WHO stuft Glyphosat als wahrscheinlich krebserregend ein

Glyphosat ist krebserregend – davon geht jetzt auch die Weltgesundheitsorganisation aus. Deutsche Behörden gehen allerdings nicht so weit.

Lyon. Das weit verbreitete Unkrautbekämpfungsmittel Glyphosat ist nach Einschätzung der Internationalen Krebsforschungsagentur (IARC) wahrscheinlich krebserregend. Zu diesem Schluss kommt die Behörde der Weltgesundheitsagentur (WHO) nach Auswertung zahlreicher Studien.

Greenpeace: Anwendungen mit Glyphosat sofort stoppen

Sie widersprach damit in einem nun veröffentlichten offiziellen Bericht der Einschätzung anderer Behörden wie des deutschen Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR). Umweltorganisationen forderten, in Deutschland sofort Konsequenzen aus dem Bericht zu ziehen.

"Alle Anwendungen, bei denen es sehr wahrscheinlich ist, dass Menschen mit Glyphosat in direkten Kontakt kommen, müssen umgehend ausgesetzt werden", erklärte Greenpeace-Agrarexpertin Christiane Huxdorff. Das BfR kündigte am Donnerstag an, den Bericht zu prüfen. Die EU-Kommission hatte die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (Efsa) nach Angaben eines Sprechers bereits aufgefordert, die Ergebnisse bei der laufenden Überprüfung der Zulassung für Glyphosat zu berücksichtigen.

Glyphosat ist einer der weltweit am meisten eingesetzten Wirkstoffe in Pflanzenschutzmitteln. Das BfR war in seiner jüngsten Bewertung zu dem Schluss gekommen, dass bei richtiger Anwendung kein Krebsrisiko für den Menschen zu erwarten ist. Das deutsche Institut hat die Federführung beim EU-Zulassungsverfahren für Glyphosat.

"Unverantwortlich, Glyphosat als unbedenklich einzustufen"

Deutsche Umweltschützer und Grünen-Politiker kritisierten die Haltung des Bundesinstituts. "Was das BfR vorgelegt hat, taugt nicht als Grundlage für ein Wiederzulassungsverfahren", kommentierte der agrarpolitische Sprecher der Grünen im EU-Parlament, Martin Häusling. Er forderte eine Neubewertung. "Es ist unverantwortlich, Glyphosat weiter als unbedenklich einzustufen", meinte auch der Pestizidexperte des BUND, Tomas Brückmann.

Das BfR wies darauf hin, dass auch ein WHO-Gremium zu einer anderen Einschätzung gelangt sei als die Krebsforschungsagentur und eine WHO-Task Force zurzeit nach den Gründen dafür suche. Inhaltlich werde es erst nach Prüfung des IARC-Berichts Stellung nehmen. (dpa)

 
 

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