Beim Glück im Casino nachgeholfen

Tobias Bolsmann
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Duisburg/Dortmund. Das Glück soll doch bestechlich sein. Zumindest am Roulettetisch. Diesem Verdacht geht derzeit die Staatsanwaltschaft Duisburg nach.

Die Sa­che hörte sich an wie guter Stoff für einen Gentlemen-Gaunerstreifen: Croupiers und Zocker stecken unter ei­ner Decke und erleichtern die Spielbank. Die Realität: Seit einem Monat ermittelt die Staatsanwaltschaft wegen mög­licher Manipulation an den Roulettetischen des Duisburger Casinos. Beim Be­treiber Westspiel geht man von einem Einzelfall aus, Branchenexperten sehen dagegen ein weiteres Indiz für den schleichenden Niedergang des Glücksspiels unter staatlicher Aufsicht.

Dabei stellt sich zunächst die Frage, wie man die Roulettekugel auf die schiefe Bahn rollen lassen kann, schließlich wachen in Duisburg zwei Vi­deo-Augen über jeden Tisch sowie die Augen eines Kontrolleurs, der auch einen strengen Blick auf den Croupier hat.

Weniger Geld für Croupiers

Ein möglicher Trick: das Nachsetzen. Herrscht Hochbetrieb, liegt eine Unzahl von Jetons auf dem Tisch. Ist die Glückszahl gefallen, werden alle Nieten abgeräumt und der Croupier beginnt mit der Auszahlung der Gewinne. Doch gleichzeitig platzieren ungeduldige Spieler schon wieder reihenweise neue Chips. Und ganz zufällig in direkter Nähe der gerade ermittelten Glückszahl... Spielt der Croupier mit, zahlt er diesen „Gewinn“ aus statt den Gast zur Zurücknahme aufzufordern.

Andreas Elbracht von der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi hält Fehler im System für eine mögliche Ursache des mutmaßlichen Betrugs im City-Palais. „Das amerikanische hat das französische Roulette abgelöst. Der Unterschied: In der französischen Variante gibt es in einem Team fünf Croupiers, in der amerikanischen nur zwei.“ Wollen Croupiers falsch spielen, gibt es weniger Mitwisser. Außerdem habe sich die Entlohnung verschlechtert, viele Verträge seien zudem befristet: Das ma­che möglicherweise empfänglicher für unmoralische Angebote.

Profis in Hohensyburg misstrauisch

Elbracht hat noch ein anderes Problem ausgemacht: Po­ker. Turniere seien personalintensiv, brächten den Casinos aber wenig Umsatz. Durch die teilweise schrille Schar der Pokerspieler werde die klassische Kundschaft mit Anzug und Abendkleid vollends vergrätzt.

Nicht nur das: In der Pokerszene selbst fiel der Westspiel-Standort Hohensyburg in der Vergangenheit zweimal unangenehm auf. So wurden die Profis bei einem Turnier misstrauisch, weil sie einen Fehlbetrag im Preisgeld-Pott witterten. Als Schuldige hatten sie das Casinoteam in Verdacht. Selbst die Dortmunder Staatsanwaltschaft nahm Ermittlungen wegen des Verdachts der Unterschlagung auf, allerdings wurden sie vor wenigen Wo­chen eingestellt.

Bereits zuvor hatte es bei den Profizockern gegrummelt, Vorwurf: Westspiel habe den Wert eines Hauptpreises falsch dargestellt. Dem Sieger der Westspiel-Pokertour winkte ein neuer Audi R8, der mit einem Wert von 130 000 Euro beworben wurde.

Doch es stellte sich heraus, dass bereits etliche Kilometer auf dem Tacho standen und der Flitzer an Wert eingebüßt hatte. Ursache: Der Wagen wurde bei den Qualifikationsturnieren präsentiert und legte die entsprechenden Strecken zurück. Allerdings habe man sich mit dem Sieger geeinigt, so Westspiel-Geschäftsführungsmitglied Manfred Mahlmann.

Trinkgeld reicht nicht

Dass diese unangenehmen Zwischenfälle Hinweise auf ein falsches Geschäftsmodell sind, wie es Verdi-Mann El­bracht vermutet, kann Mahlmann nicht erkennen. Westspiel habe auf die veränderten Marktbedingungen reagieren müssen. „Früher gab es keine befristeten Verträge, weil die Casinolandschaft blühte, doch seit 2006 haben wir einen schweren Stand“, so Mahlmann. Der Tronc – das Trinkgeld beim Roulette – reiche nicht mehr aus, um die Personalkosten in der französischen Variante zu decken. Also sei die Umstellung auf „Amerikanisch“ unausweichlich gewesen. „Für die Croupiers ist es dabei zwar schwieriger, alleine am Tisch zu stehen, doch mit der Videoüberwachung ist un­ser Sicherheitspaket modern“, so Mahlmann.

Er räumt ein, dass der Flair der früheren Jahre nicht mehr existiere, Spielbanken seien in­zwischen Teil der Freizeitbranche. Und da wolle man ein gehobenes Angebot ma­chen – eine Kombination aus Glücksspiel und Ereignis.