Arbeitslose immer öfter psychisch krank

Foto: Imago

Essen.. Ob Burn-out oder Depressionen - Deutsche leiden immer öfter an psychischen Krankheiten. Dabei gilt schon lange nicht mehr der Job als Risikofaktor Nummer 1. Auch Arbeitslose sind häufiger von seelischen Problemen betroffen.

Angst um den Arbeitsplatz, wenig Zeit und viel Arbeit. Schnell entsteht Stress, der immer häufiger in einer psychischen Erkrankung endet. Risikofaktor: Job. Doch der BKK zufolge leiden auch immer öfter Arbeitslose an seelischen Problemen. Fast ein Viertel ihrer Krankheitstage entfallen heute auf Erkrankungen wie Depressionen.

Ursache ist oft das Gefühl der Wertlosigkeit

„In unserer Gesellschaft dient der Job nicht nur dem Geldverdienen“, sagt der Kölner Psychologe Peter Groß. „Vielmehr sagt auch er etwas über die soziale Wertigkeit des Einzelnen aus.“ Wer keinen Job hat, ist also wertlos? „Leider empfinden viele Arbeitslose genau das.“ Sie geben sich Mühe, einen neuen Job zu finden, bewerben sich und versuchen beim Vorstellungsgespräch zu überzeugen. „Klappt das nicht, kommt ein Gefühl der Hoffnungslosigkeit und Existenzangst hinzu.“

Wer viele Jahre gearbeitet hat und für schlechte Zeiten oder die Rente gespart hat, muss dieses finanzielle Polster nun hergeben. „Und damit auch die Sicherheit“, sagt der Experte. Viele Betroffene sei die Arbeitslosigkeit auch peinlich, so dass sie sich immer weiter zurückziehen. Folge: Stress und extreme psychische Belastungen, die schnell zu Erkrankungen führen können.

Psychische Erkrankungen nehmen zu

„Depressionen sind heute schon eine Volkskrankheit“, sagt Groß. „Die meisten Menschen haben mindestens einmal im Leben depressive Episoden.“

Typische Beschwerden sind:

• Antriebslosigkeit

• Müdigkeit

• fehlende Freude

• Kraftlosigkeit

• das Gefühl sich verstecken zu wollen

• fehlende Kreativität

Frühzeitig Hilfe suchen

„Einfacher gesagt als getan: Betroffene müssen lernen mit den neuen finanziellen Einschränkungen umzugehen und wieder optimistischer in die Zukunft zu schauen“, sagt Groß. „Klappt das nicht, sollte man nicht zu lange warten, sondern möglichst frühzeitig psychotherapeutische Hilfe suchen.“ Familienangehörige und Freunde seien da oft schnell überfordert.

Wichtig sei auch, nicht immer das Schlimmste zu befürchten. „Im plötzlichen Jobverlust kann man eventuell sogar auch Vorteile erkennen“, sagt Groß. „Vielleicht nutzt man ihn zum Beispiel für einen Neuanfang und strebt den Job an, den man schon immer machen wollte.“

„Einige Arbeitslose verfallen durch den Frust auch in ein erstarrtes Nichts-Tun“, sagt Groß. Besser als abzuhängen sei es, kleinere Jobs oder ehrenamtliche Tätigkeiten anzunehmen. Das wirke dem Gefühl der Wertlosigkeit entgegen und könne damit Depressionen und anderen psychischen Erkrankungen vorbeugen.

 
 

EURE FAVORITEN