Agnes-Miegel-Straße soll Namen verlieren

Anwohner hatten Unterschriften für die Beibehaltung des Namens gesammelt.
Anwohner hatten Unterschriften für die Beibehaltung des Namens gesammelt.
Foto: Ralph Bodemer / WR

Schwerte.. Die Agnes-Miegel-Straße wird einen anderen Namen bekommen. Der Ausschuss für Demographie, Stadtentwicklung und Umwelt hat sich gestern mit großer Mehrheit für eine Namensänderung ausgesprochen. Das Gremium folgte einem Antrag von SPD und Linke, die aufgrund von wissenschaftlichen Erkenntnissen über die Nähe der aus Ostpreußen stammenden Schriftstellerin (gestorben 1964) zum NS-Regime eine Namenskorrektur gefordert hatten.

In der gestrigen Sitzung schlugen sich die Christdemokraten auf die Seite von SPD und Linke. CDU-Ratsherr Thomas Keuthen sprach über das Werk Miegels, in dem sie Nähe zur Nazi-Diktatur habe offensichtlich werden lassen. Zudem habe sie Auftragsarbeit für den NS-Staat geleistet und von der Notwendigkeit des Krieges gesprochen. Eine Mitschuld könne bei Miegel nicht ausgeschlossen werden, erklärte der Christdemokrat. Offensichtlich war der Position der CDU ein zähes Ringen innerhalb der eigenen Reihen vorausgegangen, erschienen die CDU-Vertreter doch deutlich verspätet zur Sitzung.

SPD-Ratsherr Stephan Kötter betonte, dass der Imageschaden, den die Stadt im Falle einer Beibehaltung des Namens erleiden würde, größer sei als die Nachteile, die den Anwohnern nun widerfahren könnten. Anlieger Rainer Graumann hatte zuvor eine Liste mit den Unterschriften der Nachbarn aus der Agnes-Miegel-Straße überreicht, die eine Änderung ablehnen. Bis auf einen Anwohner hatten alle unterzeichnet. Die leidige Diskussion habe bislang nur zwei Effekte gehabt: Bewohner seien in Angst und Schrecken versetzt worden. Und rechte wie linke Gruppierungen hätten Schmierereien in der Siedlung hinterlassen.

Während Graumann dazu aufrief, sich genau anzuschauen, ob Agnes Miegel wirklich eine Nazi-Verehrerin gewesen sei, schließlich kämen auch Wissenschaftler zu anderen Ergebnissen, ging Hartmut Wagner, sachkundiger Bürger der Fraktion „Die Linke“ auf aktuelle Erkenntnisse über Agnes Miegel ein. Sie sei vom Regime hofiert worden, habe Lesereisen unternehmen dürfen. Als sie 1940 der NSDAP beigetreten sei, habe dahinter kein Zwang gestanden. Sie habe Ehrungen erhalten, eine regimekritische Haltung könne man bei ihr nicht erkennen.

Wagner unterbreitete den Vorschlag, die Straße nach Anne Frank zu benennen. Das wurde am Ende zu Protokoll genommen, aber noch nicht entschieden. Stadtplaner Adrian Mork erklärte, dass die Verwaltung nun ihrerseits nach einem Vorschlag suchen werde, da es entsprechende Listen gäbe, an denen sich die Verwaltung zu orientieren habe.

Der Vorstoß von Hans-Jürgen Allendörfer, die Anwohner bei der Namensfindung einbeziehen, fand keine Unterstützung.

Rainer Graumann kündigte an, Rechtsmittel einlegen zu wollen. Aufgrund eines Urteil des Oberwaltungsgericht aus dem Jahr 2007 sieht er gute Chancen.

 
 

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