Arroganz statt Demut beim Envio-Prozess

Der Hauptangeklagte Dirk Neupert
Der Hauptangeklagte Dirk Neupert
Foto: Ralf Rottmann
Dass die Verteidigung der Verantwortlichen im Envio-Prozess derart wild um sich schlägt, kann für die Angeklagten auch nach hinten losgehen. Die Opfer der bundesweit größten PCB-Katastrophe sollen selbst Schuld sein an ihren Erkrankungen.

Dortmund. Das kann ja was werden. Wenn der Auftakt zum Envio-Prozess die Duftmarke setzt, an der sich das weitere Geschehen orientiert – dann gute Nacht, guter Geschmack. Dann könnten den Opfern der bundesweit größten PCB-Katastrophe noch schmerzhafte Verhandlungsmonate bevorstehen.

Zwei Jahre haben sie auf diesen Moment gewartet. Haben unzählige medizinische Untersuchungen und Tests über sich ergehen lassen, eine Hiobsbotschaft nach der anderen wegstecken müssen: zehntausendfache Verseuchungen, vergiftete Frauen, Kinder, Angehörige, Arbeitsunfähigkeit, Perspektivlosigkeit, Angst vor schweren Krankheiten, vor der Zukunft schlechthin.

Verteidigung schlägt wild um sich

Und jetzt, da sie auf die Stunde des Rechts und der Gerechtigkeit warten, hören sie, dass nicht Envio ihr Leid verantwortet, sondern sie selbst – durch ungesunde Lebensweise. Aha, hätten sich die Malocher nur besser ernährt, vielleicht etwas mehr geschlafen, dann wäre das alles nicht passiert, oder wie? Nun, etwas mehr frische Luft in den Gifthallen hätte ihnen auch nicht geschadet. Aber das wäre ja Arbeitsschutz gewesen – und teuer.

So billig werden die Angeklagten kaum davonkommen. Eine Verteidigung, die gleich in der ersten Runde derart wild um sich schlägt und die verheerenden Folgen der Giftspritze Envio mit Gülle auf dem Acker und Hundegräbern im Garten vergleicht, schadet ihren Mandanten möglicherweise mehr, als dass sie ihnen hilft. Demut stünde den Envio-Bossen besser als Arroganz.