Berliner Moschee-Brandstifter steht vor Gericht

DerWesten
Weil er einen Sprengsatz in einer Berliner Moschee zündete, steht ein 30-jähriger Mann vor Gericht. Er soll weitere Anschläge auf muslimische Gebäude versucht haben. Ob er verurteilt werden kann, ist noch nicht endgültig klar.

Berlin. Im dem am Montag eröffneten Prozess wegen mehrerer Brandanschläge auf Berliner Moscheen ist die Öffentlichkeit von der Verhandlung ausgeschlossen worden. Der 30-jährige Angeklagte leidet laut einem Gerichtsgutachten unter psychischen Störungen. Seine Persönlichkeitsrechte wögen daher schwerer als das Interesse der Öffentlichkeit, entschied das Landgericht am Montag.

Der Mann soll im Januar laut Anklageschrift einen Sprengsatz in einer Moschee in Wilmersdorf gezündet haben. Zudem soll er zwischen Juni 2010 und Januar 2011 versucht haben, fünf weitere muslimische Einrichtungen in Brand zu setzen, darunter die Sehitlik-Moschee in Neukölln. Die Anklage lautet auf schwere Brandstiftung. Menschen wurden bei den Anschlägen nicht verletzt, auch der Sachschaden war laut Gerichtssprecher Tobias Kaehne nur gering.

Politisches Motiv unwahrscheinlich

Ein politisches Motiv des arbeitslosen Berliners sei „nicht sehr wahrscheinlich“, sagte Kaehne. Nach bisherigen Ermittlungen stehe kein Netzwerk hinter den Taten des Mannes. Die Ermittler waren ihm auf die Spur gekommen, nachdem er bei einer Zeitung einen Artikel über seinen Brandanschlag nachbestellen wollte.

Der Angeklagte ist seit seiner Festnahme im Januar in einer psychiatrischen Klinik untergebracht. In der Verhandlung soll auch seine Schuldfähigkeit geklärt werden. Der Mann hatte die Taten bereits gestanden.

Der Anklageschrift zufolge zündete der Angeklagte in der Moschee in Wilmersdorf einen Sprengsatz aus drei Gaskartuschen, leicht entzündbaren Materialien und Schrauben. Durch seine Anschläge habe der 30-Jährige neben Menschenleben auch das friedliche Zusammenleben der Berliner Religionsgemeinschaften gefährdet, sagte der Staatsanwalt. (dapd)