Amt fordert penible Prüfung von Fracking

Heinz Krischer
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Im Westen. Das Umweltbundesamt (UBA) spricht sich für eine umfassende Umweltverträglichkeitsprüfung jeder einzelnen Bohrung zur Erdgasgewinnung aus. In einer gestern veröffentlichten Stellungnahme rät die Behörde, das umstrittene Fracking-Verfahren in sensiblen Gebieten grundsätzlich nicht anzuwenden.

Die Folgen der neuen Technik seien noch nicht abschließend erforscht, schreibt das Umweltbundesamt in einer Stellungnahme zur Erdgasgewinnung mit Frackingtechnik und präzisiert mögliche Gefahrenpunkte. Neben dem großen Flächenverbrauch gebe es auch während der Bohrphase und im Betrieb potenzielle Umweltbeeinträchtigungen. „Potentielle Gefahren bestehen insbesondere für Grund- und Trinkwasser.“

Um das im Schiefergestein gespeicherte Erdgas zu fördern, muss das Gestein unterirdisch aufgesprengt werden. Nötig ist dazu sehr viel Wasser und in der Regel auch ein Chemikaliengemisch. Nach Einschätzung des Umweltbundesamtes gibt es zahlreiche „Pfade“ auf denen das chemisch verunreinigte Fracking-Wasser in die Umgebung gelangen könnte. Wissenschaftlich fundierte Erkenntnisse lägen dafür aber noch nicht vor.

Der Bau und der Betrieb der Anlagen könnten zudem sehr viel Lärm absondern. Die gegenwärtige Gesetzeslage erschwere es den Behörden, „eine sachgerechte Beurteilung der Explorationsanträge vorzunehmen“, urteilt das Umweltbundesamt.

Keine Bohrungen in
Trinkwassergebieten

Zum Schutz von Mensch und Umwelt fordert das UBA, dass es kein Fracking in sensiblen Bereichen (zum Beispiel Trinkwassergewinnungsgebieten, Heilquellen, Mineralwasservorkommen) geben darf. Umweltverträglichkeitsprüfungen müssten für jede Bohrung obligatorisch sein, und dabei sollten auch Wasserbehörden an der Genehmigung beteiligt werden. Eine Anpassung des Bergrechts zur Einführung der Umweltverträglichkeitsprüfung ist nach Meinung des Amtes „dringend erforderlich.“

Zuvor hatte Bundesumweltminister Röttgen angekündigt, die umstrittene Fracking-Methode durch eine ausführliche Studie untersuchen zu lassen. „Wir begrüßen den plötzlichen Sinneswandel von Bundesumweltminister Röttgen“, kommentierte der Grünen-Bundestagsabgeordnete Oliver Krischer. In den eineinhalb Jahren, seitdem Fracking in Deutschland infolge der Gassuche etlicher Energiekonzerne auf der Agenda steht, habe Röttgen das Thema konsequent ignoriert und den Bund für nicht zuständig erklärt, kritisierte der Grünen-Politiker. Aus Sicht der Grünen stehe einem parteiübergreifenden Konsens im Bundestag analog zum Landtag NRW in der Frage Fracking und Unkonventionelles Erdgas nun nichts mehr im Wege.