Bahnhof und Zivilcourage

Es gibt Ereignisse, die machen es uns schwer, zur Tagesordnung überzugehen. Das, was Pfingsten am Bahnhof in Mönchengladbach passiert ist, als zwei Frauen in aller Öffentlichkeit von Jugendlichen zusammengeschlagen wurden, gehört dazu. Das Leid der Frauen beschäftigt uns weiter. Und es beschäftigt uns noch etwas anderes. Etwas, das stark mit uns selbst zu tun hat: Hätten wir selbst geholfen?

Solche Fragen quälen das Gewissen nur. Wer traut sich schon, den Helden zu spielen? Es wäre auch komplett falsch. Immer wieder warnt die Polizei davor, sich einzumischen, weil es lebensgefährlich sein kann. Aber einfach weggehen, Milchkaffee holen, in den nächsten Zug steigen und weg? Nicht hinter jedem, der so handelt, steckt ein Egoist. Manche wissen einfach nur nicht, was sie tun sollen.

Was soll man tun? Die Polizei sagt, man soll sich mit anderen zusammen tun. Masse macht’s. Auf jeden Fall sollte man die Polizei anrufen. Das ist ja alles richtig. Doch bis man erst einmal andere Couragierte gefunden hat, ist vielleicht schon Schlimmstes passiert. Manche Prügeleien dauern nur Minuten.

Das Bedrückende ist: Es gibt kein Patentrezept. Wir müssen von Fall zu Fall entscheiden. Wichtig ist, dass wir uns sensibel machen für das, was passieren kann und für die Not der Opfer – nur dann sind wir in der Lage, die richtige Entscheidung zu treffen.