Als der Born der Wahrheit sprudelte

Foto: Henryk Brock

Unna.  Das Leben der Unnaer Freimaurerloge währte nur kurz. Erst 1914 fand die Gründungsversammlung statt, 1934 lösten die Nationalsozialisten die Vereinigung auf. Seitdem sind die Unnaer wieder Logenmitglieder in den Nachbarstädten, treffen sich im Ort lediglich in „freimaurerischen Kränzchen“ und in einem Club, der eine Neugründung anstrebt und sich dann nach Kurt Tucholsky benennen möchte.

An die kurze Geschichte der Loge in Unna erinnert Wirtschaftsförderer und Historiker Horst Delkus heute Abend in seinem Lichtbildervortrag. Delkus begann 1982, damals noch in der Geschichtswerkstatt in Dortmund-Hörde, sich mit Freimaurerei zu beschäftigen, mit der Dortmunder Loge „Zur alten Linde“ von 1855 zunächst und mit all der Prominenz, die dem fortschrittlichen Bund ganz selbstverständlich angehörte – vom preußischen Reformbeamten Freiherr vom Stein bis zum Dortmunder Industriellen Friedrich Klönne, dessen Stahlbaufirma unter anderem das „Lanstroper Ei“ errichtete und der in Unna seinen feudalen Wohnsitz hatte.

Die Freimaurerei ließ Delkus nicht wieder los, trieb ihn zu Forschungen im Stadtarchiv ebenso wie – beispielsweise – im Berliner Staatsarchiv Preußischer Kulturbesitz.

Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit, Toleranz und Humanität haben sich die Freimaurer auf die Fahnen geschrieben, wie auch die Absicht, diese Tugenden im Alltag zu leben. Aber kann man ihnen das glauben? Oder waren sie doch ein Geheimbund und sind es möglicherweise immer noch? Verschweigt man konspirativ die Mitgliedschaft? „Nein“, lacht Delkus, „im Internet finden Sie die Namen eh.“ Alles ist lückenlos nachzulesen, was nach 1717 war, als es durch den Zusammenschluss dreier Logen in England zu einer Art „Urknall der Freimaurerei“ kam. Was vorher war, wabert in einer freimaurerischen Sagen- und Legendenwolke, die kaum belastbare historische Fakten enthält. Doch zurück nach Unna.

Delkus erinnert an das Gründungsjahr 1914, als hier der „Born der Wahrheit“ entstand. Die Gründung war auch ein gesellschaftliches Ereignis. „Bedeutende Institutionen gab es damals ja noch nicht“, erläutert er, „keine Rotarier, keinen Lion’s Club. In Unna gerade einmal die Casinogesellschaft“.

Um die 50 Mitglieder hatte die Loge in den 20er Jahren, zu ihrer besten Zeit. Doch zum Zeitpunkt ihrer Auflösung war die Zahl deutlich niedriger. Bei der Namenswahl übrigens stand, man ahnt es, der Ortsname Königsborn Pate.

Das alles und noch viel mehr will Horst Delkus seinem Publikum im Nicolai-Haus heute Abend erzählen. Da er pro Jahr nicht mehr als ungefähr einen Vortrag über die Unnaer Freimaurerei hält, ist dies eine eigentlich recht exklusive Veranstaltung – wie auch die Loge eine exklusive Veranstaltung war.