Bahnchef Grube verspricht Weiterbau des Bahnhofs Dortmund

Dietmar Seher
Für über 20 Millionen Euro wurde der Bahnhof Dortmund saniert. Doch das Geld reichte gerade mal für den Eingangsbereich. Bahnchef Grube versichert: Dortmund steht ganz oben auf der Agenda. Doch das ist nicht das einzige Bahnprojekt in NRW, bei dem es hakt.

Dortmund. Rüdiger Grube ist seit 850 Tagen Bahnchef. In dieser Woche besucht er seine Unternehmensteile in NRW. In Köln redet er mit Auszubildenden. In Essen diskutiert er mit Führungskräften. In Düsseldorf ist er im DB Regio Werk. Hier werden Nahverkehrszüge in Stand gehalten. Grube muss hier sagen, wie es in NRW weiter geht für seine täglich 1,2 Millionen Fahrgäste, mit den 31.000 Mitarbeitern und auf den 694 Bahnhöfen.

Der Ärger mit Dortmund

Die Hauptbahnhöfe in Essen, Duisburg und Bochum wurden saniert. Dortmund aber ist die drittgrößte Station im Land. 125.000 Reisende jeden Tag, 195 Fernverkehrs- und 485 Nahverkehrszüge, die hier halten. Dazu 302 S-Bahnen. Der Bau ist viel zu eng. In den Stoßzeiten stoßen sich die Leute um. 20 Millionen Euro wurden investiert, aber nur in den unmittelbaren Eingangsbereich. „Pommes-Bude mit Gleisanschluss“, hat der verstorbene Alt-OB Günter Samtlebe gespottet. „Wir sind uns der Probleme bewusst. Dortmund steht für uns ganz oben auf der Agenda“, sagt Grube, der daran erinnert, dass Rollstuhlfahrer im Lastenaufzug auf die Bahnsteige müssen. Das gehe so nicht. Die Bahn suche nach einer Sonderfinanzierung. „Wir sind in Gesprächen.“

Der Rhein-Ruhr-Express

Alle 15 Minuten in der Super-S-Bahn von Dortmund über Essen nach Düsseldorf und Köln. Den Traum träumten viele Landesregierungen. Zeitweise wollte man schweben (Metrorapid), dann alles bis zum Kulturhauptstadtjahr fertig haben. Nichts wurde es damit. Kommt der Rhein-Ruhr-Express (RRX) noch? Es ist eine politische Vorgabe. „Wir haben ein großes Interesse daran“, sagt Grube, „das ist der größte Ballungsraum in Deutschland.“ Aber er nennt auch Fakten. Das Projekt koste mindestens 2,2 Milliarden Euro. „Die Finanzierung steht noch nicht.“ Geplant und gearbeitet werde an zwei Stellen, fügt NRW-Konzernbevollmächtigter Reiner Latsch hinzu: Bei Leverkusen und zwischen Duisburg und Düsseldorf. Nötig sind weitere Umbauten, „punktuell in Bochum, Mülheim, Dortmund“. Die Bahn macht so deutlich: Eine durchgehende zweigleisige Extrastrecke für den RRX wird es nicht geben.

Schneller am Niederrhein

2007 haben die Niederländer ihre hochmoderne Güterzuglinie Betuwe fertiggestellt. Sie soll die Fracht von den Benelux-Seehäfen auf die Schiene holen. Zudem baut die Bahn mit Millionenaufwand gerade ihre Umschlag­stellen im Duisburger Hafen aus. Doch die Anschlussstrecke von Emmerich nach Oberhausen lässt auf sich warten. Schuld sind auch Neubewertungen im Berliner Verkehrsministerium. Gerade wird das zähe Planfeststellungsverfahren neu angeschoben. 2014 soll Baubeginn sein für das dritte Gleis und den Schallschutz. „Wir kommen voran“, sagt der Bahnchef. „Aber die Betriebsaufnahme 2015 ist nicht möglich.“

Problem Pünktlichkeit

Die Bahn kennt ihre Schwachstellen im Ruhrgebiet. Die ­S-Bahnen fahren pünktlich. Regionalexpresse sind Sorgenkinder. Für Diebe, die Schienen klauen, und auch für Unterbrechungen durch Suizide kann der Konzern wenig. Aber für seine Wetterfestigkeit schon. Rüdiger Grube verspricht: „Noch nie haben wir uns so gut auf den Winter vorbereitet wie jetzt. Wir planen generalstabsmäßig.“ Er hofft, dass die Pannen der Vorjahre ausbleiben.

An den NRW-Bahnhöfen sollen aus einem „kleinen Topf“ (35 Millionen Euro) Überholgleise gebaut werden. Knoten wie Köln sollen reibungsfreier gestaltet werden. Statt Tempo 120 will Grube „als Mindestgeschwindigkeit“ Tempo 160 haben. Das Tempo beim Weichenumbau – nur 69.000 der 76.000 Weichen bundesweit sind beheizt – sei schon verdoppelt worden. Überdies: Mit einem neuen System nach Schweizer Vorbild wird den Kunden übermittelt, wie pünktlich (oder unpünktlich) die Züge sind.