„Als hätten die Leute die Kliniken gemieden“

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Märkischer Kreis.. Die Märkischen Kliniken verzeichnen für das vergangene Jahr einen Verlust von 1,63 Millionen Euro. Nachdem 2009 noch ein Plus von 718 000 Euro zu Buche schlug, ist Geschäftsführer Robert Schüwer als andere als zufrieden. „Wir hatten uns ein deutliches Plus versprochen, konnten die geplanten Steigerungen aber nicht realisieren“, kommentierte er den gestern vorgelegten Geschäftsbericht 2010 gegenüber der WR.

Den wesentlichen Grund für die Einbußen sieht der Geschäftsführer im Januar 2010. „Als hätten die Leute im Januar und Februar die Krankenhäuser und Arztpraxen gemieden“, beschreibt Schüwer einen Einbruch, der nach seinen Informationen viele Kliniken in Westfalen gleichzeitig traf. Allein im Januar wurden im Klinikum Lüdenscheid 581 Patienten weniger behandelt als kalkuliert.

Aufgrund der hohen Erwartungen hatten die Kliniken bereits zuvor zusätzliches Personal eingestellt. Nachdem im Januar das Patientenaufkommen um 9,6 Prozent einbrach, sei zwar wieder Personal reduziert worden, so Schüwer. Das machte sich aber in der Bilanz noch nicht bemerkbar.

Als weiteren Aspekt, der die Bilanz trübt, nannte Robert Schüwer die Freelancer. Ärzte, die ohne Anstellungsvertrag als Freiberufler in den Kliniken anheuern, kosteten die Kliniken im vergangenen Jahr zusätzlich 1,9 Millionen Euro – „noch mehr als geplant“, so Schüwer.

Der Aufsichtsratsvorsitzende, Detlef Seidel (CDU), relativierte im WR-Gespräch das negative Ergebnis: „Wir haben früher viele Bereiche ausgegliedert, so dass diese Zahlen den reinen Klinikbetrieb widerspiegeln.“ Der Konzern, die Märkische Gesundheitsholding, verzeichne ein Minus von „nur“ 64 000 Euro.

Bedrohliche Gefahren sieht Geschäftsführer Schüwer für die Zukunft dennoch nicht: „Wir gehen nicht davon aus, dass es weiter ins Minus geht. Die Hoffnung ruht vor allem auf der im Bau befindlichen Komfortstation in Hellersen. Die Privatstation mit Hotelkomfort soll Mitte 2012 in Betrieb gehen – und Gewinne abwerfen. Am Stellenplan werde sich nichts ändern, so Schüwer, d.h. ein Teil der Pflegekräfte wird weiter abgebaut, Servicekräfte kommen hinzu. Es sei nicht einzusehen, warum examinierte Krankenschwestern den Patienten das Essen servieren, so Schüwer.

Vom Rückgang der Patientenzahlen im Januar 2010 waren vor allem das Klinikum Lüdenscheid und die Stadtklinik Werdohl betroffen. Das Marienhospital Letmathe verzeichnete im vergangenen Jahr insgesamt ein Plus. In dem vergleichsweise kleinen Haus wurden 208 Patienten mehr behandelt, als 2009. Schüwer sieht den Grund dafür in der Wiederbesetzung der Chefarztposition.

Der Patientenrückgang in Werdohl um 525 sei wie in Lüdenscheid auf ein allgemeines Phänomen Anfang 2010 zurückzuführen. „Ein kleiner Teil der Fälle wurde im Vorjahr noch durch die Gynäkologie/Geburtshilfe erbracht (1. Quartal 2009)“, heißt es dazu im Geschäftsbericht.

Angeblichen Vorschlägen, nach denen der Märkische Kreis Anteile an den Kliniken verkaufen solle, erteilte Aufsichtsratsvorsitzender Detlef Seidel eine klare Absage: „Das hätte ja immense steuerliche Folgen für das nach wie vor gemeinnützige Unternehmen.“

 
 

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