Beady Eye - Oasis-Nachfolger fehlte Noel Gallagher

Georg Howahl
Was können Beady Eye live? Liam Gallagher zeigte am Montagabend im Kölner E-Werk, dass seiner neuen Band nichts fehlt. Außer dem letzten Hauch Brillanz, für das der verstoßene Bruder Noel bei Oasis sorgte. Das Deutschland-Debüt einer alten Band mit neuem Namen

Köln. Etwas fehlt bei Beady Eye: Dieser angenervte Ich-bin-zu-cool-für-diese-Welt-Gesichtsausdruck, dieses Markenzeichen von Liam Gallagher, das in den letzten fünfzehn Jahren sein steter Begleiter bei jedem Oasis-Konzert war. Plötzlich steht da im olivgrünen Mod-Parka ein Kerl, der locker, fast liebevoll sein Mikro schräg von der Seite ansingt und dabei einen erstaunlich entspannten, gar interessierten Eindruck macht, die Arme hinterm Rücken verschränkt wie eh und je. Würden nicht auch die ganzen schönen Oasis-Songs fehlen, könnte man von einem befreiten, fast perfekten Abend sprechen. Wer braucht schon Noel?

Oasis minus 1

Die Band nicht, denn die spielt als das, was sie eben ist: Oasis minus 1. Und dieses „minus 1“ bedeutet live nicht mehr, als dass eine Gitarre fehlt, die in diesem Fall durch einen Tourmusiker kompensiert wird. Und so nimmt das Konzert seinen druckvollen Anfang in fröhlicher Variation der Album-Tracks von Beady Eye: Auf’s schnelle „Four Letter Word“ folgt die ebenfalls druckvolle Hommage „Beatles And Stones“, das eher countryhafte „Millionaire“ und das schöne Mersey-Beat-Stück „For Anyone“, bevor Beady Eye viel zu früh den unverschämt beatlesken Hit „The Roller“ spielen – natürlich im vollen Bewusstsein, dass längst nicht alles Pulver verschossen ist. Auch wenn man sich, wie zuvor angedroht, auf Songs vom Album „Different Gear, Still Speeding“ (plus Bonus Tracks) und eine Cover-Version beschränken wird.

Und während sich die Begeisterung langsam ihren Weg durch die trunkene Fanmeute bahnt und Beady Eye einen lupenreinen Boogie-Woogie („Bring The Light“) und einen klassischen Rock’n’Roll-Song („Standing On The Edge Of The Noise“) spielen, fällt dem kritischen Hörer auf, dass dieses „Minus 1“ eben doch eine Winzigkeit mehr bedeutet. Denn ohne Noel Gallagher fehlt den Songs ein winziges Tüpfelchen Brillanz, das die vielen guten Rocksongs zu unvergänglichen Klassikern machte. Das scheint wenig, ist aber viel. Denn auch bei Oasis stammen als Hits nur „Songbird“ und „I’m Outta Time“ aus Liams Feder, also zwei fast zu vernachlässigende Fußnoten. Das bisschen Unvergänglichkeit war Noels Job. Nach Oasis-Maßstäben wäre dies ein Todesurteil.

Besser als viele Frischlinge

Doch sehen wir den Auftritt von Beady Eye losgelöst von Oasis: Hier stand eine frische Band mit ihrem Debüt. Und auch wenn alle Songs exakt wie von einer weltbekannten anderen Band (ob das nun Oasis oder die Beatles waren, ist ja egal) klangen, konnten die Songs mitreißen. Das ist mehr, als man von vielen Frischlingen sagen kann. Und bestimmt kein schlechter Anfang für eine Band, die sich vorgenommen hat, mit einem alten Konzept und neuem Mut bei Null zu beginnen. Oder vielleicht sogar bei „Minus 1“.

P.S.: Die erwähnte Cover-Version in der Zugabe war „Sons Of The Stage“ der zu Unrecht erfolglosen Band World Of Twist (1991). Oasis hatten ursprünglich überlegt, sich nach diesem Song zu benennen. Tatsächlich aber landete er nur auf der Beady Eye B-Seite der Single „Bring The Light“.