Baumstamm ziehen leicht gemacht

Foto: Dietmar Wäsche

Kamen..  Geübt haben sie nicht. „Es soll ja nur ein Spaß sein“, sagen sich die sechs Jungs von „The Big Bang W“. Trotzdem malt sich gehöriger Respekt in den Gesichtern der Kamener ab, als sie die erste Aufgabe bei den ersten Kamener Highland Games zu Gesicht bekommen. 200 Kilo wiegt das Fass, das sie mehrfach um einen Autoreifen rollen sollen. Und die amtierenden deutschen Meister nebenan bringen insgesamt gut 300 Kilo mehr auf die Waage.

Ausgleich zum Job

Spontan war die Idee, bei dem großen Schotten-Gaudi auf dem Drachenfestival „Kite“ mitzumachen. Bis zu 110 Kilo schwere Steine heben, Hufeisenwerfen, Gewichts- und Strohsackhochwurf, Steinestoßen und Baumstammslalom: Das sind nur einige der urtümlichen und insgesamt zwölf Disziplinen. Größere Probleme als der 7,25 kg schwere Stein, der knapp fünf Meter hinter der Bestleistung der acht Amateurmannschaften landet, haben jedoch die Kilts bereitet. „Zwei von uns haben sich Röcke von der Oma geliehen“, erzählt das einzige Teammitglied, das aus purer Schottenleidenschaft schon einen Kilt im Schrank hatte. Spätestens beim Baumstammziehen werden die Arme lang. Neidische Blicke auf die einzige Damenmannschaft, die nebenan elegant das Gewicht in ferne Weiten wuchten, können sie sich nicht verkneifen.

Das alles ist jedoch nichts gegen das Auftreten der 21 Voll- und 16 Semi-Profis beim schottischen Fünfkampf am Vortag. Zwei deutsche Rekorde stellten sie beim „heavy event“ auf. Einen davon sicherte sich Michaela Pennekamp. Sie ist deutsche und Landesmeisterin und schleuderte das 6,7 kg schwere Gewicht auf satte 15,63 Meter. Dabei ist die 45-Jährige erst seit einem Jahr dabei. „Ich bin über den Kraftsport dazu gekommen“, erzählt sie. Jetzt kann sie nicht mehr davon lassen, Stämme so in die Luft zu befördern, dass sie sich einmal um sich selbst drehen oder Gewichte in schwindelerregende Höhe zu wuchten. „Es ist ein toller Ausgleich zum stressigen Job“, meint sie.

Dass die Gewichte schon mal knapp neben dem Ohr wieder auf den Boden donnern, daran konnten sich die Zuschauer noch gewöhnen. Dafür war der „Tusch“ aus den Dudelsäcken der „Pipers and Drummers“ umso lauter. In die allgemeine Euphorie stimmten auch der belgische und der japanische Meister mit ein. Letzterer war zu dieser Premiere gekommen, obwohl sich die Tsunami- und Erdbeben-Katastrophe nur 100 Meter vor seinem Haus zugetragen hatte. Jens Schwan, der 2. Vorsitzende der ausrichtenden „Ironforge Hamm“ war zusammen mit seinen 40 Clanmitgliedern rundum zufrieden. „Es ist eines der besten Teilnehmerfelder in ganz Deutschland“, freut er sich. Dazu gab es noch einen deutschen Rekord: 37,83 Meter im schottischen Hammerwurf.

 
 

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