Zu wenig Blutspender

Essen. Das DRK warnt vor Engpässen bei der Blutspende. Ursache: die Gesellschaft altert. Erreichen die Spender das 68. Lebensjahr, scheiden sie als Spender aus. Das ist fatal, denn es werden immer mehr Blutkonserven gebraucht.

Deutschlands Bevölkerung wird immer älter. Damit ist auch die Blutversorgung gefährdet. Seit einigen Jahren verzeichnet das DRK einen Einbruch an Blutkonserven. „Das Problem ist, dass wir sehr viele ältere Dauerspender haben. Ab 68 Jahren dürfen sie aber nicht mehr spenden.“, sagt Dominik Stubert, Arzt beim Deutschen Roten Kreuz in Essen. „Es gibt einfach zu wenig Neue, die nachrücken.“ Für jeden Ausgeschiedenen müssen drei Neuspender gewonnen werden.

Eine der wenigen Neuspender ist die 22 jährige Studentin Mahtab. Vor einem Jahr kam sie zum ersten Mal. „Ich will anderen Menschen helfen.“, sagt Mahtab. „Mein Bruder ist Arzt und hat mir erzählt, dass es viel zu wenig Blutkonserven gibt. Deshalb spende ich.“

Die Lage ist dramatisch. Insgesamt spenden nur knapp drei Prozent der Deutschen Blut. Die Spenderzahl müsste sich verdoppeln, um die Blutversorgung zu sichern. Experten gehen davon aus, dass acht von zehn Deutschen einmal im Leben eine Blutkonserve brauchen.

Bevor es bei Mahtab losgeht muss sie erst einige Fragebögen ausfüllen: die persönliche Daten der Erstspender werden erfasst. Dazu ist der Ausweis, Reisepass oder Führerschein erforderlich. Da Mahtab schon öfter da war, zeigt sie nur ihren Spenderausweis und ihren Reisepass vor und füllt den medizinische Fragebogen aus. Er enthält Fragen zu Krankheiten und dem Gesundheitszustand. Nur wer gesund ist, darf spenden.

Der Bedarf an Blut ist heute höher als noch vor zehn Jahren. Ursache ist der medizinische Fortschritt. Es gibt mehr Operationen und Transplantationen. Durch den Ausbau des Rettungswesens steigen die Chancen einen schweren Unfall zu überleben. Aber wird mehr Blut benötigt.

Ein kleiner Pieks in den Finger

Beim Fingerpieks, dem sogenannte Hämoglobintest, fließt zum ersten Mal Blut. Umgangssprachlich nennt man ihn auch Eisentest. „Das stimmt nicht ganz“, sagt DRK-Arzt Stubert. „Hämoglobin ist der rote Blutfarbstoff, zu dessen Bildung braucht man Eisen. Deshalb nennen ihn viele Eisentest.“ Er gibt an, ob der Spender genug Blut für die Spende hat. Ist der Wert zu niedrig, kann Blutarmut mit Herzrasen und Atemnot die Folge sein.

Bevor es in den Spenderraum geht, wird Mahtab ärztlich untersucht. Blutdruck und Körpertemperatur werden gemessen. „Dabei kann man den Arzt beispielsweise auch zu allen Risiken der Spende befragen. Das war mir beim ersten Mal besonders wichtig“, sagt Mahtab.

Im Spenderraum kreuzt Mahtab das letzte Formular an und steckt es in die Sammelbox. Es handelt sich dabei um den sogenannten vertraulichen Selbstausschluss. Damit kann ein Spender die Verwendbarkeit seines Blutes ausschließen. Das klingt auf den ersten Blick absurd, ist aber wichtig. Denn es gibt Menschen, die durch Freunde oder Familie zur Spende gedrängt werden. Bei einer ansteckenden Krankheit, wie Aids, darf aber nicht gespendet werden. Mit dem Selbstausschluss muss der Betroffene seine Krankheit nicht öffentlich machen – verhindert aber, dass sein Blut übertragen wird.

Die Spende

Im Spenderraum sind sieben rote Liegen im Halbkreis aufgestellt, aus den Lautsprechern kommt leise Radiomusik. Mahtab legt sich auf eine rote Liege in der Mitte. Sie möchte mit dem rechten Arm spenden, da sie Linkshänderin ist. Die Krankenschwester überprüft noch einmal Mathabs Namen, bindet währenddessen ihren rechten Arm ab und desinfiziert ihn. Jetzt kommt der Pieks. Mathab schaut weg. „ Es ist nicht schlimm. Ich will es aber nicht sehen“, sagt sie und lächelt. Zuerst werden die Röhrchen für die Untersuchungen gefüllt. Dann geht es an die Befüllung des 500 ml Beutels. „Das sieht viel aus, ist aber gar nicht so schlimm“, sagt Mahtab. Nach sieben Minuten ist alles vorbei.

„Ich bin zwar danach immer etwas müde. Aber ich verkrafte es ganz gut. Schlecht ist mir noch nie geworden“, sagt die Studentin.

Zur Stärkung geht Mahtab jetzt in das Cafe. Die Auswahl ist groß: Brötchen, Joghurt, Kekse. Heute gibt es sogar Pizza. Eine kleine Belohnung für eine große Hilfe.

 
 

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