Wann ist mein Kind zu krank für den Kindergarten?

Manche Eltern liefern ihre Kinder auch trotz Erkrankung in der Kita ab – und sorgen so für Ansteckungen.
Manche Eltern liefern ihre Kinder auch trotz Erkrankung in der Kita ab – und sorgen so für Ansteckungen.
Foto: Getty
  • Bei ansteckenden Krankheiten dürfen Kinder auf keinen Fall in den Kindergarten
  • Sonst liegt die Entscheidung bei den Eltern
  • Kitas warnen: Wenn das Personal krank ist, schließt die Einrichtung

Essen.. Mit dem Herbst kommen die Infektionen: Schnupfen, Husten, Fieber, Magen-Darm – vor allem Eltern kleiner Kinder haben oft das Gefühl, dass diese Reihe nie abreißt und stetig wieder von vorne beginnt. Ist einer in der Familie wieder gesund, beginnt oft die Krankheit beim Nächsten. Für berufstätige Eltern bedeutet das, dass sich zu den eigenen Fehltagen die Krankheitstage der Kinder addieren.

"Es ist eine Dilemma-Situation", sagt Martina Krull. Sie ist Leiterin der Kindertagespflege des Verbands allein erziehender Mütter und Väter (VAMV), zu dem 127 Tagesmütter und -väter gehören(Stand Ende 2015). "Kranke Kinder sind immer ein Thema", erklärt Krull. Zum einen sei da die Unsicherheit, ab wann ein Kind so krank ist, dass es nicht zur Tagesmutter gehen kann. Zum anderen müssten die Betreuerinnen immer zwischen drei Fragen abwägen: Wie geht es dem Kind? Was brauchen die Eltern? Und was brauche ich als Tagesmutter? Denn steckt sich die Erzieherin an, fällt sie für alle Kinder aus.

Berufstätige Eltern stehen unter Druck

Auch die Eltern stehen unter Druck, "und dieser Druck wird immer größer", meint Krull, weil immer häufiger beide Elternteile arbeiten: "Manchmal reichen die Kinderkrankentage pro Jahre nicht aus oder man hat gerade eine neue Stelle angetreten und möchte nicht fehlen." Dann komme es regelmäßig vor, dass Eltern ihre Kinder trotz Erkrankung zur Betreuung brächten – und sie entweder wieder mit nach Hause nehmen oder nach kurzer Zeit wieder abholen müssen. Kinderkrankengeld

Aber wie krank muss ein Kind sein, dass es nicht in die Kita, den Kindergarten oder zur Tagesmutter darf?

Das Infektionsschutzgesetz listet eine Reihe stark ansteckender Krankheiten auf, bei denen Kinder zu Hausen bleiben müssen, darunter Keuchhusten, Masern, Krätze oder Windpocken. Darüber hinaus sind die Regelungen abhängig vom Träger der jeweiligen Einrichtung. In der Regel dürfen Kinder mit Fieber, Erbrechen, Durchfall oder Läusen keine Betreuungseinrichtung besuchen. Rotznasen und Husten hingegen sind erlaubt, "so lange das Kind sich wohlfühlt", erklärt Krull.

Wenn der Arzt "gesundschreiben" muss

Jutta Behrwind ist Leiterin von drei Kindertagesstätten und zwei Kindertagespflegeverbünden in Essen. Wer sein Kind in einer ihrer Einrichtungen betreuen lässt, unterschreibt mit dem Vertrag die Regelung, bei welchen ansteckenden Erkrankungen er es nicht in die Kita bringen darf und es anschließend vom Arzt "gesundschreiben" lassen muss. "Das Problem ist, dass viele Ärzte nicht mehr gesundschreiben", erklärt Behrwind. Sie könnten sich zum Beispiel bei Durchfall nur auf die Aussage der Eltern verlassen, dass das Kind tatsächlich symptomfrei sei. Und Ärzte, die noch gesund schrieben, nähmen zwischen 2,50 und 14 Euro für den Bescheid.

Auch Sarah Mayer, Sprecherin des Kita Zweckverbands im Bistum Essen, Träger von 270 Betreuungseinrichtungen in der Region, verweist auf die Ärzte: "Sie bestimmen im Zweifel, ob der Besuch der Kita nicht empfohlen wird." Und müssten bei stark ansteckenden Krankheiten auch wieder gesundschreiben.

Vielen Eltern gefalle diese Regelung nicht, weil sie dann mit dem gesunden Kind nochmal zum Arzt müssten, sagt Behrwind. Aber auch sie macht klar, dass eine Erkrankung der Erzieherinnen die Schließung der Einrichtung zur Folge haben kann: "Und dann kommen die Eltern erst recht in Schwierigkeiten." Behrwind steht in regelmäßigem Kontakt mit dem Gesundheitsamt, entscheidet mit einer Mitarbeiterin zusammen, "wann wir schließen und ob und wie wir desinfizieren müssen".

"Mit sorgsamen Eltern lässt sich eine solche Situation vermeiden", betont Behrwind und auch Krull appelliert an die Verantwortung der Eltern: "Kranke Kinder wollen Ruhe und gekuschelt werden. Und niemand hat etwas davon, wenn sich alle anderen anstecken."

 
 

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