Bachelor-Studenten sollen weniger geprüft werden

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Bonn. Triumph der Studenten: Die Bachelor- und Masterstudiengänge werden nachgebessert. Darauf einigten sich die Kultusminister der Länder und die Hochschul-Rektoren. Indes haben in Bonn Tausende Studenten für ein besseres Bildungssystem demonstriert. Die Veranstalter zählten rund 10.000 Teilnehmer.

Die Bildungsminister von Bund und Ländern haben sich mit den Rektoren der deutschen Hochschulen auf Nachbesserungen bei den neuen Bachelor- und Masterstudiengängen verständigt. Damit sei ein großer Schritt getan, sagte die Präsidentin der Hochschulrektorenkonferenz (HRK), Margret Wintermantel, am Donnerstag in Bonn. Die Konferenz der Kultusminister (KMK) wollte am Abend die politisch-rechtlichen Rahmenbedingungen für die Umsetzung Reformvorschläge festsetzen.

Laut einer gemeinsamen Erklärung von HRK und KMK sollen Prüfungs- und Arbeitbelastungen der Studenten reduziert sowie die Voraussetzungen für eine Verringerung der Stoffdichte geschaffen werden. Die Prüfungsbelastung solle auf «grundsätzlich nicht mehr als eine Prüfung pro Modul» reduziert werden. Die Hochschulen sollten zudem mehr Freiheiten bei der Ausgestaltung von Studiengängen bekommen. Der derzeitige KMK-Vorsitzende, der Schweriner Bildungsminister Henry Tesch, zeigte sich sehr zufrieden mit dem Ergebnis. Die KMK werde genau das umsetzen, was besprochen wurde.

"Studierbarkeit steht an vorderster Stelle"

Den sogenannten Bologna-Prozess zur europaweiten Angleichung der Studienabschlüsse wollen die Länderminister und Hochschulchefs aber fortsetzen. «Die Studierbarkeit der Studiengänge steht dabei an vorderster Stelle», teilten die Gremien weiter mit.

KMK und HRK hätten mit ihrer Vereinbarung Kritikpunkte der Studenten aufgenommen, hieß es in der Erklärung. Es sei nun wieder an der Zeit, zu einem geregelten Studienbetrieb überzugehen. Kultusminister und Hochschulrektoren würden sich gemeinsam dafür einsetzen, dass das Ziel des Bildungsgipfels, zehn Prozent des Bruttoinlandsprodukts für Bildung und Forschung aufzuwenden, erreicht werde. Aus diesen Mitteln soll der Bologna-Prozess vorangetrieben werden, in dessen Rahmen auch die kürzeren und verschulteren Bachelor- und Masterstudiengänge eingeführt worden waren.

Rund 10.000 Demonstranten

Derweil haben Tausende Studenten am Donnerstag in Bonn erneut für einen Kurswechsel in der Bildungspolitik demonstriert. «Die Kultusminister müssen endlich aufhören, die Interessen der Beteiligten im Bildungssystem zu ignorieren», forderte Anja Gadow vom Vorstand des studentischen Dachverbandes fzs. Die Kultusministerkonferenz beriet am Donnerstag in Bonn.

Notwendig seien vor allem der Ausbau der öffentlichen Finanzierung des Bildungssystems sowie die Abschaffung des mehrgliedrigen Schulsystems und die Abschaffung jeglicher Bildungsgebühren, verlangte Gadow.

Nach Angaben der Studenten gingen in Bonn mehr als 10.000 Demonstranten auf die Straßen. Die Polizei sprach gegen 15.00 Uhr von rund 4.000 Teilnehmern, bei weiterhin regem Zulauf. In Form einer symbolischen Blockade setzten sich laut Polizei einige der Teilnehmer im abgesperrten Bereich der Kennedyallee und der Ahrstraße auf die Fahrbahn.

Seit Wochen wird an den Universitäten bundesweit gegen Studiengebühren und verschulte Studiengänge demonstriert. Dabei kam es in zahlreichen Städten zu Hörsaal-Räumungen durch die Polizei.

Kraft fordert "Bologna-TÜV"

Die CDU/CSU-Bundestagsfraktion begrüßte das «konsequente Handeln» zur «Korrektur der Missstände bei der Umstellung der Studiengänge auf Bachelor und Master». Mit der Änderung der gemeinsamen Strukturvorgaben der Länder sorge die Kultusministerkonferenz für die Flexibilisierung der Studienzeit, die Verringerung der Prüfungsdichte und die Verbesserung der Mobilität zwischen den Hochschulen, sagte Unions-Bildungsexperte Albert Rupprecht (CSU). Nun müssten die Hochschulen die neu gewonnenen Spielräume nutzen.

SPD-Vize Hannelore Kraft forderte eine weitergehende Überprüfung der Bologna-Reform. «Die Studierenden können noch nicht einmal innerhalb von Nordrhein-Westfalen die Uni wechseln, ohne befürchten zu müssen, dass einzelne Module ihres Studiums nicht anerkannt werden», sagte die NRW-SPD-Landeschefin. Nötig sei «deshalb eine Art Bologna-TÜV, um die Missstände zu beseitigen». (ap/ddp)

 
 

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