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Was Forscher über unser Seelenleben wissen

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Foto: imago stock&people

Essen. 

Schon seit Jahrtausenden beschäftigen sich Dichter und Philosophen mit Gefühlen. Wissenschaftler wollen jetzt dem Geheimnis auf die Spur kommen, was Gefühle sind, wo sie entstehen, und wie man sie ändern kann.

Furcht, Lust, Ekel, Liebe – Gefühlen werden Lieder, Gedichte und Geschichten gewidmet. Doch wenn wir Gefühle definieren sollen, fehlen uns die Worte. Was sind Gefühle? Eine Antwort gibt die Neurobiologie.

Ein gutes oder schlechtes Blatt – ungeübten Pokerspielern sieht man das an. Kein Wunder, denn Emotionen lassen sich schlecht verbergen. Selbst wer ein Lächeln unterdrückt, kann mit der Körperhaltung genug Signale geben, die ihn enttarnen. „Gefühle haben generell einen starken Bezug zum Körper“, sagt Gerhard Roth, Neurobiologe an der Universität Bremen.. „Unsere Körpersprache ist oft sehr typisch.“ Und das ist nicht nur ein breites Grinsen bei Freude, auch unbewusste Signale, wie das Hochziehen einer Augenbraue können Emotionen verraten. Das zu verbergen, will gelernt sein.

Gefühle steuern unser Verhalten

„Gefühle sind Kurzberichte aus dem emotionalen Gedächtnis“, sagt Roth. Es speichert gute oder schlechte Erfahrungen mit einer Situation ab. Kommt es zu einem ähnlichen Ereignis, schickt es Gefühle, die unser Handeln beeinflussen. „Ganz spontan reagieren wir dann auf ein Ereignis mit Freude, Trauer oder Furcht“, so Roth. „Gefühle steuern damit unser Verhalten.“ Und das sei nicht nur ein menschliches Privileg. Auch Tiere haben Emotionen, die ihr Verhalten oft stark beeinflussen.

Gefühle entstehen im Gehirn

Eine gute Note in der Klausur, und das Herz scheint vor Glück zu hüpfen. Auch wenn es sich so anfühlt, Freude entsteht nicht im Herzen, sondern im Gehirn. „Gefühle werden tief im Innern des Gehirns, im sogenannten Limbischen System erfahren“, sagt Roth. „Dort sind sie jedoch erst einmal unbewusst.“

Bewusst werden Gefühle, wenn sie das limbischen System zur Großhirnrinde sendet. Und auch an die Organe gehen Signale wie die Aufforderung an das Herz schneller zu schlagen und damit mehr Blut durch den Körper zu pumpen. Und das hat es ein wichtiges Ziel: den Körper in Alarmbereitschaft zu versetzen. „Unsere Vorfahren in der Steinzeit konnten so schneller einer Gefahr entrinnen beispielsweise vor einem Mammut weglaufen.“ Die wenigsten Menschen müssen sich zwar heute vor wilden Tieren schützen, das Gefühl spüren sie aber trotzdem in schwierigen Situationen wie Prüfungen.

Gefühl ist nicht gleich Gefühl

Verschiedene Arten von Gefühlen entstehen in unterschiedlichen Zentren im limbischen System des Gehirns. Eines ist beispielsweise für Furcht zuständig, eines für Freude. „Insgesamt gibt es etwa sieben dieser Zentren“, so der Neurobiologe. „Dabei steht nicht jedes für sich allein, sondern sie sind alle miteinander vernetzt.“ So kann es auch zu Überlappungen kommen. Beispielsweise kann sich das Zentrum, das für Furcht aber auch für Überraschung zuständig ist, mit dem für Freude kreuzen. Wenn nämlich jemand mit Überraschungen durchweg positive Erfahrungen gemacht hat.

Bunte Bilder verraten Gefühle

Das Reich der Gefühle wird erst seit etwa 20 Jahren von Neurobiologen erforscht und zählt damit zu den relativ jungen Forschungsgebieten der Neurobiologie.

Um Aussagen darüber machen zu können, wo welche Gefühle entstehen, nutzen Neurobiologen die so genannte funktionelle Kernspintomografie. Ein bildgebendes Verfahren, welches die Aktivität des Gehirns sichtbar macht, nicht als einzelnes Bild, sondern fortlaufend als Sequenz. „Die Veränderungen, die die Gefühle auslösen, sind jedoch sehr schwach“, sagt Roth, „deshalb sind die Untersuchungen mit einem hohen technischen Aufwand verbunden.“

Die Forscher hoffen, mit ihren Ergebnissen beispielsweise zur Wirkungsweise von Psychopharmaka Aussagen machen zu können. Ein Vergleich zwischen dem Hirn gesunder und kranker Menschen könne außerdem für eine Psychotherapie entscheidend sein.

Überaktivität des Gehirns

Erste Erkenntnisse konnten schon gewonnen werden. Bei der Untersuchung von Angstpatienten wurde beispielsweise eine starke Aktivität des Mandelkerns im limbischen System gemessen. Dieses Zentrum ist für das Angstgefühl zuständig. Die Untersuchungen wurden nach einer zweijährigen psychosomatischen Therapie wiederholt. Ergebnis: Der Mandelkern reagierte nun fast wieder wie bei normalen Menschen.