Ärzte fühlen sich durch Asse-Krebsfälle bestätigt

DerWesten

Berlin. Atomkritische Ärzte sehen in den Asse-Krebsfällen einen weiteren Beweis für ihre Befürchtungen. Bereits 2007 war bekannt geworden, dass Kleinkinder im Umkreis von Atommeilern häufiger an Leukämie erkranken.

Angesichts eines überdurchschnittlich häufigen Auftretens von Leukämie-Fällen im Umkreis des maroden Atommülllagers Asse sieht die Ärzteorganisation IPPNW ihre Warnungen vor den Gefahren atomarer Anlagen bestätigt. Die Ergebnisse der jetzt bekanntgewordenen niedersächsischen Krebsregisterstudie seien „ein weiterer Beleg für den ursächlichen Zusammenhang von ionisierender Strahlung und einem erhöhten Krebs- und Leukämierisiko“, teilte die atomkritische Mediziner-Organisation am Freitag in Berlin mit.

Die Auswertung des sogenannten Epidemiologischen Krebsregisters des Landes hatten nach Angaben des Gesundheitsministeriums in Hannover klare Hinweise auf ein gehäuftes Auftreten von Leukämie-Erkrankungen insbesondere bei Männern im Umkreis des Atommülllagers bei Wolfenbüttel ergeben. Was dafür verantwortlich ist, wissen die Behörden bisher nicht. Das sollen nun Untersuchungen klären.

IPPNW erinnerte an die Ergebnisse einer 2007 vorgestellten Studie, die für Kleinkinder im Umkreis von deutschen Atomkraftwerken ein erhöhtes Krebs- und Leukämierisiko zeigte. Die Bundesregierung müsse endlich die Berechnungsbasis für die Strahlenschutzverordnung anpassen. Jedes Atomkraftwerk gebe ständig Strahlung in Form von radioaktiven Stoffen (Isotopen) ab, erklärte IPPNW.

Mehr Leukämie-Fälle am Atomkraftwerk

Nach Angaben des Bundesamts für Strahlenschutz (BfS), das die Studie von 2007 in Auftrag gab, ist jedoch zweifelhaft, dass die festgestellte Zunahme des Krebsrisikos bei Kindern mit dem Betrieb von Atomkraftwerken zusammenhängt. Das Ergebnis können „nach derzeitigem wissenschaftlichen Kenntnissstand“ nicht nur auf den Reaktorbetrieb zurückgeführt werden, hatte das BfS dazu erklärt.

Zum gleichen Schluss kamen offizielle Gutachter auch im viel diskutierten Fall des Atomkraftwerks Krümmel in Schleswig-Holstein, in dessen Umfeld in den vergangenen Jahrzehnten gehäuft Leukämie-Fälle bei Kindern auftraten. Der Normalbetrieb eines Atomkraftwerks komme als Ursache nicht in Frage, hatten von den Ländern Schleswig-Holstein und Niedersachsen beauftragten Experten betont. Eine abschließende Erklärung für das erhöhte Risiko gibt es bis heute nicht.

Im nun bekanntgewordenen Fall der Asse ist die Erkrankungshäufigkeit für Leukämie bei Männern im Umfeld des Lagers gemäß der niedersächsischen Statistik doppelt so hoch wie üblich, bei Frauen gibt es dort allerdings nur eine „nicht signifikante Erhöhung“, sagte der Sprecher des Sozialministeriums in Hannover. Dagegen sei die Erkrankungsrate für Schilddrüsenkrebs bei Frauen verdreifacht.

In dem maroden ehemaligen Salzbergwerk Asse sind zwischen 1967 und 1978 rund 126.000 Fässer mit schwach- und mittelaktivem Atommüll eingelagert worden. Der Betreiber, das BfS, plant wegen Wassereinbrüchen und Einsturzgefahr, das Lager zu räumen. (afp)