Besetztes Haus in Berlin wird geräumt – Protest schwappt nach NRW

Das Haus in der Liebigstraße 14 in Berlin  wird von der Polizei geräumt.                                      Foto:dapd
Das Haus in der Liebigstraße 14 in Berlin wird von der Polizei geräumt. Foto:dapd
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Seit Jahren muss sich Edwin Thöne, Geschäftsführer des Kinderschutzbundes im Kreis Unna, mit Ärger in Berlin herumschlagen. Mieter halten sein Haus in der Liebigstraße besetzt. Heute wurde es geräumt.

Berlin/Unna.. Die Streitigkeiten vor Gericht zogen sich über mehrere Jahre hin. Die etwa 25 Mieter und ihre Sympathisanten aus der linken Szene protestierten dagegen, das Haus im Berliner Stadtteil Friedrichshain verlassen zu müssen. Als der Räumungstermin Mitte Januar bekannt wurde, schwappte der Protest sogar bis NRW.

Einige Mieter der Immobilie tauchten in Unna auf und machten Stimmung gegen Thöne, der stets betont hatte, den Altbau im Berliner Stadtteil Friedrichshain als Privatmann und nicht als Geschäftsführer des Kinderschutzbundes erworben zu haben. Genutzt hat dies nichts. Zuletzt haben Unbekannte das Schaufenster des Kinderschutzbundes in Dortmund beschmiert mit den Worten: „An Edwin Thöne! Keine Räumung von Liebig14 in Berlin“. Zuvor hatte ein Transparent „Keine Räumung durch den Kinderschutzbund Unna“ an der Fassade des Hauses gehangen, wie Edwin Thöne berichtete. Nachdem er „mehrfach bedroht wurde“, wie er der BZ erzählte, werde er nun versuchen aus der ganzen Sache herauszukommen. Er habe die juristische Verfügungsgewalt für das Haus bereits an seinen Geschäftspartner abgegeben. Geräumt wurde trotzdem.

Polizisten verletzt

Gegen die Räumung hatten sich Bewohner und Unterstützer jedoch gewehrt. Das Haus war verbarrikadiert. Fenster waren zugenagelt und Balkons mit Stacheldraht umzäunt. Auf Plakaten an der Hausfront hieß es „Sich fügen heißt lügen“ und „Räumung stoppen“. In den Fenstern mehrerer angrenzender Häuser protestieren Gegner der Räumung. Ihrem Unmut über die Polizeiaktion verliehen sie unter anderem Ausdruck, indem sie auf Töpfe und Pfannen schlugen.

Bei der Räumung des Altbaus ist es dann auch zu Zusammenstößen zwischen Polizei und autonomer Szene gekommen. Rund 400 Menschen hielten am Vormittag eine spontane Demonstration auf einer Hauptverkehrsstraße in der Nähe des Hauses ab. Nach Flaschen- und Steinwürfen kam es zu Prügeleien mit der Polizei. Fünf Beamte wurden verletzt, einer davon schwer, wie die Polizei mitteilte.

Wie eine Polizeisprecherin mitteilte, nahm die Polizei bis Mittag sechs Männer und drei Frauen in dem Haus fest, außerdem nahm sie 23 Demonstranten in Gewahrsam. Die Hausbesetzer stehen unter dem Verdacht der gefährlichen Körperverletzung und des Widerstands gegen die Staatsgewalt. "Die Beamten wurden bei ihrem Gang durchs Haus mit einer unbekannten Flüssigkeit besprüht", sagte die Sprecherin. Insgesamt war die Polizei mit 2500 Beamten im Einsatz. Der Vorsitzende der Gewerkschaft der Polizei (GdP), Bernhard Witthaut, nannte das Verhalten der Demonstranten "brutal" und "menschenverachtend". Am Nachmittag wurde mit weiteren Protesten gerechnet.

Mit Axt Tür aufgebrochen

Bereits kurz nach acht Uhr am Mittwochmorgen hatte sich die Polizei Einlass in das Haus in dem Szene-Kiez verschafft. Laut einem Sprecher hatte ein Gerichtsvollzieher sie um Amtshilfe bei der Vollstreckung eines Räumungsbeschlusses gebeten. Mehrere hundert Personen aus der Hausbesetzer-Szene beobachteten die Räumung. Einer der prominenten Beobachter war der Grünen-Bundestagsabgeordnete Hans-Christian Ströbele.

In den Fenstern mehrerer angrenzender Häuser protestieren Gegner der Räumung. Ihrem Unmut über die Polizeiaktion verliehen sie unter anderem Ausdruck, indem sie auf Töpfe und Pfannen schlugen.

Seit Tagen Prosteste gegen Räumung

Die linke Szene machte seit Tagen mit Demonstrationen und Aktionen gegen die Räumung des Hauses mobil. Bereits am vergangenen Samstag gab es bei einer Demonstration linker Gruppen gegen die Räumung Ausschreitungen, bei denen 40 Polizisten verletzt wurden.

Das Gebäude in der Liebigstraße 14 im Ostteil Berlins war 1990 besetzt worden. Die Bewohner erhielten später Mietverträge, wurden aber gekündigt, als Edwin Thöne das Haus 1999 zusammen mit einem Geschäftspartner kaufte. Vor Gericht unterlagen die Bewohner nach langjährigen Prozessen. (mit dapd)

 
 

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