Alternativer Olympia-Fackellauf erreicht München

DerWesten

München. In München haben am Samstag laut Polizei knapp tausend Menschen friedlich für ein Ende der Gewalt in der chinesischen Provinz Tibet und für ein eigenes tibetisches Olympia-Team demonstriert.

Nach der Kundgebung auf dem Marienplatz, an der unter anderen auch Grünen-Parteichefin Claudia Roth, Schauspieler Ralf Bauer und Olympiasieger Dieter Baumann als Redner teilnahmen, startete der deutsch-tibetische Marathon-Läufer Namri Dagyab zu einem symbolischen Fackellauf ins Münchner Olympiastadion.

Roth sagte, die Ankunft des Feuers bedeute für München einen «Tag der Menschenrechte». Kritik übte die Grünen-Chefin an der Zurückhaltung der Wirtschaft: «Sport und Wirtschaft haben auch Verantwortung in der Tibet-Frage», sagte die ehemalige Menschenrechtsbeauftrage der Bundesregierung am Rande der Veranstaltung der Nachrichtenagentur AFP. «VW etwa sponsort einen Teil des olympischen Fackellaufs, das muss nicht sein», sagte Roth. Ihrer Ansicht nach müsse die Bundesregierung das Tibet-Problem «viel lauter» thematisieren.

Die Vorsitzende des Vereins der Tibeter in Deutschland, Lhanzom Everding, forderte die die Bundesregierung zu einer aktiveren Menschenrechtspolitik auf. Auch die deutsche Wirtschaft solle den Außenhandel von der Einhaltung der Menschenrechte abhängig machen, sagte Everding.

Die «Freedom-Torch-Kampagne» lehnt sich an den olympischen Fackellauf an und soll der Forderung der Tibeter nach Freiheit und Gerechtigkeit Nachdruck verleihen. Bis zum 7. August, einen Tag vor dem Beginn der Olympischen Spiele in Peking, wird die tibetische Fackel in über 50 Städten der Welt zu sehen sein. Nächste Station nach München, der einzigen deutschen Teilnehmerin an der Kampagne, ist Edinburgh in Schottland am 2. April. Die echte olympische Fackel soll München am 29. Juni erreichen. Das Internationale Olympische Komitee hatte im Dezember die Zulassung eines eigenen tibetischen Olympia-Teams abgelehnt. (AFP)