Apotheker stellt Doping-Dealer

DerWesten
Foto: Henryk Brock

Holzwickede. An die Rathaus-Apotheke in Holzwickede wird sich das Trio nur ungern erinnern, das sich ab Donnerstag wegen gewerbsmäßigen Betrugs und Urkundenfälschung und Verstoß gegen das Arzneimittelgesetz vor dem Schwurgericht in Dortmund zu verantworten hat.

Dort flog ihr illegaler Anabolika-Handel mit gefälschten Arzneimittel-Rezepten im September 2009 erstmals auf, wenig später wurden Mitläufer und Hintermänner bei ihrem nächsten Beutezug in Paderborn gefasst. „Ich war durch Hinweise in der Fachpresse schon sensibilisiert“, erinnert sich Apotheker Georg van Bremen (61) an jenen 9. September kurz vor Feierabend. Offenbar hatten die Doping-Dealer den Zeitpunkt bewusst gewählt, mutmaßt der Holzwickeder Apotheker, „so konnten sie mögliche Nachfragen bei den Ärzten vermeiden“.

Jedenfalls fiel ihm an jenem Tage auf, dass die „ansonsten fast perfekt gefälschten Rezepte“ Fehler hatten: „Zum Beispiel stimmte der Vorname des verordnenden Arztes nicht.“ Van Bremen bat den Kunden, sich wegen einer telefonischen Nachfrage einen Augenblick zu gedulden. Der aber suchte das Weite.

Seine Kollegin Silke Gerdes aus Paderborn ließ die Bande dann vollends auffliegen: Ihr war aufgefallen, dass als Leistungsträger die AOK ausgewiesen war, eingetragen aber war die Kassen-Identifikationsnummer der TKK auf dem Rezept.

Zentrum in Dortmund

Sie rief die Polizei, die zunächst den „Läufer“, einen 21-Jährigen aus Kamen und später auch die Hintermänner aus Dortmund (21 und 22 Jahre) und Esch (29) stellte. Sie haben sich ab Donnerstag vor dem Schwurgericht in Dortmund zu verantworten, das Urteil wird nach sechs Verhandlungstagen Mitte Juli erwartet.

Die Masche der Ganoven war in mehr als 100 Fällen stets die gleiche und erfolgreiche: Sie bestellten pro Beutezug von Paderborn bis Duisburg, von Köln und Düsseldorf bis Unna und Bielefeld an einem Tag in jeweils zehn Apotheken vor Ort telefonisch die Wachstumshormone und schickten wenig später einen „Läufer“ mit den fast perfekt gefälschten Rezepten und zehn Euro Gebühr in die Apotheken, um die Präparate abzuholen.

Zentrum des lukrativen Schwarzhandels mit Anabolika war ein Bodybuilding-Studio in Dortmund. Illegal gehandelt wurden wertvolle Präparate wie Testosteron, Neutropin und Genotropin mit einem Schwarzmarktwert von bis zu jeweils 17 000 Euro pro Einheit. Der Schwarzmarkthandel erstreckte sich bis in den Libanon. Die Präparate werden bei Kleinwüchsigkeit eingesetzt, gefährden aber ohne ärztliche Aufsicht Gesundheit und Leben gesunder Menschen. In Sportstudios sind sie gefragt wegen der Muskel aufbauenden Wirkung.