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Was Sie jetzt über Antibiotika-resistente Krankheitserreger wissen müssen

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Enterococcus, Sem Foto: Getty Images
Sie heißen VRE und MRSA: Mit Antibiotika-resistenten Krankheitserreger infizierte Menschen sind in Duisburger und Düsseldorfer Kliniken gestorben. Ein Experte für Infektionskrankheiten erklärt, woher die Bakterien kommen, warum sie gefährlich sind und ob man sich schützen kann.

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Antibiotika-resistente Kranheitserreger in den Schlagzeilen: In der Düsseldorfer Uniklinik sind zwei Menschen gestorben, die an einer Infektion mit VRE litten(Vancomycin-resistente Enterokokken), in einer Duisburger Klinik waren Menschen mit MRSA infiziert (Methicillin-resistenter Staphylococcus aureus). Wir erklären, woher diese Erreger kommen – und wie gefährlich sie sind.

Was ist VRE?

VRE ist die Bezeichnung für Bakterien, die gegen ein bestimmtes Antibiotikum resistent sind. Die Bakterien heißen Enterokokken, und sie sind an sich nicht gefährlich: „Enterokokken hat jeder Mensch in großer Zahl im Darm“, erklärt Dr. Gerd Fätkenheuer von der Uni-Klinik Köln, „sie machen normalerweise nicht krank.“ Das V in VRE steht für das Antibiotikum Vancomycin, das R steht für resistent – Vancomycin-resistente Enterokokken.

Wofür sind Enterokokken gut?

Darmbakterien sind unerlässlich für die Verdauung. „Ohne Darmbakterien könnten wir nicht leben“, sagt Dr. Fätkenheuer.

Wann werden Enterokokken gefährlich?

Enterokokken können gefährlich werden, wenn sie aus dem Darm in andere Bereiche des Körpers gelangen. Eine nicht ungewöhnliche – aber in der Regel nicht gefährliche – Erkrankung ist eine Infektion der Harnröhre oder eine Blasenentzündung. Die kann entstehen, wenn Entereokokken in die Harnröhre aufsteigen. Das passiere fast ausschließlich bei Frauen, sagt Fätkenheuer – weil Harnröhre und Darmausgang nah beieinander liegen.

„Bei schweren Darmoperationen besteht die Gefahr, dass sich die Bakterien in der der Bauchhöhle ausbreiten“, erläutert der Mediziner. Und bei Krebspatienten können schwere Infektionen entstehen, weil bestimmte Formen der Chemotherapie die Darmschleimhaut stark angreifen können. Wenn sie porös wird, können Enterokokken in den Blutkreislauf gelangen. Das, sagt Fätkenheuer, sei die gefährlichste Infektion.

Kann man an einer VRE-Infektion sterben? 

Man kann an einer VRE-Infektion sterben, sagt der Experte für Infektionskrankheiten: „Blutstrominfektionen oder die – glücklicherweise seltene – Entzündung der Herzinnenhaut (Endokarditis) sind sehr gefährliche Erkrankungen.“

Sind alle Enterokokken resistent gegen Vancomycin?

Nein. „Die häufigere Form ist sehr gut zu behandeln“, erklärt der Infektions-Experte, und zwar mit verschiedenen Antibiotika. Eine andere Art der Bakterien ist schwieriger zu behandeln. „Da nimmt man normalerweise Vancomycin.“ Wenn Enterokokken auch mit diesem Medikament nicht in den Griff zu bekommen sind, wird es schwierig. „Das ist ein Problem, weil es nicht mehr viel gibt, was man nehmen kann“, erkärt der Arzt. Zwei weitere Medikamente gibt es in Deutschland, mit denen eine Therapie versucht werden kann – Linezolid und Daptomycin.

Müssen Patienten mit VRE-Infektionen isoliert werden?

Hier gibt es keine feste Regeln und keine einheitliche Meinung unter den Medizinern. Es sei völlig unklar, ob strenge Isolierung mehr bringt als eine normale Standardhygiene, sagt Dr. Fätkenheuer. Deshalb gebe es in verschiedenen Kliniken auch unterschiedliche Handhabungen.

Wie kann man sich gegen VRE-Infektionen schützen? 

Bis auf die normale Hygiene – häufiges Händewaschen, vor allem nach jedem Toiletten-Gang – kann man selbst nichts tun, um sich vor einer VRE-Infektion zu schützen, sagt der Arzt. „Der beste Schutz ist, nicht schwer zu erkranken, aber das kann man ja nicht selbst beeinflussen.“

Grundsätzlich gebe es zwei Wege der Erkrankung, erklärt Fätkenheuer. Da sei die Übertragung von anderen Menschen, entweder direkt oder über dritte, etwa im Krankenhaus. Das könne bei mangelnder Hygiene passieren, etwa durch kleinste Stuhlreste auf Toiletten oder an Laken. „Diese Bakterien leben im Darm, das ist kein steriles Umfeld – das sind ziemlich zähe Biester, die sind kaum kaputt zu kriegen“, sagt Fätkenheuer. Infektionen könnten passieren, wenn man die Bakterien an den Fingern habe. So können sie zum Beispiel in Wunden geraten, und wenn man sich an den Mund fasse, könnten sie auch in den eigenen Darm gelangen. „Das ist der Weg, den wir unbedingt vermeiden müssen“, sagt der Mediziner.

Die Erreger können aber auch natürlich auftreten. Gefährdet sind besonders Menschen, die lange im Krankenhaus liegen, oft schon mehrere Infektionen hatten und mit verschiedenen Antibiotika behandelt wurden. Die Medikamente töten dann viele Darmbakterien ab, aber die resistenten Erreger überleben.„Die Schwierigkeit im Krankenhaus ist, dass die gefährdeten Patienten meistens mehrere andere schwere Probleme haben“, erklärt Fätkenheuer.

Sind VRE und der Krankheitserreger MRSA ähnlich gefährlich?

Bei MRSA handelt es sich auch um ein gegen ein Antibiotikum resistentes Bakterium. MRSA steht für Methicillin-resistenter Staphylococcus aureus. „Staphylokokken sind sehr weit verbreitete Bakterien. Sie gehören allerdings nicht in den Körper“, sagt Dr. Fätkenheuer. Aber auch auf gesunder Haut sind die Bakterien oft zu finden.

Staphylokokken verursachen viel häufiger als Enterokokken Infektionen auch bei sonst gesunden Menschen – etwa Wundinfektionen nach Operationen, Lungenentzündungen oder Knochenentzündungen. Infektionen mit Staphylokokken seien immer schwere Erkrankungen, betont der Arzt.

Vor einigen Jahren seien MRSA-Infektionen noch ähnlich schwer zu behandeln gewesen wie heute VRE-Infektionen. „Hier hat man in den letzten Jahren neue Behandlungsmöglichkeiten gefunden.“