Bergmannskühe und Borstenvieh

Die Zechen-Kolonien prägten die Gemeinde
Die Zechen-Kolonien prägten die Gemeinde
Foto: Friedrich Westerhoff

Bönen..  Eine neue Gestaltungssatzung soll die Kolinie in Altenbögge vor Veränderungen schützen. Die Gemeinde hat die Bergwerkshäuser längst als historischen Gemeindeteil entdeckt und feiert den im Sommer zum 100. Jahrestag des Bauabschlusses.

Für Mittwoch, 16. Januar, hat die Gemeindeverwaltung zu einem Vorbereitungstreffen um 19 Uhr in der Alten Mühle eingeladen. Erste Ideen gibt es schon für die Festtage vom 15. bis 22. Juni. Eine Kirchschicht im Förderturm gehört dazu, ein Rückblick auf die Hochzeiten des VfK Altenbögge mit dem Kamener Fußballautor Dietrich Schulze-Marmeling, Lesungen, Schulprojekte und ein deutsch-türkischer Abend.

Stall gehörte zur Wohnung

Eine Geschichtswerkstatt will außerdem das Alltagsleben in der Kolonie aufarbeiten. Den Anstoß dazu hat Gemeindearchivarin Barbara Börste geliefert. Im gerade erschienenen Jahrbuch des Kreises Unna schreibt sie über „Borstenvieh, Ziegen, Hühner und anderes Geflügel“ als Teil der Kleintierhaltung der Bönener Bergleute.

Sie schildert darin, wie der Bergbau den Bauerschaften der heutigen Gemeinde seinen Stempel seit 1899 aufgedrückt hat. „Ohne den Bergbau wäre das Ruhrgebiet wie es sich heute präsentiert, undenkbar, schreibt sie. Der Bergbau habe neue Verdienstmöglichkeiten geschaffen und damit auch Freiheit und Unabhängigkeit geboten gegenüber der Abhängigkeit in früheren bäuerlichen Betrieben. Nebenerwerbslandwirtschaft blieb üblich, um den Speiseplan aufzubessern und ein Stück Unabhängigkeit von Preisentwicklungen zu schaffen. Eine Kuh oder zwei Ziegen, ein paar Schweine oder Federvieh, bedeuteten Lebensqualität.

Altenbögge wuchs mit dem Bergbau rasant an. Gegenüber den Zuwanderern herrschte Misstrauen. Wohnungsmangel, schlechte Versorgungslage, fehlende Infrastruktur ließen die Bergarbeiter den Standort wechseln auf der Suche nach besseren Bedingungen. Das sollte der Koloniebau in Zeiten von Arbeitskräftemangel bremsen.

Der Stall zur Wohnung war ein Argument, dass die Werber in Masuren gern vortrugen und mit dem sie Gehör fanden. Grundbesitz hatten die Zechen schon allein deshalb erworben, um sich vor Schadensersatzforderungen bei Senkungen zu schützen. Kohleboom ließ auch den Widerstand der Gesellschaften gegen Heranziehung zu Infrastrukturkosten schwinden. Der alten Kolonie folgten Kappkolonie, Borgholzkolonie und die Neue Kolonie. Auch Mühlen- und Leinkampsiedlung boten Platz für Kleintierhaltung. Deren Betreiber organisierten sich in Vereinen. Ab den 60er Jahren verlor die Kleintierhaltung an Bedeutung. Und mit dem Bergbau schwanden auch die Zuchtvereine.

 
 

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