Awo Essen drückt Löhne mit Leiharbeit

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Essen. Krasser Widerspruch zwischen Bundesforderung und städtischer Umsetzung: Die SPD-nahe Arbeiterwohlfahrt kämpft gegen Lohndumping, doch die Awo Essen stellt nur Pflegekräfte als Leiharbeiter ein. Grund: die Senkung der Lohnkosten.

Während die SPD-nahe Arbeiterwohlfahrt auf Bundesebene gegen Lohndumping und ausufernde Leihar­beit kämpft, stellt die Awo Essen Pflegekräfte grundsätzlich nur noch als Leiharbeiter ein. Einziger Grund ist eine Senkung der Lohnkosten, wie der Awo-Kreisverband offen einräumt. „Wir stehen in ei­nem harten Wettbewerb mit anderen Anbietern und müssen auf die Kostenentwicklung reagieren“, sagte Geschäftsführer Wolf Ambauer der WAZ. Durch die Einsparungen bei den Löhnen sichere die Awo Arbeitsplätze.

Damit ersetzt die Awo in ihren sechs Essener Pflegeheimen nach und nach die zum höheren Awo-Tarif bezahlten Kreis-Mitarbeiter systematisch durch Kräfte der hauseigenen Awo Service GmbH. Dort verdienen Fachkräfte rund zehn Prozent und Pflegehelfer teils 17 Prozent weniger, wie Lohnabrechnungen belegen, die dieser Zeitung vorliegen. Die Mitarbeiter haben feste Einsatzorte, weshalb Am­bauer darin auch „keine klassische Leiharbeit“ sieht.

Verdi: „Pervertierung des Awo-Leitbildes“

Der SPD-Landesarbeitsminister Guntram Schneider be­steht dagegen darauf, dass Leiharbeit nur Auftragsspitzen abdecken dürfe. „Wer aber damit dauerhaft Löhne und Gehälter bei den Beschäftigten einsparen will, missbraucht Zeit- und Leiharbeit“, sagte er der WAZ.

Die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi spricht von einer „Pervertierung des Awo-Leitbildes“. Was die Awo in Essen mache, stehe „in krassem Wi­derspruch zu dem, was der Bundesverband sagt und was in der kommunalen Politik durch die SPD gelebt wird“, sagt Gereon Falck, Verdi-Sekretär für Wohlfahrtsdienste.

Die Awo Essen verteidigt ihr Vorgehen damit, dass aus den Pflegekassen zu wenig Geld in die Heime fließe. „Wir können nicht mehr zahlen als uns die Kostenträger an Geld zur Verfügung stellen“, sagt Ambauer. Doch andere Träger, die vor dem gleichen Finanzproblem stehen, lehnen flächendeckende Leiharbeit ab. So bestätigt Verdi etwa, dass die Awo im Bezirk Westliches Westfalen die Leiharbeiterquote in ihren Heimen sogar wieder zurückfährt. Die kirchlichen Arbeitgeber Diakonie und Caritas versichern wie der Awo-Bundesverband, Leiharbeit nur für Arbeitsspitzen, etwa durch Krankheitsfälle, einzusetzen.

 
 

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