Anklage im Fall der Moschee-Brandstiftung in Bergkamen

DerWesten
Auf der Baustelle zum Moscheeumbau bot sich im Juli ein Blick der Verwüstung.
Auf der Baustelle zum Moscheeumbau bot sich im Juli ein Blick der Verwüstung.
Foto: WR

Bergkamen. Vier Monate nach der Brandstiftung auf der Baustelle der Milli-Görüs-Moschee wurde jetzt Anklage erhoben. Die Staatsanwaltschaft Dortmund hat gegen zwei 23 Jahre alte Männer aus Bergkamen Anklage wegen schwerer Brandstiftung, Brandstiftung und Sachbeschädigung erhoben.

Die Anklage geht davon aus, dass die beiden Angeschuldigten in der Nacht vom 22. Juli auf den 23. Juli auf einem „Zug durch die Gemeinde“ an mindestens acht Stellen in Bergkamen mit einem Feuerzeug an Bände gelegt haben. Dabei wurden insgesamt Mülltonnen, Abfallcontainer , Papiercontainer und -tonnen sowie eine Hecke zerstört oder beschädigt.

Den größten Sachschaden verursachten die Angeschuldigten nach Einschätzung der Staatsanwaltschaft in den Räumlichkeiten der im Umbau befindlichen Moschee an der Ernst-Schering-Straße.

Durch einen Brandsachverständigen konnte rekonstruiert werden, dass dort im ersten Obergeschoss - vermutlich mittels eines leicht brennbaren Klebers - Styropor entzündet wurde. Das Feuer erlosch zwar selbstständig, verursachte jedoch Risse an den Fenstern sowie eine Brandrauchverschmutzung im gesamten Obergeschoss und unter der gerade fertig gestellten Dachkuppel. Der Sachschaden wird auf 50.000 Euro geschätzt.

Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass die Tat zum Teil auf den erheblichen Alkoholkonsum der Angeschuldigten, zum Teil aber auch auf eine ausländerfeindliche Motivation zurückzuführen ist.

Kellerbrand als Abschluss

Den Schlusspunkt setzte nach der Rekonstruktion der Ereignisse in der Anklage ein mutwillig gelegter Kellerbrand in der Hubert-Biernat-Straße, wo zahlreiche Nationen unter einem Dach leben. Es kam zu einem Teilbrand von Deckenisolierplatten und hölzernen Trennwänden. 23 Personen wurden durch die Feuerwehr aus dem Haus evakuiert.

Im selben Haus wurde ein Wochenende später noch einmal ein Brand gelegt. Dieser wird einem der beiden Angeklagten zur Last gelegt, der zu diesem Zeitpunkt in diesem Haus selbst lebte und angeblich wegen seiner rechten Ansichten mit einem Nachbarn Stress gehabt haben soll.

Beteiligt als Mitläufer

Beide Angeschuldigten haben ihre Beteiligung an der Brandstiftungsserie eingeräumt, bezeichnen sich jedoch gegenseitig als Mitläufer und den jeweils anderen als den Hauptschuldigen. Die Hauptverhandlung vor der Strafkammer des Landgerichts Dortmund wird zu klären haben, ob und in welchem Umfang den Angeschuldigten die Taten und Tatbeteiligungen nachzuweisen sind.

Prozessbeginn ist innerhalb der kommenden sechs Monate. Oberstaatsanwältin Dr. Ina Holznagel geht davon aus, dass Prozessauftakt Anfang des Jahres 2012 sein wird. „Auf keinen Fall mehr in diesem Jahr.“