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Wenn das Baby nicht aufhört zu schreien

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Foto: Ingrid Balabanova
In den ersten Lebenswochen kann der Nachwuchs rund zwei Stunden lang auch ohne ersichtlichen Grund schreien. Was gestresste Eltern wissen sollten und wann ein Arzt konsultiert werden muss, erklärt Dr. Hermann Kalhoff, leitender Oberarzt an der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin des Westfälischen Kinderzentrums in Dortmund.

Dortmund. 

Babys Kopf wird rot, seine Muskeln sind angespannt. Es reagiert auf keine zärtliche Ansprache. Stattdessen wird gebrüllt, was das Zeug hält. Was gestresste Eltern wissen sollten: In den ersten Lebenswochen kann der Nachwuchs rund zwei Stunden lang auch ohne ersichtlichen Grund schreien. Das strapaziert die Nerven der Eltern, ist aber kein Grund zur Sorge. Wann Ärzte von Schreibabys sprechen und was frischgebackene Mütter und Väter zu brüllenden Säuglingen wissen sollten, erklärt Dr. Hermann Kalhoff, leitender Oberarzt an der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin des Westfälischen Kinderzentrums in Dortmund.

Habe ich einen Schreihals?

Nicht jedes Baby, das schreit, ist ein Fall für den Arzt, betont Kalhoff. „Kinderärzte sprechen erst von einem Schreibaby, wenn das Kind täglich mehr als drei Stunden an mindestens drei Tagen in der Woche über mehr als drei Wochen aus unerklärlichen Gründen schreit und sich kaum beruhigen lässt.“ Dann sollten überforderte Eltern auf jeden Fall die Hilfe ihres Kinder- und Jugendarztes in Anspruch nehmen.

Warum das Baby brüllt

Es kann viele Gründe dafür geben, warum sich ein Baby unwohl fühlt und sich mit Schreien bemerkbar macht. Kalhoff: „Es kann Hunger oder Bauchweh haben, vielleicht ist ihm aber auch nur etwas zu warm oder zu kalt. Eventuell ist die Windel voll.“ Im Idealfall schlafe ein Kind aber schnell wieder ein, wenn es frisch gewickelt, gefüttert und zufrieden sei.

Im Übrigen müssten Babys ihren eigenen Schlaf-Wach-Rhythmus finden und dabei auch lernen, sich nach dem Füttern zu beruhigen und wieder einzuschlafen. Kalhoff: „Während das eine Baby möglicherweise nach dem Füttern noch etwas Zuwendung und Anregung benötigt, sind andere vielleicht gereizt und können nicht einschlafen, weil die Umgebung zu unruhig oder zu hell ist.“

Schreikinder meist gesund

„In den ersten drei Monaten schreit jeder achte bis zehnte Säugling übermäßig viel“, weiß der Dortmunder Arzt. Früher habe man geglaubt, dass zu viel Luft im Bauch, Bauchschmerzen und Blähungen das Baby zum Schreien veranlassten. „Man sprach von Dreimonatskoliken. Untersuchungen haben aber gezeigt, dass die meisten Schreibabys gesund sind.“ Nur ganz selten liege eine Unverträglichkeit der Säuglingsmilch oder ein Sodbrennen vor.

Zeigt das Stillen Wirkung?

Schreibabys gebe es unter gestillten Kindern genauso wie unter solchen, die von der Mutter die Flasche bekommen, so Kalhoff. „Oft beginnen die Schreiphasen aus scheinbarem Wohlbefinden, etwa nachmittags oder abends nach dem Füttern.“

Was Eltern tun können

Eltern eines Schreihalses sollten möglichst die Ruhe bewahren und den Tagesablauf für die Familie beibehalten, rät der Mediziner. „Sollte es nötig sein, weiß der Kinderarzt, wo es zur Unterstützung Anlaufstellen für Eltern mit Schreibabys gibt.“ Die gute Nachricht sei zudem, dass sich das Schreien des Kindes meist bis zum vierten oder fünften Lebensmonat verliere. „Auf keinen Fall darf das schreiende Baby geschüttelt werden. Denn dabei kann es zu schwerwiegenden Gesundheitsschäden kommen.“

[kein Linktext vorhanden]Wann das Baby zum Doktor muss

Jede Nahrungsumstellung oder gar eine Medikamenten-Gabe sollten nur in Absprache und unter Überwachung des betreuenden Kinderarztes erfolgen, betont Dr. Hermann Kalhoff. Ein Arztbesuch sei auch unbedingt nötig, wenn das Baby nicht mehr trinken mag, viel spuckt und nicht mehr an Gewicht zunimmt. „Auch bei Fieber, Durchfall oder einem harten Bauch sollte natürlich frühzeitig ärztliche Hilfe in der Kinderarztpraxis und im Notfall auch in einer Kinderklinik gesucht werden.“

Mehr Informationen unter: www.kinderaerzte-im-netz.de und www.kindergesundheit-info.de