende der Energiewirtschaft diene, und die Finanzspritzen, die es ansonsten für Tierhaltung oder Ackerbau geben kann, liegen weit auseinander. Wer Raps für Rapsöl als Treibstoff anpflanze, wer Getreide für die Ethanolproduktion anbaue oder wer Mais gedeihen lasse, um Biogasanlagen zu beschicken, der könne mit stattlichen Zuschüssen rechnen. Das sehe für den Landwirt, der beispielsweise Viehzucht betreibe, schon ganz anders aus. Aufgrund dieser Unterschiede entstehe ein großer Druck auf die landwirtschaftlichen Flächen, sagt Schulte. Man dürfe aber nicht außer acht lassen, dass sich zahlreiche Landwirte durch den gesamten Bereich der regenerativen Energien ihre berufliche Existenz sichern.

Für Petra Drees-Hagen, Sprecherin des Landwirtschaftsverbandes in der heimischen Region, geht es darum, wohin sich die Landwirtschaft entwickelt. „Das wird bei uns auch immer wieder intensiv erörtert“, sagt sie. Grundsätzlich betrachtet müsse die Herstellung von Lebensmitteln einerseits und die Produktion von Rohstoffen für den Energiemarkt in einem ausgewogenen und angemessenen Verhältnis stehen. Doch es sei oftmals schwierig, eine solche Zielformulierung in der Praxis umzusetzen.

In die Debatte um E10 schaltete sich gestern auch Hartmut Breyer, Leiter des Instituts für Kirche und Gesellschaft (Haus Villigst) der Evangelischen Landeskirche. Wenn nun Biobenzin stärker zur Geltung kommen soll, dann dürfe das aber nicht dazu führen, dass die Erderwärmung voranschreite und sich die Klimakatastrophe verschärfe.

Die Gefahr bestehe nämlich, dass vor allem in Asien und Afrika Wälder gerodet werden, um zusätzliche Ackerflächen zu gewinnen. Nach Breyers Ansicht ist es an der Zeit, an einer anderen Stellschraube zu drehen. Unter anderem müsse die Technik der Fahrzeuge verfeinert werden, damit sie mit weniger Energie auskommen. Und auch der Verbraucher sei mit seinem Verhalten gefragt.

 
 

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