Beeindruckende Zuverlässigkeit

Theo Körner
Foto: Ralph Bodemer / WR

Geisecke. . Für den ersten Eindruck, gibt es keine zweite Chance, heißt ein geflügeltes Wort. Das Auftreten von Ulrich Jacobi in der Firma KS - Logistic & Services war derart überzeugend, dass sich nicht nur für ihn Perspektiven auftuen sollten.

„Er wirkte umgemein sympathisch“, erinnert sich Uwe Konze, Geschäftsführer des Unternehmens, noch gut an den anfänglichen Kontakt. Das Handicap des Interessenten für einen Arbeitsplatz verlor von Stund’ an seine Bedeutung. Denn Ulrich Jacobi ist taubstumm. Seine Freundlichkeit, aber auch sein Arbeitswille „haben mich sehr beeindruckt“, gibt der Firmenchef zu verstehen. Inzwischen sind 17 taubstumme Mitarbeiter in dem Logistikzentrum tätig „und zeichnen sich durch große Zuverlässigkeit aus“.

Schaltstelle im
Produktionsablauf

Dieses Merkmal kommt nicht zwingend mit einer Schulnote zum Ausdruck, im alltäglichen Geschäft „ist eine solche Eigenschaft nicht hoch genug zu bewerten“, lobt Konze die Gruppe der Menschen mit Behinderung. Sie sind inzwischen in dem 70 Köpfe starken Team eine feste Größe, „und leisten hervorragende Arbeit“. Daher habe er auch noch nicht einen Moment an seiner Entscheidung gezweifelt, diese Mitarbeiter einzustellen.

Qualitätskontrolle gehört zu einem ihrer Einsatzgebiete. Dabei obliegt es ihnen, die Federn, die für einen Automobilzulieferer bestimmt sind, auf etwaige Fehler zu untersuchen. „Eine Schaltstelle im gesamten Produktionsablauf“. Mit Hilfe von Lichtsignalen können die Beschäftigten erkennen, ob und welche Mängel vorliegen.

Ein anderes Aufgabengebiet klingt zunächst nicht zwingend so, als komme es hier auf Präzision an. „Die Beschäftigten müssen sich auch um das Aufkleben von Etiketten kümmern“, erzählt Konze. Doch da diese Schildchen die genaue Bezeichnung angeben, um welches Material es sich handelt, dürfen Irrtümer hier nicht vorkommen. Daher sei gerade hier enorme Konzentration gefordert, um Fehler zu vermeiden, betont der Firmenchef.

Er hat im Laufe der Zeit festgestellt, dass die taubstummen Mitarbeiter sich mächtig ins Zeug legen und auch keine Schwierigkeiten haben, sich auf die Bedingungen von KS - Logistic & Services einzulassen. Denn gerade bei den Arbeitszeiten „ist ein hohes Maß an Flexibilität gefragt“, die nicht jeder mitbringe,

Die Gruppe der Taubstummen sei längst nicht mehr nur unter sich, hebt der Geschäftsführer hervor. Inzwischen gebe es viele Kollegen, die sich mit ihnen verständigen können. Dass die Menschen mit Behinderung die Firma als ihre zweite Heimat empfinden, dazu habe auch einen maßgeblichen Anteil der Service des Landschaftsverbandes beigetragen. „Jeden Montag ist ein Dolmetscher-Duo vor Ort, um sich mit den Sorgen und Wünschen der Taubstummen zu befassen.“ Auf diese Weise sei es gelungen, so Konze, Verunsicherungen und Ängste aufzugreifen.

Das Engagement des Geisecker Unternehmens unterstützt der Landschaftsverband Westfalen-Lippe mit 152000 Euro. Das Unternehmen schaffe „gute Arbeitsbedingungen“, heißt es in der Begründung. Zu den Investitionen gehören Werkbänke, Hubarbeitstische und Gabelstapler, die mit optischer Signalgebung ausgestattet sind.