Area4 zwischen Idylle, Exzess und alten Helden

Annika Rinsche
Die Veranstalter des Area4 Festival in Lüdinghausen bieten 2011 erstmals „Grüner Wohnen“ an. Anders als im normalen Campingbereich liegt hier kein Müll auf dem Boden. Das freut auch Festivalbesucher Alexander und Jasmin Foto: Dirk Bauer, WAZ FotoPool
Die Veranstalter des Area4 Festival in Lüdinghausen bieten 2011 erstmals „Grüner Wohnen“ an. Anders als im normalen Campingbereich liegt hier kein Müll auf dem Boden. Das freut auch Festivalbesucher Alexander und Jasmin Foto: Dirk Bauer, WAZ FotoPool
Foto: WAZ FotoPool
Rock auf der Bühne, Ruhe am Zeltplatz – das Area4-Festival vereint in diesem Jahr erstmals die Gegensätze auf einem „grünen“ Campingplatz. Die Bewohner räumen ihren Müll auf und legen Wert auf Nachtruhe. Spießig sind sie deswegen noch lange nicht.

Lüdinghausen. Die beschauliche Camping-Idylle auf gepflegtem Rasen lässt kaum vermuten, dass hier ausgerechnet die Besucher eines Rock-Festivals ihre Zelte aufgeschlagen haben. Das Area4 im Münsterland hat in diesem Jahr erstmals das „Grüner Wohnen“ eingeführt.

Wer auf diesem Platz zeltet, räumt brav seinen Müll weg und dreht nachts die Musik leise, damit die Nachbarn schlafen können. Volltrunkene Vandalen sind hier ebenso wenig erwünscht wie alte Ravioli-Dosen auf den Wegen.

„Mir würde das Festival-Gefühl fehlen“

Das neue Areal der Vernunft stößt auf begeisterte Fans, dankbar für diese Oase der Ruhe. Mehr als 2000 Teilnehmer haben sich laut Veranstalter angemeldet, 400 davon sogar spontan vor Ort. „Letztendlich kam die Idee von den Besuchern, die sich einen Bereich gewünscht haben, wo sie nachts in Ruhe schlafen können“, erzählt Veranstaltungsleiter Jasper Barendregt.

Aber das Saubermann-Camp wird auch skeptisch beäugt: Was sind das für Menschen, die jeglichen Rock’n’Roll-Attitüden von zur Schau getragener Hemmungslosigkeit und alkoholgeschwängerten Gelagen bis spät in die Nacht abschwören? „Körnerfresser“ und „Ökos“ haben die regulären Camper ihre umweltbewussten Nachbarn getauft.

„Mir würde das Festival-Gefühl fehlen“, wundert sich Rüdiger mit Blick auf den sauberen Zeltplatz. Freundin Jessi pflichtet ihm bei: „Das muss doch dreckig sein.“ An den Zaun, der die Insel des Anstands vom Dauer-Exzess trennt, hat jemand ein „Bitte nicht füttern“-Schild gehängt.

„Schließlich sind wir ja wegen der Musik hier“

Die „grünen“ Besucher stören die Vorbehalte herzlich wenig. „Natürlich fühlt man sich hinter dem Zaun ein bisschen wie im Zoo - aber die Frage ist doch, auf welcher Seite die Tiere sind“, sagt die17-jährige Marie, die mit Mutter und Freundin angereist ist. „Wir wohnen ja quasi im VIP-Bereich.“

Die Sauberkeit und Ruhe auf dem Platz haben die Düsseldorfer überzeugt. „Hier kann man barfuß über die Wiese gehen, ohne gleich in Scherben und Essen zu treten“, lobt Mutter Nathalie. „Party gibt es auf dem Gelände genug. Und schließlich sind wir ja wegen der Musik hier.“

Ob „Öko“ oder Party-Volk: Das Programm dürfte in der Tat wieder alle Besucher auf einen Nenner gebracht haben. Bei Gitarrenmusik in Variationen von Punk über Rock bis Indie feiern die Fans ihre Helden. Zu den Höhepunkten zählt da sicherlich der Auftritt der Deftones. Sänger Chino Moreno schafft souverän die Gratwanderung zwischen stimmungsvollen Gesangspassagen und exstatischen Ausbrüchen.

Bei NoFX sind manche Hits älter als das Publikum

Dem Publikum gönnt er nur kurze Verschnaufpausen, bevor er wieder vollen Körpereinsatz fordert. Dabei schont Moreno auch sich selbst nicht und singt sogar noch nach dem Sprung ins Publikum mit unglaublich kraftvoller Stimme.

Mit NoFX geben sich die alten Herren des Punk die Ehre – die Musiker sind seit mehr als 25 Jahren im Geschäft und tragen konsequent bunte Haare und Karo-Hosen, ohne dabei anbiedernd zu wirken. Im Gegenteil: Sogar wenn einige Hits älter sein dürften als mancher Besucher, erobern die charismatischen Künstler mit eingängigem Melodic-Punkrock das junge Publikum.