670 000 Euro für Bergschäden

Messungen mit dem analogen Nivelliergerät.
Messungen mit dem analogen Nivelliergerät.
Foto: Linz/PiLi

Bergkamen.  Der Bergbau in und unter Bergkamen ist Geschichte. Lange schon sind die Zechen stillgelegt. Doch die Bergschäden sind in vielen Häusern noch allgegenwärtig: Schieflagen. Nicht mehr schließende Türen. Risse in den Wänden. Knicke in den Leitungen.

Vor allem in Bergkamen, wo der Untergrund durchlöchert ist wie ein Schweizer Käse, sind Bergschäden immer noch ein Dauerthema.

Das Bochumer Vermessungsbüro Altegoer GmbH, spezialisiert auf Bergschäden, hat im Jahr 2012 für Eigenheimbesitzer in Bergkamen Entschädigungen in Gesamthöhe von 670.000 Euro bei der Ruhrkohle erkämpft. „Und wir vertreten ausschließlich Privatpersonen. Die Mehrfamilienhäuser sind in dieser Summe noch gar nicht enthalten“, sagt Magnus von Bormann, Leiter der Bergschadensabteilung des Bochumer Ingenieur- und Vermessungsbüros Altegoer.

Rund tausend Hausbesitzer haben sich bislang vom Büro Altegoer beraten lassen. Übrigens kostenlos. „ Wir verdienen unser Geld durch die Gutachten, die wir der RAG in Rechnung stellen“, sagt von Bormann. Und jede Bewilligung, jede Auszahlung durch die RAG macht ihn auch persönlich ein bisschen stolz. „Sehen Sie“, sagt er und zieht eine Kopie aus der Aktentasche. „Dieser Hausbesitzer am Schlesierweg hat 65.000 Euro von der RAG erhalten.“

Fünfstellige Entschädigungen

Ein anderer Hausbesitzer in Oberaden bekam über 11.000 Euro Entschädigung. In der Heinrichstraße wurden vor kurzem 25.000 Euro ausgezahlt. Jede Menge Beispiele hat von Bormann zu bieten - verstreut über das ganze Stadtgebiet.

Nicht immer sind die genannten Summen Einmalzahlungen, mit denen alle Schäden, inklusive Schieflage, angegolten wurden. „Oft gab es schon Regulierungen im Vorfeld. Dann müssen wir nachweisen, dass der Riss in der Wand wirklich neu ist“, erläutert von Bormann.

Viele Kunden vermittelt ihm der Verband für Wohneigentum Kreis Unna, in dem allein 8000 Hausbesitzer Mitglied sind. Und deren Vorsitzender Alfons Otto wird nicht müde, seine Mitgliedern die kostenlose Beratung durch Altegoer zu empfehlen. Nicht ohne Grund: „Die Fristen laufen aus“, warnt Alfons Otto. Wer noch eine Entschädigung für Risse, Knicke und andere Schäden an seinem Haus haben will, sollte sich beeilen, sagt Otto. „Die 30 Jahre laufen weg. Vor allem in Oberaden, im Bereich nach Lünen, westlich vom Haus Heil, da muss man sich sputen.“

Gerade in Oberaden drängt die Zeit

„Viele Eigenheimbesitzer trauen sich nicht, Schäden anzumelden“, sagt Magnus von Bormann. Manchen Familien seien Schäden an ihrem Haus schlichtweg peinlich.

Doch Schäden, die durch den Bergbau verursacht worden seien, müssten niemand peinlich sein, versichert Otto, der manchmal sprachlos ist. „Ich kenne eine Familie, deren Haus 16 Zentimeter Schieflage aufweist. Die wollen nicht dagegen angehen.“

Drei-Jahres-Frist

Doch nicht nur die so oft aufgeführte 30-Jahres-Frist ist zu beachten. „Immer mehr bezieht sich die RAG auf die dreijährige Frist der Kenntnis eines Schadens“, sagt von Bormann. Und er gibt noch einen weiteren Punkt zu bedenken: „Die Kohlesubventionen laufen 2018 aus. Dann könnte es sehr schwierig werden, noch eine finanzielle Erstattung zu bekommen“, sagt von Bormann.

INFO

Das Bochumer Vermessungsbüro Altegoer GmbH gibt es seit 1977. Es arbeitete zuerst für die Ruhrkohle. Heute jedoch sind private Hausbesitzer die Kunden.


Nach Auftragserteilung prüfen Techniker, ob das betroffene Haus im bergbaulichen Einflussgebiet liegt. In Bergkamen soll fast jedes zweite Haus betroffen sein, so das Büro Altegoer.


Das Büro führt auch die Verhandlungen mit der Ruhrkohle, die die Kosten übernimmt. Mit im Boot: Ein Hammer Architekturbüro und eine Anwaltskanzlei aus Dortmund.


Kontakt: (0234) 95 39 20 oder www.altegoergmbh.de

 
 

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