Absatz von Getränkedosen rasant gestiegen

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Berlin. Die Dose kehrt zurück. Der Absatz von Getränkedosen ist im ersten Halbjahr 2010 nach Informationen der NRZ in Deutschland um 34 Prozent auf 436 Millionen Stück gestiegen. Dafür gibt es laut dem europäischen Dachverband mehrere Gründe.

Jahrelang war sie aus den Regalen von Supermärkten und Discountern praktisch verschwunden. Das Dosenpfand der früheren rot-grünen Bundesregierung hatte der Getränkedose in Deutschland 2003 fast den Garaus gemacht. Doch heute feiert sie ein rauschendes Comeback: Seit 2006 verzeichnet das „Forum Getränkedose“ zweistellige Wachstumsraten. Die Branche will in diesem Jahr wieder die Marke von einer Milliarde verkaufter Getränkedosen knacken.

Im ersten Halbjahr 2010 schnellte der Absatz um 34 Prozent auf 436 Millionen Stück in die Höhe, so der europäische Dachverband der Getränkedosenhersteller (BCME). Gründe seien das heiße Wetter, die Fußball-WM und Discounter, die wieder verstärkt Bier und Erfrischungsgetränke in Dosen verkauften. „Im Juni hat sich der Absatz im Vergleich zum Vorjahr mehr als verdoppelt“, sagte Sylvia Blömker von Ball Packaging Europe, einem der größten Dosenhersteller Europas, der NRZ. 2002 – vor dem Dosenpfand – wurden noch rund 7,5 Milliarden Dosen verkauft.„Der Verbraucher greift wieder mehr zur Dose“, sagte Blömker.

Streit um die Ökobilanz

So bietet der zur Rewe-Gruppe gehörende Discounter Penny seit Anfang Juni mehr als zehn Getränke in Dosen an. Cola, Fanta, Sprite, Red Bull, Bitburger und König Pilsener etwa stehen seither wieder in den Regalen der rot-gelben Billigheimer. „Die Wiedereinführung der Dose ist er­folgreich gestartet“, sagt ein Re­we-Sprecher. „Die Entwicklung hat die Erwartungen übertroffen.“ Edeka bietet unter der Handelsmarke „Perlquell“ ebenfalls wieder Softdrinks in Dosen an.

Und nicht zuletzt hat der Weltkonzern Coca Cola hierzulande eine große Offensive gestartet: Seit März ist die 0,25-Liter-Dose auf dem Markt, sie wird in Dorsten befüllt, stündlich laufen rund 90 000 Büchsen vom Band.

Umweltschützer sind überhaupt nicht begeistert. „Verbraucher sollten einen großen Bogen um die Büchse ma­chen“, rät das Umweltbundesamt. Im Vergleich zu Mehrwegflaschen, Getränkebeuteln und Tetrapacks schneide die Dose ökologisch nach wie vor schlecht ab, monieren Umweltschützer.

Das sehen Getränkeindus­trie, Dosenhersteller und Einzelhandel ganz anders. Für die Dose spricht aus ihrer Sicht vieles. Sie lässt sich besser stapeln, ist nicht zerbrechlich, nimmt weniger Platz bei Transport und Lagerung ein und lässt sich auch noch schneller herunterkühlen als Flaschen. Aus ökologischer Sicht ebenfalls positiv: Die hohe Recyclingquote von heute 96 Prozent.

Kritik kommt von den Umweltverbänden

In der Branche verweist man gerne auf eine Studie des Instituts für Energie- und Umweltforschung (IFEU) aus Heidelberg. Die Forscher des projektfinanzierten Instituts haben herausgefunden, dass sich die Ökobilanz der Dose in den letzten 15 Jahren deutlich verbessert haben soll. Sie ha­ben Transportwege und Re­cyclingquoten, Rückläufe von Mehrwegflaschen und das ge­ringere Gewicht von neuen Dosen untersucht, Fazit: Die Dose könne je nach „Konsumsituation“ durchaus eine „um­weltfreundliche Alternative“ sein.

Umweltverbände wollen das nicht glauben. Denn die Studie wurde vom europäischen Getränkedosenverband BCME bestellt und bezahlt. Umweltverbände werfen den Verfassern vor, mit unrealistischen Annahmen zu operieren. So wurde angenommen, eine Mehrwegflasche werde zehn bis 15 Mal wiederbefüllt, der NABU indes spricht von „bis zu 50 Mal“. Das wiederum hält die Industrie für völlig übertrieben. „Das ist keine Gefälligkeitsstudie“, sagt Sylvia Blömker von Packaging Bell Europe. Kurzum: Mit der Dose kehrt auch der Glaubenskrieg um eine der umstrittensten Verpackungen zurück.

 
 

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