Wie man sich in Bus und Bahn vor Grippe und Erkältung schützt

Dagobert Ernst
Viele Menschen auf engem Raum: in der Erkältungzeit fängt man sich da rasch 'was ein.
Viele Menschen auf engem Raum: in der Erkältungzeit fängt man sich da rasch 'was ein.
Foto: Archiv/Ralf Rottmann, FUNKE Foto Services
Niesen, Husten: In Bus und Bahn ist die Ansteckungsgefahr hoch, gerade in der Erkältungzeit. Man kann sich schützen, vor allem in punkto Hände.

Essen. Zeitungleser leben gesünder, vor allem wenn sie Bus- oder Bahn-Pendler sind. Das ist kein Scherz: Eine Zeitung vor dem Gesicht kann Erreger auffangen, etwa wenn man angeniest wird. Jetzt in der Erkältungzeit ist man besonders in Bus und Bahn Viren und Bakterien ausgesetzt. Viele Menschen auf engem Raum: da fängt man sich leicht etwas ein. Auch auf die eigenen Hände sollte man achten.

"Es gibt eine relativ große Ansteckungsgefahr in öffentlichen Verkehrsmitteln", sagt Prof. Dr. Ulf Dittmer, Leiter des Instituts für Virologie am Uniklinikum Essen. In der Erkältungszeit gilt es vor allem, Mund und Nase zu schützen. Denn Grippe- oder Erkältungviren werden durch "Tröpfcheninfektion" übertragen.

Stichwort: Anniesen

"Bei der Tröpfcheninfektion gelangen Krankheitserreger, die im Rachenraum oder im Atmungstrakt siedeln, beim Niesen, Husten, Sprechen durch winzige Speichel-Tröpfchen an die Luft und werden anschließend über die Schleimhäute der oberen Luftwege aufgenommen", erklärt die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung. Manche Tröpfchen sinken in der Luft rasch ab und werden somit nur bis zu einer Distanz von gut einem Meter übertragen - in einem vollen Bus reicht das aber schon, um eine Handvoll andere Fahrgäste anzustecken. Virologe Prof. Ulf Dittmer empfielt deshalb: "Abstand zu anderen halten, wo es möglich ist", etwa indem man sich in Bus und Bahn eher am Fenster aufhält oder das Gesicht zum Fenster dreht - weg von der schniefenden Masse.

Stichwort: trockene Luft

Dass gerade der Winter das Immunsystem vor Herausforderungen stellt, hat auch mit der Luft zu tun: Kälte, Klimanlagen- und Heizungsluft trocknen auf Dauer die Schleimhäute aus. Das macht es Erregern leichter, in den Körper zu dringen. Tipp von Experten: "Die Nasenschleimhäute feucht halten"; im Handel gibt es Meerwasser, das man sich in die Nase sprühen kann. Sowas kann man sich aber auch selber mischen mit Salz und abgekochtem Wasser, abgefüllt in ein Pipettenglas. Dittmer empfiehlt: "Nasensalben helfen noch besser gegen Austrocknung von Schleimhäuten als Meerwasser und sind sogar leichter anzuwenden". Auch Spaziergänge an der frischen Luft halten die Schleimheute geschmeidig.

Was in Asien sehr verbreitet ist, nicht nur wegen dreckiger Luft: "In Bus und Bahn tragen dort viele Menschen Mundschutz", hat Dittmer beobachtet. Vogelgrippe und SARS-Virus haben die Menschen dort vorsichtig gemacht. Dittmer glaubt, "wenn wir bei uns auch ein derart schlimmes Virus hätten, wären Mundschutzmasken auch bei uns bei Menschen auf den Straßen zu sehen". Sinnvoll jedenfalls seien sie.

Stichwort: Haltegriffe

Manche Viren halten sich zwischen zehn und 20 Minuten, bis ihre Gefahr abnimmt. Noroviren, die heftigen Brech-Durchfall auslösen können, "können mehrere Tage auf Oberflächen überleben". Was heißt das fürs Festhalten in Bus oder Bahn? "Man sollte sich dort lieber an Metallstangen festhalten, wenn es sie gibt", rät Virologe Prof. Ulf Dittmer. Metalloberflächen seien besser als Plastik, weil sie Ionen abgeben, die Viren abtöten. Am besten freilich seien in diesem Punkt Messing-Oberflächen - vielleicht eine Anregung für Nahverkehrsunternehmen...

Stichworte: Sitze

Auf Plastikoberflächen können sich Erreger gut vermehren, doch auch Stoffsitze können Virenschleudern sein: Tröpfchen dürften dort zwar ziemlich rasch austrocknen und sind dann unproblematisch. Größere Mengen von Sekret, wie etwa Spucke, hingegen können ziemlich lange ansteckend bleiben, weil sie nicht so rasch trocknen.

Stichwort: Hände

Hand-Hygiene ist extrem wichtig, um Erkältung vorzubeugen, sagt Prof. Ulf Dittmer. "Man sollte sich mehrmals am Tag die Hände waschen". Ebenso wichtig ist es, sich bewusst zu machen, dass man sich mit den Händen immer wieder im Gesicht berührt oder kratzt - vor allem an Mund und Nasenöffnung; "wahrscheinlich mehrmals in der Minute", sagt Prof. Ulf Dittmer. Der Reiz ist kaum zu unterdrücken, es wäre aber hilfreich, wenn man ihn kontrollierte, meint er. Und was ist mit Hände schütteln? "Ich verzichte oft darauf", sagt Dittmer. Das allerdings stoße bei Anderen mitunter auf Unverständnis.

Stichwort: selber Niesen und Husten

"Hand vor dem Mund" haben Eltern Kindern früher gesagt. Heute sollte es heißen "Armbeuge vor den Mund", sagt Virologe Ulf Dittmer. Weil man von der Armbeuge aus Erreger nicht weiter verteilt, anders als mit den Händen.

Stichwort: Abhärten?

"Wenn man viele Infektionen durchgemacht hat, kann es sein, dass man etwas besser geschützt ist", sagt Prof. Ulf Dittmer. Es ist also möglich, dass man als regelmäßiger Nutzer von öffentlichen Verkehrsmitteln gegen so manche Erreger immun ist. "Die Viren, die Grippe oder einen grippalen Infekt auslösen sind aber sehr variabel", erklärt Dittmer: "Eine echte Immunität, wie zum Beispiel bei Masern, gibt es daher nicht. Es kommt letztendlich immer wieder ein etwas verändertes Virus, was dann doch eine Infektion auslösen kann." Der beste Schutz hier sei eine Grippeimpfung, sagt der Virologe: "Vor allem ältere Menschen und Menschen mit Vorerkrankungen der Atemwege sollten das tun."

Stichwort: Erkältungzeit

Winterzeit ist Erkältungszeit - das hat auch mit der Sonne zu tun. "Viren sind UV-empfindlich", sagt Prof. Ulf Dittmer. Kalte Luft führt dazu, dass die Temperatur der Schleimhäute in der Nase sinkt - auf um die 30 Grad. "Das ist die Temperatur, bei der sich Grippeviren am besten vermehren", sagt Dittmer, zumal die lokalen Abwehrkräfte der Schleimhäute bei Kälte sinken. Ab 36 Grad Temperatur hingegen prallen Viren eher ab. Zu Ende sei die Erkältungsaison dann meist im April. Gelegenheit für Bus- und Bahnnutzer also, das mit der Schutzfunktion von Zeitungen mal auszuprobieren...