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Wie Stinkefüße im Kampf gegen Malaria helfen können

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Moskitos haben offenbar eine Vorliebe für Käsefüße. Das haben Forscher aus Tansania herausgefunden. Im Kampf gegen die Tropenkrankheit Malaria könnte künftig also der Duft getragener Socken eingesetzt werden – für Insektenfallen.

Nairobi. 

Was die einen anwidert, kann für andere unwiderstehlich sein: Weil Moskitos offenbar eine Vorliebe für menschliche Käsefüße haben, wollen Forscher aus Tansania künftig den Duft von getragenen Socken im Kampf gegen Malaria einsetzen. Dank einer in dieser Woche zugesagten Förderung durch zwei große amerikanische Stiftungen könnte das Projekt schon bald über die Testphase hinauswachsen.

Insektenfallen, die mit dem Geruch menschlichen Fußschweißes präpariert worden seien, hätten vier Mal so viele Moskitos angezogen wie eine freiwillige Versuchsperson, sagt Fredros Okumu, der das Forschungsvorhaben am tansanischen Ifakara Health Institute leitet. Einmal in der Falle angelangt, könnten die Stechmücken leicht durch bewährte Mittel erlegt werden.

Jährlich 220 Millionen neue Malaria-Fälle

Moskitonetze über Betten sowie Raumsprays haben die Zahl der tödlich verlaufenden Malariaerkrankungen in den vergangenen Jahren bereits deutlich reduziert. Insbesondere in Afrika ist Malaria aber noch immer ein großes Problem. Und bisher ist es Wissenschaftlern nicht gelungen, ein Mittel oder eine Methode zu entwickeln, die auch außerhalb des Hauses einen effektiven Schutz bietet. Ein solcher Schutz würde dringend gebraucht: Weltweit treten jedes Jahr etwa 220 Millionen neue Malariafälle auf. Nach Angaben der Vereinten Nationen endet die Erkrankung in 800.000 dieser Fälle tödlich. Bei der Mehrzahl der Opfer handle es sich um Kinder in Afrika. „Das globale Ziel einer gänzlichen Ausrottung der Malaria wird nicht ohne neue Technologien möglich sein“, sagt Okumu, der schon mehrfach an der Krankheit gelitten hat.

Wissen um Vorliebe der Moskitos blieb ungenutzt

Die Erkenntnis, dass Moskitos eine Vorliebe für die Ausdünstungen menschlicher Füße haben, geht Okumu zufolge auf den niederländischen Forscher Bart Knols zurück. Dieser habe sich vor etwa 15 Jahren einmal nackt in einen dunklen Raum gestellt, um zu prüfen, wo er am häufigsten gestochen werde. Das Ergebnis sei eindeutig gewesen. Dennoch sei es seitdem nicht gelungen, das neu gewonnene Wissen in praktischen Nutzen umzusetzen. Das soll sich nun ändern.

Seit nunmehr zwei Jahren tüftelt Okumu an der olfaktorischen Nachahmung von Stinkefüßen. Acht Chemie-Cocktails hat der afrikanische Forscher auf seiner Suche nach dem perfekten Geruch gemixt. Zugleich hat er mit unterschiedlichen Giften experimentiert, die seinen Angaben zufolge bis zu 95 Prozent der eingefangenen Moskitos zur Strecke bringen können.

Ermöglicht wurde die Forschung an dem tansanischen Institut vor allem durch eine Förderung über 100.000 Dollar (71.000 Euro) von der Bill & Melinda Gates Foundation sowie der Stiftung Grand Challenges Canada. Am Mittwoch sagten die Geldgeber eine weitere Zahlung in Höhe von 775.000 Dollar (551.000 Euro) zu. Das erklärte Ziel: Die Entwicklung einer im Freien anwendbaren Moskitofalle, die sich auch arme Menschen in Afrika ohne Weiteres leisten können.

Optimale Position der Fallen noch unklar

Um dieses Ziel zu erreichen, sei noch einiges an weiterer Forschung nötig, sagt Okumu. Unter anderem müsse geklärt werden, wo derartige Fallen am besten aufzustellen seien – zu nah an den Aufenthaltsorten der Betroffenen, würden sie diese bloß einem noch größeren Risiko aussetzen, weil möglicherweise noch mehr Insekten angelockt werden als ohnehin schon. Zu weit von den Aufenthaltsorten entfernt, würden die Fallen allerdings ebenfalls kaum ihren Nutzen entfalten können.

Die derzeit vorhandenen Modelle aus Okumus Produktion sind teure Prototypen. Der Forscher hofft aber, am Ende einen Typ präsentieren zu können, der bereits zu einem Preis von nicht mehr als etwa vier Dollar (2,85 Euro) verkauft werden kann.

Peter Singer, der Leiter von Grand Challanges Canada, ist von dem Projekt überzeugt. „Es ist eine afrikanische Erfindung für ein afrikanisches Problem und die gesamte Entwicklung dazu findet in Afrika statt.“ Die Idee sei kühn, räumt Singer ein. Aber zugleich sei sie innovativ und habe das Potenzial, eine maßgebliche Wirkung zu entfalten. „Wer hätte gedacht, dass sich eine lebensrettende Technologie in jedem Schmutzwäschekorb verbirgt?“ (dapd)