Auch im Netz mit offenem Visier - warum die Anonymität im Netz feige ist

Rechtsstaatliche Grundsätze müssen auch im Internet gelten, fordert Innenminister Hans-Peter Friedrich. (Foto: imago)
Rechtsstaatliche Grundsätze müssen auch im Internet gelten, fordert Innenminister Hans-Peter Friedrich. (Foto: imago)
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Das Internet sollte die gesellschaftliche Debatte durch Anonymität befördern - leider bietet es auch jenen Schutz, die menschenverachtende Ideologien verbreiten wollen. Die Forderung von Innenminister Friedrich ist deshalb überfällig. Ein Kommentar.

Essen. Dr. Jekyll und Mr. Hyde im Netz. Tagsüber war Peder Jensen braver, unauffälliger Mitarbeiter in einem Behindertenzentrum im norwegischen Städtchen Aalesund. Nach Feierabend verwandelte sich der Angepasste zum anonymen, rechtsradikalen Blogger „Fjordman“, der im Netz aufs Übelste gegen Muslime wetterte. Äußerungen wie „Der Islam und alle, die ihn praktizieren, müssen total und physisch aus der gesamten westlichen Welt entfernt werden“ fanden auch Zustimmung beim norwegischen Massenmörder Anders Breivik.

Dass Peder Jensen nun feige abgetaucht ist, passt ins Bild. Was sind das nur für charakterlose Gesellen, die sich in anonymen Blogs austoben? Das Internet war angetreten, die gesellschaftliche, repressionsfreie Debatte durch den Schutz der Anonymität zu befördern. Leider hat es auch dazu geführt, dass nun Typen mit Persönlichkeits-Defiziten sowie einer Blockwart- und Heckenschützen-Mentalität für allerlei Krudes und Menschenverachtendes eine Bühne haben.

Die Forderung von Innenminister Friedrich, dass auch im Netz rechtsstaatliche Grundsätze zu gelten haben, ist überfällig. Jeder solle mit offenem Visier für seine Argumente streiten. Beherzte, mutige, kontroverse Diskussionsbeiträge von couragierten Bürgern sind das Salz für eine lebendige Demokratie.

 
 

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